CDU-Stammtisch beleuchtet Artenschwund

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 Die Landwirte hätten kein Interesse daran, der Natur zu schaden, sagte Johannes Strauß, Kreisgeschäftsführer des Bauernverbande
Die Landwirte hätten kein Interesse daran, der Natur zu schaden, sagte Johannes Strauß, Kreisgeschäftsführer des Bauernverbandes im Ostalbkreis. (Foto: Bauch)
Martin Bauch
Freier Mitarbeiter

Das Volksbegehren zum Erhalt der Artenvielfalt in Bayern ist auch beim politischen Stammtisch der CDU Bopfingen ein Thema. Experten aus Naturschutz, Land- und Forstwirtschaft haben den interessierten Zuhörern die Problematik aus verschiedenen Blickwinkeln nahe gebracht

„Insgesamt hat man den Eindruck, dass es immer weniger Insekten gibt. Die Artenvielfalt wird geringer“, so Thomas Trautwein, der Vorsitzende des Bopfinger CDU-Stadtverbandes. Häufig werde mit dem Finger auf die Landwirtschaft gezeigt, doch damit mache man es sich mitunter zu einfach, sagt Rainer Holzner vom Vogelschutz- und Zuchtverein Bopfingen. Aus seiner Sicht, aber auch aus der Warte der anderen Referenten, ist der Bürger mitverantwortlich am Insektensterben. „Da wird der Rasen heute mit Mährobotern permanent kurz gehalten, weil dies der heutigen Ästhetik entspricht. Kein Gänseblümchen, kein Löwenzahn darf diese Rasen-idylle zerstören.“

Noch nie gab es eine solche Artenvielfalt im Wald

Steingärten und Steinskulpturen komplettieren die „Todeszone für Insekten“, meint auch Revierförster Armin Braun. Der Waldexperte beobachtet aber auch, dass der Wald immer öfter als Ersatzhabitat für Insekten dient. „Immer wo sich eine Kahlfläche im Wald auftut, breiten sich innerhalb kürzester Zeit Kräuter und andere Pflanzen aus, die den Insekten als Nahrung und die wiederum anderen Tieren als Nahrung dienen“, beobachtet Braun. Noch nie habe es eine solche Artenvielfalt im Wald gegeben wie heute.

Johannes Strauß, Kreisgeschäftsführer des Bauernverbandes Ostalb, vertrat die Seite der Landwirte. Strauß sprach von einem ausgeprägten ökologischen Bewusstsein der Bauern beim Thema Natur- und Artenschutz. „Wir Landwirte haben bestimmt das geringste Interesse daran, unserer Geschäftsgrundlage, der Natur, zu schaden.“ Das geänderte Konsumentenverhalten zwinge die Bauern aber häufig dazu, Kompromisse einzugehen. „Nicht immer geht das ohne Konflikte mit den Forderungen zum Erhalt der Insektenartenvielfalt vonstatten“, so Strauß. Beim Konsumentenverhalten kritisiert Strauß die „Noch günstiger und noch mehr Qualität“-Mentalität vieler Menschen. „Wir Landwirte passen uns der Nachfrage an“, so Strauß. Auf der anderen Seite steht der politische Wille im Naturschutz. „Die Politik regelt, wie Naturschutz auszusehen hat, weist neue Naturschutzzonen aus, ohne den betroffenen Landwirten für die verlorenen Flächen einen Ausgleich zu gewähren. Diese müssen wirtschaftliche Einbußen hinnehmen oder eben die industrielle Landwirtschaft intensivieren“, sagt Strauß.

Bebauungspläne als Steuerungsmechanismen

Was also lässt sich gegen das Insektensterben tun? Der Bürger könnte etwa einen Rasen einfach einen blühenden Rasen sein lassen. „Die Landwirtschaft setzt auf Einhaltung der Fruchtfolge und einen regelmäßigen Fruchtwechsel sowie die Verwendung von mechanischem Pflanzenschutz. Gleichzeitig legen wir sogenannte Blühstreifen an, mit denen wir die Pflanzen- und Artenvielfalt unterstützen wollen“, sagt Strauß.

Auf kommunaler Ebene gibt es ebenfalls einige Steuerungsmechanismen. Bopfingens Bürgermeister Gunter Bühler hat da beispielsweise die Bebauungspläne im Auge. „Über diese lassen sich die künftigen Bauherren zur Umsetzung von Maßnahmen für den Natur- und Artenschutz leiten. Aber auch über die Verpachtung von gemeindeeigenen Flächen lassen sich Änderungen erreichen. Die Stadt Bopfingen hat bei der Neuverpachtung ihrer Flächen den Pächtern zur Auflage gemacht, auf den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ganz zu verzichten“, so Bühler, der auch bei den Kommunen eine Verantwortung für den Naturschutz sieht. Das kritische Hinterfragen der eigenen Verhaltensweisen ist nach Meinung der Anwesenden und Redner eine wichtige Voraussetzung dafür, um ein Umdenken für den Naturschutz zu bewirken.

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