„Wir würden die Relegation gerne mitnehmen“

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 Neuler (schwarze Trikots) ist in dieser Saison schwer zu halten.
Neuler (schwarze Trikots) ist in dieser Saison schwer zu halten. (Foto: Peter Schlipf)
Nico Schoch

Der TV Neuler ist die Überraschungsmannschaft der laufenden Saison in der Fußball-Bezirksliga und plötzlich mittendrin im Rennen um die Aufstiegsrelegation. Zielsetzung war ein Platz im gesicherten Mittelfeld, nun spielt der Tabellenvierte im Konzert der Großen mit und will in den kommenden Wochen sowohl Landesliga-Absteiger Bettringen als auch Spitzenreiter Neresheim ein Schnippchen schlagen.

Bereits im 15. Jahr ist der TV Neuler in der höchsten Spielklasse des Bezirks Ostwürttemberg vertreten, die Zielsetzung ist fast immer gleich geblieben. „Wir wollten mit dem Abstieg nichts zu tun bekommen – das haben wir jetzt schon erreicht“, betont ein sehr zuversichtlich gestimmter Abteilungsleiter Tobias Emer: „Jetzt nehmen wir noch mit, was geht. Wir wollen so viele Punkte holen wie nur möglich und schauen, was am Schluss herauskommt.“ Die verbleibenden neun Spieltage sind allesamt Bonuspartien für den bescheidenden TVN, der die Bezirksliga aber durchaus noch verlassen könnte und zwar nach oben. Obwohl der Saisonstart mit nur einem Sieg aus den ersten fünf Partien misslang, dürfen sich die Schwarz-Roten mittlerweile sogar berechtigte Aufstiegshoffnungen machen. „Wir haben eine starke Truppe, sind von Verletzungen weitestgehend verschont geblieben und einfach seit vielen Wochen richtig gut drauf“, nennt Emer die Gründe für eine „absolut herausragende Runde.“ Besser stand der TVN letztmals 1995 da, als es zum vierten Platz in der Endabrechnung reichte – wohlgemerkt in einer Spielklasse, in der damals auch noch namhafte Vereine wie Normannia Gmünd und die TSG Hofherrnweiler an den Start gingen.

Rang vier belegt Neuler auch aktuell, gerade einmal vier Punkte entfernt vom Zweiten SG Bettringen. Deren Abteilungsleiter Oliver Glass hat die Devise „Einer von drei“ ausgerufen: „Nattheim, Neuler und Bettringen werden den Relegationsplatz unter sich ausmachen.“ Dass der Absteiger, der unbedingt wieder in die Landesliga zurückkehren will, den vermeintlich kleinen TV Neuler zu einem scharfen Rivalen erklärt, schmeichelt Emer ein wenig. „Das hören wir natürlich gerne“, schmunzelt der Abteilungsleiter, „die kommenden beiden Spiele werden entscheiden, ob wir wirklich dabei bleiben. Im Fall alller Fälle würden wir die Relegation gerne mitnehmen und unser Bestes geben, obwohl es über drei weitere Spiele fast ein Ding der Unmöglichkeit ist, aufzusteigen.“ Lediglich Hofherrnweiler 2015 bestritt diese Tortur bislang erfolgreich. Emer denkt lieber bescheiden: „Unser neues Ziel ist ein Platz unter den ersten Fünf, das sollte machbar sein.“

Richtungsweisende Partie

Diesen Sonntag gastiert der TV Neuler (4./39 Punkte) zum Spitzenspiel bei der SG Bettringen (2./43) und allein der Blick auf die Tabelle zeigt, dass es für beide Seiten eine richtungsweisende Partie sein wird. Emer spricht von einer „harten Aufgabe, die auf dem kleinen Kunstrasen noch eine Nummer schwieriger werden wird.“ Das Hinspiel konnte sein Team mit 1:0 für sich entscheiden, doch der 29-Jährige schätzt die SGB nun noch einmal stärker ein: „Sie werden auf Wiedergutmachung aus sein.“ Neuler nimmt die Außenseiterrolle gerne an, die Flinte ins Korn werfen werde man aber keinesfalls. „Wir fahren nicht nur hin, um nicht zu verlieren, wir wollen dort unbedingt punkten und das am besten dreifach, wenn wir in die Relegation wollen.“

Was dem TVN als Mutmacher dienen dürften: Aus den bisherigen fünf Begegnungen mit den Top Fünf-Mannschaften stehen drei Siege zu Buche, darunter auch das 2:1 von vor vier Wochen bei der TSG Nattheim. Und wer weiß, was in Neuler tatsächlich noch möglich sein kann, denn an Ostern gibt dort Klassenprimus SV Neresheim (1./47) seine Visitenkarte ab. Dem Klassenprimus steht bereits an diesem Sonntag ein wichtiges Duell bevor und zwar auf fremdem Platz bei der TSG Nattheim (3./42). Beide Konkurrenten werden darauf aus sein, ihren Patzer aus der Vorwoche vergessen zu machen.

Im Abstiegskampf ist die SGM Kirchheim/Trochtelfingen (10./24) mit vier Siegen in Folge die Mannschaft der Stunde. Setzt sich diese Serie auch im Derby gegen den SV Lauchheim (8./33) fort, so könnte die SGM sogar ins gesicherte Mittelfeld vorrücken. Formstark präsentierte sich zuletzt auch der AC Milan Heidenheim (11./22), wo der SV Wört (13./19) antreten muss.

Wört gelang zuletzt mit dem 4:0 gegen Nattheim eine kleine Sensation, ein weiterer Erfolg im Sechs Punkte-Spiel gegen den Mitaufsteiger wäre essentiell für den Klassenerhalt. Schlusslicht FC Ellwangen (16./15) steht derweil im Gastspiel beim SV Waldhausen (6./35) unter Zugzwang, doch auch die Mitkonkurrenten stehen vor hohen Hürden: Der VfL Gerstetten (12./21) ist bei der TSG Hofherrnweiler II (7./33) gefordert, der TV Heuchlingen (15./16) gastiert bei der TSG Schnaitheim (5./35). Auch die SF Lorch (14./18) sind auf dem Papier Außenseiter gegen den FV 08 Unterkochen (9./29), allerdings verlor der FVU im Jahr 2019 bislang alle fünf Partien. Im Krisenduell werden beide Seiten unbedingt die Wende erzwingen wollen.

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