Bissiges aus dem Land der Karrenbauer

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 Der Kabarettist Martin Herrmann ist in Abtsgmünd zu Gast gewesen.
Der Kabarettist Martin Herrmann ist in Abtsgmünd zu Gast gewesen. (Foto: Wolfgang Fath)
Wolfgang Fath

Der mehrfach ausgezeichnete Kabarettist Martin Herrmann hat am Freitagabend in der ausverkauften Zehntscheuer mit seinem Programm „ Keine Frau sucht Bauer“ einen musikalisch-satirischen Kabarettabend vom Feinsten geboten. Der Anti-Liedermacher und erste amtliche Frauenflüsterer Deutschlands, wie er sich selbst bezeichnet, hatte das Publikum schnell auf seiner Seite.

Er mache kein Politik-Kabarett, sagte er, denn Politiker seien bessere Kabarettisten als er. Dennoch vergaß er nicht, „AKK“ zu erwähnen. Diese sei schon vom Namen her bestens als Kanzlerin geeignet, denn Deutschlands Autoindustrie sei die Nummer eins. Auf BMW, Daimler und Porsche baue ein ganzen Volk, nämlich das Volk der „Karrenbauer“, und das sei besser als nur ein „Wagenknecht“ zu sein.

Besonders auf seinen Namen sei er stolz, denn „Herr Mann“ sei ja schon ein doppelter Mann, ein echter Östrogenseismograf und eine Herausforderung für jede Gleichstellungsbeauftragte, konstatierte er.

Zu seinem Auftaktlied, dem Albert-Einstein-Lied, meinte er spöttisch: „Ich darf singen, du hörst zu, das liegt nur am IQ.“ Warum sucht keine Frau einen Bauern, fragte er das Publikum, um darauf gleich selbst die Antwort zu geben. Zuvor schlüpfte er in ein rotes Karohemds und setzte sich einen Seppelhut auf. „Auf dem Acker stehen heut’ immer weniger, aber viele stehen eben auf Akademiker“, reimte er. Was kann also die Städterin auf Land treiben? Ist es das Platzangebot für Kinder und der dort vorhandene Streichelzoo?

Auch die Medizin bekam ihr Fett ab. Immerhin habe man nach einer Operation im Körper eines Patienten 16 Operationshilfsmittel wie Nadeln, Scheren und Tupfer gefunden, was vermutlich mit den gestiegenen Entsorgungskosten der Klinik, die es zu reduzieren gelte, zusammenhänge. Oder gelte hier nur das Motto: „Gebt dem Körper was er braucht, und er hilft sich selbst?“ Immerhin habe jedoch kein Organ gefehlt, spöttelte Herrmann dazu.

Er erwähnte dabei auch ein verliebten, Nieren spendenden Chirurgen, der erleben musste dass die Nierenempfängerin, seine Frau, danach nicht das Organ abgestoßen hat, sondern den Spender.

Er habe sich nie getraut, zu heiraten, machte Herrmann in seinen Betrachtungen weiter. Denn bei einer Scheidungsrate von 50 Prozent sei das schon ein Stress, meinte er. Viele würden ja sowieso nur deshalb heiraten damit sie einmal hupend durch die Stadt fahren dürften. Wer nicht verheiratet sei, für den gebe es ja die CD mit dem Titel „Nie mehr alleine“ mit Partnergeräuschen wie etwa Staubsaugen oder Schnarchen.

Großartig war, wie er auf seiner tibetanischen Taschenharfe, die eigentlich ein Eierschneider war, spielte. Diese legte er auf seine Gitarre und brachte, nochmals im bayrischen Outfit, die tollsten Klänge hervor. Herrmann präsentierte komische Lieder wie das Männererziehungslied oder das Kuhsortenlied, toll seine Version von Georg Kreisler „Trauben vergiften im Rewe“. Mit kleinsten Mitteln, aber spitzer Zunge gelang es ihm bestens, das Publikum in seinen Bann zu ziehen. Dabei blieb er trotz teilweise bissiger Satire immer der freundliche Plauderer für Neoromantiker. Das Publikum dankte es ihm mit viel Applaus, die Zugaben ließen nicht auf sich warten.

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