Gedenken:
                  Tafel erinnert an Heimann
Schwäbische Zeitung

(mab) - „Es ist lange her, aber nicht vergessen“, sagte der Vorsitzende des Trägervereins Ehemalige Synagoge Oberdorf, Landrat a.D. Dr. Diethelm Winter, in seiner Laudatio über Karl Heimann, einem der engagiertesten Förderer des Trägervereins. Die Enthüllung einer Gedenktafel für den Oberdorfer war ein lang vorbereiteter Schritt, einen um Versöhnung zwischen Juden und Deutschen bedachten Menschen zu ehren. Sein Leben lang hat Heimann auch gegen das Vergessen der Geschehnisse einer grausamen deutschen Vergangenheit gekämpft. Es war die Gleichgültigkeit der Menschen, die Karl Heimann so sehr fürchtete, wie er selber immer wieder betonte. Über viele Jahre besuchte er Oberdorf und hielt Vorträge über die Judenverfolgung vor Schülern am Ostalb-Gymnasium. Auch in den USA waren Heimanns Erzählungen vielen bekannt.

Die Familie Heimann gehörte zu einer der ehemals vielen jüdischen Familien, die in Oberdorf wohnten und die in der Gemeinde am Fuße des Ipfs für Generationen ihre Heimat sahen. Mit der Machtergreifung der Nazis in den 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts, begann das unsägliche Leid für diese deutschen Familien jüdischen Glaubens. Verfolgt, gedemütigt, ermordet oder im günstigsten Falle emigriert ins Ausland. Das waren die Alternativen damals, die den Juden blieben. Karl Heimann selbst konnte 1939, zusammen mit seinen Eltern, noch rechtzeitig in die USA ausreisen. Zwei Wochen später fielen Hitlers Truppen in Polen ein.

Zur Enthüllung der Gedenktafel waren aus den USA Heimanns Tochter Elisabeth Prial mit Ehemann Jonathan angereist. Karl Heimann selbst konnte seine Ehrung nicht mehr miterleben. Er starb am 27. August vergangenen Jahres in New York. Von besonderer Bedeutung für die Oberdorfer Synagoge ist heute die Rückkehr einer Thorarolle, die Heimann als Dauerleihgabe dem Trägerverein gestiftet hat. Zusammen mit einer Gedenktafel bildet sie nun den Mittelpunkt der Ausstellung in der ehemaligen Synagoge Oberdorf. Zahlreiche Gäste waren bei der Enthüllung der Gedenktafel dabei und sahen eine sichtlich bewegte Tochter Elisabeth, die die Ehrung für ihren Vater in der Synagoge entgegennahm. Die musikalische Umrahmung der Feierlichkeiten übernahm die Gruppe „Jabadao“.

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