Bierbrauen und Biertrinken im Ries

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Schwäbische Zeitung
Redakteur Bopfingen-Ries

Seit 500 Jahren regelt das bayerische Reinheitsgebot, dass nur Hopfen, Malz, Wasser und Hefe ins Bier dürfen. Zum Jubiläum zeigt eine sehenswerte Ausstellung im Stadtmuseum Nördlingen, dass das Bierbrauen und -trinken auch im Ries eine lange Tradition hat. Sie ist noch bis zum 11. September geöffnet.

Das älteste Exponat stammt etwa aus dem Jahr Null: Es ist ein römischer Krug, den Arbeiter beim Bau der Druckerei C.H. Beck in der Nördlinger Altstadt fanden. Eine chemische Analyse hat ergeben, dass daraus tatsächlich Bier gertrunken wurde.

Das Ries war zunächst eine Weinregion

„Eigentlich war hier lange Zeit eine Weinregion“, sagt Museumsleiterin Andrea Kugler. Erst eine allgemeine Klimaverschlechterung mit sinkenden Temperaturen im 15. Jahrhundert habe dem Weinbau im Ries den Garaus gemacht. Seitdem wird Bier getrunken – und wie. Ein knappes Dutzend Brauereien ist in der Stadt Nördlingen für das 19. Jahrhundert nachweisbar.

Es waren fast immer die Wirtshäuser selbst, die sich das Braurecht sicherten und die Durstigen mit Bier versorgten. Krüge, in denen Privatleute sich das Bier im Wirtshaus einschenken ließen und mit nach Hause nahmen, sind in der Ausstellung zuhauf zu sehen. Sie tragen die Embleme fast vergessener Nördlinger Brauereien wie Lammbräu, Dehlerbräu und Meyerbräu, aber auch bekannte Schriftzüge: Die Ankerbrauerei stellte erst in diesem Jahr den Braubetrieb ein. Von der Sixenbrauerei, die 1990 an die Paulaner-Gruppe ging, sind sogar zwei noch verschlossene Bierflaschen in den Vitrinen zu bestaunen.

Acht Bierkeller warteten auf Ausflügler

Zapfgerätschaften, Gasthausstühle, Exportbier-Kisten, Wirtshausschilder, alte Rechnungen und Urkunden laden zu einer Reise in die Nördlinger Bier-Vergangenheit ein. Alleine acht Bierkeller, in denen das Bier im Sommer in Eisgewölben gekühlt wurde, gab es entlang des Höhenzugs Marienhöhe, außerhalb der Nördlinger Altstadt. Früher waren sie für die Städter die Ausflugsziele schlechthin. Mit dem gehobenen Restaurant „Meyer’s Keller“ ist lediglich ein Relikt dieser Bierkellerkultur geblieben.

Eine Nördlinger Bierordnung, die Qualität, Preis und erlaubte Braumenge festlegte, gab es in Nördlingen schon 1469. Sie ist ebenso im Museum zu sehen wie ein Video, das den Brauvorgang in der Ankerbrauerei um 1985 zeigt. Interessant ist ein Totenschild aus dem Jahr 1660, das einst in der Nördlinger Georgskirche hing und wie ein Bilderbuch zeigt, dass fast alle Wirtshausnamen biblischen Ursprung haben: Das goldene Rad, das braune Ross, der Anker, das Kreuz, der grüne Baum und viele andere.

Eine Brauerei gibt es in Nördlingen noch: Seit 2011 ist Christian Maier, der aus der Aalener Fuchsbrauerei stammt, in Nördlingen mit seinem kleinen Brauhaus ansässig. Maierbier können sich Besucher der Ausstellung anschließend auch im Foyer des Stadtmuseums schmecken lassen.

Das Stadtmuseum Nördlingen in der Vorderen Gerbergasse 1 ist dienstags bis sonntags von 13.30 bis 16.30 Uhr geöffnet. Die Ausstellung „Bier brauen und trinken“ ist bis zum 11. September zu sehen. Führungen sind jederzeit nach telefonischer Anmeldung unter 09081 / 84810 möglich.

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