Die Suche nach der keltischen Akropolis

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Die neuesten archäologischen Sondagen und Prospektionen auf dem Ipf sind gerade in vollem Gange. Der Universitätsprofessor und Ipf-Forscher Rüdiger Krause hat interessierte Besucher über das Ausgrabungsgelände geführt und einen Einblick in die aktuelle Ipf-Forschung gegeben.

Man sieht ihn schon von weitem und doch verbirgt er mehr als er preisgibt: Der Ipf. Der imposante Zeugenberg streckt sich knapp 700 Meter in die Höhe. Fühlt man dem mächtigen Berg einmal mit aller Raffinesse der heutigen Technik auf den Zahn, lässt er sich doch das eine oder andere Bemerkenswerte entlocken.

Doch auch Ergebnisse geomagnetischer Messungen oder hochauflösende Luftbilder können manchmal trügerisch sein. Diese Erfahrung musste der Universitätsprofessor und leidenschaftliche Ipf-Forscher Rüdiger Krause von der Goethe-Universität Frankfurt am Main schon einige Male machen. „Manchmal führt uns dieser Berg an der Nase herum“, so Krause lächelnd. Der erfahrene Forscher weiß: Archäologie ist eine Sisyphusarbeit.

Und so lässt sich Krause auch nicht beirren und schaut dem Ipf immer wieder mal unter die Flanken. Man weiß jetzt zum Beispiel, dass es rund um den Ipf mindestens zwei Befestigungsanlagen gegeben hat: Eine Erkenntnis aus der geomagnetischen Prospektion. „Die imposanten und mächtigen Befestigungsanlagen auf dem Ipf haben schon lange den Verdacht genährt, dass es sich um eine der Burgen der älteren Eisenzeit handelt, die wir unter dem Begriff ‚Fürstensitze‘ subsummieren. Die kleine Scherbe einer attischen Trinkschale aus der Zeit um 500 vor Christus wurde bisher als Beleg für südliche Importgüter dahingehend gewertet, auf dem Berg das Machtzentrum einer sozialen Elite zu vermuten, die Kontakte mit dem mediterranen Süden pflegte“, sagt Krause.

Das Alter des Befestigungswalls ist noch nicht geklärt

Dieser Verdacht hat nun seit dem Jahr 2000 durch spektakuläre Entdeckungen der Luftbildarchäologie und neue Ausgrabungen in der Umgebung des Ipf unerwartete Aktualität erfahren und die Bedeutung seiner Befestigungen sowie des Siedlungsumfeldes schlagartig erweitert. Im Rahmen des Schwerpunktprogramms der Deutschen Forschungsgemeinschaft erfolgen seit 2004 neue Ausgrabungen auf dem Ipf und in Rechteckhöfen am Fuße des Berges.

Die Grabungskampagne am unteren Befestigungswall beschäftigt sich vor allem mit der Frage, wie alt diese Befestigung ist. Auf der Fläche des jetzigen Grabungsgeländes wird eine alte Toranlage vermutet. „Im besten Fall finden wir sogar Holzreste, die es uns erlauben, mit der C14-Methode das genaue Alter der Befestigungsanlage zu datieren“, hofft Krause. Schon jetzt offenbart der sogenannte Grabungsschnitt ungewöhnliche Gesteinsformationen im Untergrund. „Leider sind wir nicht so schnell vorangekommen, wie wir es uns erhofft haben. Aber Geduld ist auch wichtig“, so Krause. Der Archäologe erwartet, in den nächsten Wochen um einige interessante Erkenntnisse reicher zu sein. Dann möchte Krause seine Ergebnisse gerne wieder mit interessierten Besuchern teilen. Bis dahin geht die Suche nach der keltischen Akropolis akribisch weiter.

Auf der Suche nach der keltischen Akropolis am Ipf
Die neuesten archäologischen Sondagen und Prospektionen auf dem Ipf sind gerade in vollem Gange. Der Tübinger Universitätsprofessor und Ipf-Forscher Rüdiger Krause führt interessierte Besucher über das Ausgrabungsgelände und gibt einen aktuellen Einblick in die neueste Ipf-Forschung.
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