Der Ipf ist noch immer ein Kultplatz

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Der Ipf ist noch immer ein Kultplatz
Schwäbische Zeitung
Redakteur Bopfingen-Ries

Der Ipf und die Bopfinger haben schon immer zusammengehört. Nicht wie in anderen Orten, wo die Menschen ihren Hausberg respektierten und mieden oder gar mit Missachtung straften, war der Ipf für die Bopfinger immer schon ein verlängerter Garten. „Bopfingen am Ipf“ steht auf alten Postkarten, genauso aber auch: „Oberdorf am Ipf“.

„Der Ipf spricht den Menschen einfach an“, sagt Heinz Bergdolt. Wenn der Bopfingen-Kenner Besuchergruppen über den Ipf führt, trifft er mitunter seltsame Gestalten. Wünschelrutengänger waren schon dabei und Frauen in wallenden Gewändern. Eine andere Führerin begegnete mit ihrer Gruppe in der Lindenallee auf den Gipfel einem Tross Nacktwanderer. Selbst ernannte Hexen sollen auf dem Ipf schon in den Siebzigerjahren ums Feuer getanzt haben, Esoteriker schätzen den Berg als besonderen Kraftort, In Büchern über magische Orte wird er mit starken Erdstrahlen in Verbindung gebracht. „Natürlich gibt es auch eine Sage von einem Schatz auf dem Ipf, der von einem Hund bewacht wird“, sagt Heinz Bergdolt, nicht ohne hinzuzufügen: „Aber das erzählt man sich ja von jedem zweiten Berg.“

Prozession schon 1458 erwähnt

„Der Ipf ist einfach ein besonderer Berg, der die Leute schon durch seinen Anblick animiert“, erklärt sich Helge Hirsch vom Förderverein Keltischer Fürstensitz Ipf die fast religiöse Begeisterung für den 668 Meter hohen Kegel. Bereits im späten Mittelalter marschierten die Bopfinger Bürger, angeführt von ihrer Geistlichkeit, jeden Ostermontag in einem feierlichen Zug auf den Ipf. Diese Prozession ist für das Jahr 1458 urkundlich erwähnt. „In der evangelischen Kirchengemeinde ist diese Bergwallfahrt seit 2004 mit dem ,Kreuzweg auf den Ipf‘ in der Karwoche und dem Gottesdienst auf dem Ipf am Sonntag nach Johanni in abgewandelter Form wieder aufgenommen worden“, stellt Bopfingens Pfarrer Michael Rau fest.

Oben auf dem Ipf angekommen, wurde in alter Zeit getanzt und gefeiert. Den Ipftanz vermuten einige als Vorläufer der 1811 begründeten Ipfmesse. Der Graf von Oettingen, dem die Polizeigewalt über die Ländereien um Bopfingen herum zustand, nutzte diesen Ipftanz bald, um zu zeigen, wer der Herr auf dem Ipf ist: Sein Landvogt beanspruchte das Recht des Vortanzes.

Gehörte der Ipf mehrheitlich zu Bopfingen oder zu Oberdorf? Um diese Frage ging es, als ab 1818 die Landvermesser die Gemarkungsgrenzen im Königreich Württemberg festschrieben. Eine Karte von 1829 teilte den Kegelmantel hälftig unter beiden Gemeinden auf und schlug das Gipfelplateau ganz Bopfingen zu. Mitte der 1830-er Jahre entstand die endgültige Karte. Oberdorf gehört danach die Hälfte der Ipfhochfläche und der größere Teil des Kegelmantels. Weil die Oberdorfer nach dieser Festlegung an den Einnahmen der Ipfmesse beteiligt werden wollten, reagierten die Bopfinger: Sie verlegten 1837 das Volksfest, das fortan nicht mehr auf dem Gipfel, sondern am Fuß des Bergs gefeiert wurde. Noch heute findet die Ipfmesse auf den Sechtawiesen statt.

Siegesrune im Weltkrieg

Die 1892 gegründete Bopfinger Sektion des Schwäbischen Albvereins legte als eine ihrer ersten Vereinsaktivitäten einen Wanderweg auf den Ipf an. In den letzten, verzweifelten Tagen des Zweiten Weltkrieges legte der „Bund deutscher Mädel“ über Ostern mit Steinen eine riesige Siegesrune an den Ipfhang.

Wesentlich fröhlicher ging‘s bei den „Ipfrennen“ zu, Geschicklichkeits- und Bergfahrten für Motorräder, den der Motorsportclub Ipf Bopfingen erstmals 1932 ausrichtete. Eine zweite Ausgabe startete am 15. August 1953. „Beim Krankenhaus ging es steil rauf. Links und rechts standen mehr als 15000 Leute“, erinnert sich Heinz Bergdolt, der damals als Streckenposten von der Partie war. „Das war ein friedliches Fest, einige Bopfinger fuhren mit, und die Begeisterung für Motorsport war riesengroß.“

Gefährliche Flüge

Andere Sportler – die Drachenflieger – stürzten sich vor allem in den Achtzigerjahren wagemutig von dem Berg. „Einige blieben in den Bäumen hängen“, weiß Bergdolt, der Hausmeister im Bopfinger Krankenhaus war und einige dieser Piloten mit Halskrause verabschiedete. Der Ipf ist tückisch – auch, was den Wind betrifft. „Es gibt viele Wirbel“, sagt Bergdolt.

„Der Ipf ist immer noch zum Drachenfliegen zugelassen, Gleitschirmfliegen ist aber nicht erlaubt“, weiß Wolfgang Hauser, Vorsitzender des Deutschen Hängegleiterclubs Heidenheim. Sein Verein betreut das Gelände und hält die Zulassung für den Ipf. Er kennt die Gründe für das Ausbleiben der Flugsportler: „Die Drachenflieger werden immer weniger und älter, daher ist der Ipf nicht mehr so frequentiert wie früher. Die aktuellen Geräte sind zudem relativ schwer, und es ist eine sportliche Herausforderung, diese Geräte den Ipf hoch zutragen.“ Er fügt aber hinzu: „Das Fliegen am Ipf macht nach wie vor großen Spaß, wenn der Wind passt, dies ist immer bei West- bis Nordwind der Fall.“

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