Alles, was Kunschd isch

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Begegnung mit Basts Werken: Stillen Kunstgenuss gab es am Donnerstag auch.
Begegnung mit Basts Werken: Stillen Kunstgenuss gab es am Donnerstag auch. (Foto: Bauch)
Martin Bauch
Freier Mitarbeiter

Abtsgmünd (mab) - Unter dem Titel „Hidden Art oder alles, was Kunschd isch“ hat der in Abtsgmünd-Hohenstadt und in Berlin lebende Künstler Alfred Bast gemeinsam mit seinem Freund Ernst Mantel, seines Zeichens Liedermacher und Comedian, am Donnerstag zu einem Kunstbegegnungsabend in die Zehntscheuer nach Abtsgmünd eingeladen.

Kunst begegnet einem überall – davon sind der Maler Alfred Bast und Comedian Ernst Mantel überzeugt. Wie die beiden das meinen, wird den zahlreichen Gästen in der Zehntscheuer in Abtsgmünd am Donnerstagabend recht schnell klar werden.

Das anfangs der Kunstveranstaltung ausgerufene Motto „Die Deutung der Kunst, die Kunst des Deutens“ ist quasi der Einstieg in einen kurzweiligen und humorvollen Abend voller philosophischer Gedanken. Im Mittelpunkt des Interesses von Bast und Mantel steht die dabei von ihnen selbst kreierte sogenannte „Hidden Art“ – versteckte Kunst. „Lässt sich etwas als Kunst erkennen, was noch gar nicht Kunst ist“, konfrontieren die beiden Protagonisten ihr Publikum mit dieser vermeintlich schlichten Frage.

Wobei die beiden Gastgeber mit einem Augenzwinkern deutlich machen, dass diese Einstiegsfrage nicht todernst gemeint war und keinesfalls auf das universelle Kunstverständnis des Publikums abzielt.

Danach wurde es trashig, aber auch richtig gut. In einem nahezu wahnwitzigen Wortschwall referierte, ja philosophierte Alfred Bast über einen schnöden Textmarker in Gelb und erhob ihn in seiner Rede zum „Sinnbild des Konflikts“ zwischen Mann und Frau. Dieser olle Textmarker als Teil einer Trilogie – zusammen mit einem Paar brauner Lederschuhe auf Holzeichentreppen und einem zerfransten Schuhabtreter aus Bast – regte die Fantasie von Bast noch weiter an. „Der Abtreter markiert die Schwelle zwischen Außenwelt und Innenwelt, die der Mensch in seinem evolutionären Drang und Wunsch nach Erkenntnis tagtäglich überschreitet.“ So oder ähnlich klang die Interpretation dieser einfachen Bildertrilogie aus dem Munde des Künsters Bast. So viel Quatsch ist schon fast wieder Kunst.

Höhepunkt des „geistigen“ Abends war die Interpretation der Fotografie einer wilden Müllablagerung am Straßenrand zwischen den beiden kleinen Örtchen Leinroden und Laubach. Was andere Menschen nur verständnislos den Kopf schütteln lässt angesichts der unsäglichen Umweltverschmutzung, lässt Bast und Mantel angesichts der unerwarteten und kostenlosen, „Hidden Art“ vor Freude frohlocken. Unglaublich, was man in einem unerlaubt in der freien Natur entsorgten Haufen Sperrmüll so alles entdecken und hineininterpretieren kann. Das war Humor und Kunst vom Feinsten.

So mancher Gast dieses fruchtbringenden, geistigen Abends in Abtsgmünd dürfte sich wohl auch am nächsten Tag dabei erwischt haben, wie er sinnierend seinen Textmarker betrachtet und dabei nach den wirklich tiefen Konflikten forscht.

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