Hohenstadter Patriziusfest erinnert an Konfessionswechsel vor 440 Jahren

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 Das Gemälde, das in Schloss Hohenstadt hängt, zeigt Wilhelm Christoph Adelmann, wie er symbolisch die Kirche seiner Frau Maria
Das Gemälde, das in Schloss Hohenstadt hängt, zeigt Wilhelm Christoph Adelmann, wie er symbolisch die Kirche seiner Frau Maria Magdalena übergibt und zum katholischen Glauben zurückkehrt. (Foto: Wolfgang Fath)

Das diesjährige Patriziusfest in Hohenstadt steht am Sonntag, 17. März, im Zeichen des Konfessionswechsels in Hohenstadt vor 440 Jahren. Daher ist die Wahl des Festpredigers auf Pfarrer Andreas Theurer gefallen. Der Festprediger aus Augsburg ist eng mit dem Thema Religionswechsel verbunden. Er war viele Jahre lang evangelischer Pfarrer, ehe er 2012 mit seiner Ehefrau Gudrun zur katholischen Kirche konvertierte.

Erst bei einem Vorgespräch habe sich gezeigt, so der stellvertretende Vorsitzende des Kirchengemeinderates, Martin Häußermann, dass Andreas Theurer ein direkter Nachfahre des ersten evangelischen Pfarrers in Hohenstadt, Melchior Gärtner, ist. Darüber war selbst Nikolaus Graf Adelmann, Herr des Schlosses Hohenstadt, überrascht. Andreas Theurer sei zunächst mit dem Gedanken eingeladen worden, dass er persönlich einen Konfessionswechsel verkörpere, so Häußermann.

Jener Melchior Gärtner ist eng mit der Geschichte des Konfessionswechsels in Hohenstadt verbunden. Im Jahre 1579 holten die adeligen Brüder Erhardt und Wolff Caspar Adelmann den evangelischen Pfarrer Melchior Gärtner aus Gaildorf nach Hohenstadt, damit er in ihren Territorien den neuen Glauben verbreiten möge. Die Zugehörigkeit Hohenstadts zur evangelischen Kirche dauerte jedoch nicht lange.

Am 24. August 1636 – dem Bartholomäustag – kehrte Wilhelm Christoph Adelmann zusammen mit seiner Ehefrau Maria Magdalena feierlich zum katholischen Glauben zurück und mit ihnen alle Einwohner des adelmannschen Herrschaftsgebietes, ganz nach den Bestimmungen des Augsburger Religionsfriedens von 1555, die besagten: „cuius regio , eius religio.“ (Wem das Land gehört, der bestimmt die Religion)

Ein Gemälde im Treppenhaus des Schlosses zeigt, wie Wilhelm Christoph Adelmann seiner zweiten, streng katholischen Ehefrau Maria Magdalena symbolisch die Kirche übergibt.

Zunächst verweigerten neun Hohenstadter Familien diesen Schritt und widersetzten sich damit dem Recht des Landesherren. Sie hatten jedoch Glück, dass Wilhelm Christoph Adelmann sein Recht nicht mit Gewalt durchsetzte, sondern es auf gütlichem Wege versuchte.

Acht verbliebene lutherische Familien traten ebenfalls wieder zum katholischen Glauben über, nur eine Witwe aus Börrath blieb evangelisch.

Passend zum Thema des Festes werden in Hohenstadt Originaldokumente aus dieser bewegten Zeit zu sehen sein.

Das Festprogramm

10 Uhr: Hochamt mit Pfarrer Theurer und Patriziuschor.

13.45 Uhr: Abritt zur Reiterprozession.

14.30 Uhr: Reiter- und Pferdesegnung.

13.30 und 15.30 Uhr: Schlossführung mit Nikolaus Graf Adelmann

16 Uhr: Kirchenführung mit Nikolaus Graf Adelmann

17 Uhr: Kirchenkonzert mit Bernd Büttner an der Orgel und den Chören des Männergesangvereins Neubronn unter der Leitung von Marcus Englert. (fa)

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