Zwei Herren der Ringe zum Abschied

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Das collegium musicum präsentierte sich zum Abschied von Dirigent Gero Wittich besonders engagiert und musizierfreudig.
Das collegium musicum präsentierte sich zum Abschied von Dirigent Gero Wittich besonders engagiert und musizierfreudig. (Foto: Thomas Siedler)
Johannes Müller

Aus privaten und beruflichen Gründen hat Gero Wittich seine über zehnjährige Tätigkeit im und mit dem collegium musicum Aalen beendet. Zum Abschied vom promovierten Physiker und virtuosen Profi-Musiker gab es am Samstag ein faszinierendes Konzert in der gut gefüllten Stadthalle. Außergewöhnlich war es in der Auswahl der Werke, aber auch in ihrer Interpretation.

Den vielen Freunden des collegium musicums, aber auch allen an gepflegter Musik interessierten Zuhörern bot das Ensemble unter seinem ausgesprochen beliebten Dirigenten Wittich ein exquisites Kontrastprogramm. Wer aus der Gegenüberstellung von Werken Wagners und Howard Shores, dem Komponisten moderner Filmmusik, unversöhnliche Gegensätze fürchtete, lag falsch.

Welt der Heldensagen, Märchen und Legenden

Es bestand durchaus eine Art von Brücke zwischen beiden, die bei diesem Konzert überraschend zum Ausdruck kam. Wie sich Wagner in seiner Musik von Heldensagen, Legenden und Märchen, von Zwergen, Wäldern und Bergen hat inspirieren lassen, so schöpfte der 1946 geborene Shore aus Tolkiens Fantasie-Welt von „The Lord oft the Rings“. So gesehen hatte es das Publikum mit der Klangwelt von zwei „Herren der Ringe“ zu tun.

Außergewöhnlich wie die Zusammenstellung des Programms war auch die Interpretation. Das collegium musicum präsentierte sich in glänzender Besetzung. Zur bewährt profilierten Streicherschar mit einer zauberhaften Harfenistin kam eine starke Bläserbesetzung und eine vielseitige Percussionstruppe.

Dass dieser große Klangkörper wunderbar homogen spielte, astreine Intonation lieferte und prägnanteste Einsätze brachte, war in erster Linie das Verdienst von Gero Wittich, der über die Jahre hinweg intensive Orchesterarbeit „mit Herz“ investierte. Dazu kam natürlich, dass das Ensemble zum Abschied auch besonders engagiert und musizierfreudig spielte.

Das alles trat schon gleich beim Vorspiel zur Wagner-Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“ deutlich hervor. Monumental und wuchtig setzten die Bläser das Thema, weich und schmiegsam führten es die Streicher zur Vollendung. Nicht zu viel agierte der Dirigent, der sich auf klare Impulse beschränkte, aber damit große Wirkung erzielte.

Lyrische Verinnerlichung prägte „Siegfrieds Idyll“, ein eher selten gehörtes Werk Wagners. Bei der vom collegium musicum gewohnten Transparenz traten die Einwürfe der verschiedenen Instrumentengruppen sauber strukturiert hervor. Obwohl Wagner in dieses Werk keine Solo-Passagen komponiert hatte, waren die verteilten Rollen gut erkennbar. So auch die glitzernden Girlanden der Harfe, wer genau hinhörte.

Besonders reizvoll entwickelte sich das Suchspiel in der „Symphonic Suite“ von Howard Shore. Der hatte darin eine ganze Reihe geographischer und ethnischer Rätsel versteckt, die aus den folkloristischen Elementen nicht immer ganz einfach zu entschlüsseln waren. Da halfen allerdings die Instrumente, beispielsweise die japanischen Taiko-Trommeln, die fernöstlichen Gongs und Zimbeln oder die keltischen Flötenklänge. Zum Glück hatte Wittich aus der elfstündigen Komposition einen kompakten Teil ausgewählt, sonst wäre der Abend endlos geworden. Lang anhaltender Beifall galt dem Ensemble, aber besonders dem scheidenden Dirigenten.

Probedirigat der Bewerber bereits Ende Mai

Das collegium musicum hat nun die schwere Aufgabe, einen guten Nachfolger zu finden. Ende Mai ist bereits das Probedirigat der Bewerber. Es sollen sich bereits vier Interessenten gemeldet. Viel Zeit ist nicht. Am 13. Oktober +ist um 16 Uhr auf der Kapfenburg bereits das nächste Konzert.

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