Hilfe für den sauren Wald - Um Abtsgmünd herum werden die Böden gekalkt

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Kalkausbringung mit dem Hubschrauber
Kalkausbringung mit dem Hubschrauber (Foto: A. Huber, Forstbehörde)
IPF- UND JAGST-ZEITUNG

Ab dem 17. August findet auf den Waldflächen um Abtsgmünd eine Bodenschutzkalkung statt. Das hat die Forstbehörde im Ostalbkreis mitgeteilt. Die rund 100 Hektar zu kalkenden Waldgebiete liegen in den Bereichen Pommertsweiler, Vorderbüchelberg, Lutstrut, Straßdorf und Hinterbüchelberg. Je nach Wetterlage wird die Maßnahme rund drei Tage in Anspruch nehmen. In dieser Zeit kann der Waldzutritt in den betroffenen Gebieten eingeschränkt sein.

„Mit der Ausbringung von Kalk sollen die vom Menschen verursachte Versauerung der Waldböden abgemildert und die natürlichen Regenerationsprozesse der Böden unterstützt werden. Das ist wiederum eine gute Basis für klimastabile Wälder, die viele wichtige Funktionen haben, beispielsweise als Wasserfilter und Erholungsraum“, erläutert Forstdezernent Johann Reck.

Baden-Württemberg setze seit rund zehn Jahren Gemische aus Dolomit, Holzasche und Wasser für die Bodenschutzkalkung ein, die entweder mit dem Hubschrauber ausgebracht oder mittels speziell ausgerüsteter Fahrzeuge vom Boden aus verblasen werden.

Eine gesundheitliche Gefährdung für Menschen durch das Kalkmaterial bestehe nicht, so teilt die Behörde mit. In den berührten Waldgebieten werden während der Ausbringung einzelne Wege gesperrt. „Waldbesucher sollten die Sperrhinweise beachten“ so Reck.

Denn es sei mit einem erhöhten Lkw-Verkehr aufgrund der Materialanlieferungen zu rechnen. „Zudem kann es ganz schön staubig werden“, betont Reck. Mit dem nächsten Regen werde der Staub allerdings in den Boden gespült, sodass von ihm kaum mehr etwas zu sehen sein wird.

Hintergrundinformation:

Baden-Württemberg ist bundesweit eines der waldreichsten Länder. Es ist auf einer Fläche von rund 1,4 Millionen Hektar, also zu 39 Prozent von Wald bedeckt.

Bodenversauerung

Die zunehmende Industrialisierung, insbesondere im 20. Jahrhundert, hat den Zustand der Waldböden nachhaltig beeinflusst. Massive Säureeinträge in den Boden, etwa durch sauren Regen, haben dazu geführt, dass Nährstoffe ausgewaschen wurden und es entstand ein zu saures Milieu für viele Bodenlebewesen. Als Folge sind viele Waldböden in ihrer Funktion als Trinkwasserfilter, Pflanzenstandort und Lebensraum nur noch eingeschränkt funktionsfähig.

Die Schäden durch die Bodenversauerung aus der Vergangenheit können die Waldböden allenfalls nur zu Teilen selbständig regenerieren, was den Wald als Ökosystem und seine Funktion belastet. Mit dem Kalkungskonzept der Landesforstverwaltung Baden-Württemberg soll ein natürlicher Bodenzustand, als Grundlage für einen Wald mit hoher Biodiversität und guten Voraussetzungen für den bevorstehenden Klimawandel erreicht werden.

Bodenschutzkalkung im Ostalbkreis

Die Planung und Überwachung der Durchführung übernimmt das Kreisforstamt des Ostalbkreises. Für die Planung der Bodenschutzkalkung wurden zahlreiche, in einem GIS-System erfasste Informationen über den Bodenzustand durch die forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg in Freiburg herangezogen.

Ergänzt werden diese Informationen durch Bodenproben aus den betroffenen Waldflächen. Auf diesen Grundlagen werden Karten erstellt, die als Planungsgrundlage der Kalkungsmaßnahme dienen. Darin sind bereits Kalkungsflächen, kalkungsempfindliche Ausschlussbereiche, die geeignete Materialmischung und eine Empfehlung zur Art der Ausbringung dargestellt. Auf Grundlage dieser Karten erfolgt eine Abstimmung mit der Naturschutz- und Wasserbehörde.

Die Kalkungsmaßnahmen werden anschließend zentral von der landesweit zuständigen höheren Forstbehörde, der Abteilung Forstdirektion beim Regierungspräsidium Freiburg, ausgeschrieben und die Durchführung der Maßnahme von den Forstleuten vor Ort überwacht.

Förderung für Waldbesitzer

Die Europäische Union fördert die Bodenschutzkalkung für Waldbesitzende unter 30 Hektar mit 100 Prozent der entstehenden Kosten. Lediglich die Umsatzsteuer ist nicht förderfähig und muss vom Eigentümer selbst getragen werden. Waldbesitzende über 30 Hektar werden mit 90 Prozent der Nettokosten gefördert.

Die Preise differieren je nach Ausbringungsverfahren sowie dem ausgebrachten Material. In befahrbaren Lagen (Hanglagen bis 30 Prozent) mit einem gut ausgebauten Wegenetz (Gassenabstand von maximal 40 bis 60 Meter) kann ein Bodenverblasefahrzeug eingesetzt werden. In schwer befahrbaren Lagen (Hanglagen über 30 Prozent oder unzureichender Feinerschließung) kommen Hubschrauber zum Einsatz.

Weitere Informationen zum Thema Wald finden sich auf der Internetseite des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz unter www.mlr-bw.de sowie auf den Seiten der Landesforstverwaltung BW unter www.landesforstverwaltung-bw.de und unter www.wald.ostalbkreis.de.

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