„Wir müssen draußen bleiben“

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Hunde haben auf dem Wochenmarkt keinen Zutritt mehr. Der Ärger ist bei Hundebesitzern deshalb groß.
Hunde haben auf dem Wochenmarkt keinen Zutritt mehr. Der Ärger ist bei Hundebesitzern deshalb groß. (Foto: Thomas Siedler)
Redakteurin/DigitAalen

„Wir müssen draußen bleiben.“ An Schilder mit diesem Hinweis haben sich Hundebesitzer vor einigen Geschäften mittlerweile gewöhnt. Dass sie jetzt aber auch ihre Hunde nicht mehr auf den Aalener Wochenmarkt mitnehmen dürfen, verärgert viele. Laut Marktsatzung war dies mit Ausnahme von Blindenhunden allerdings schon immer verboten, sagt die Pressesprecherin der Stadt Aalen, Karin Haisch. Bislang seien Hunde nur geduldet gewesen. Da sich die Beschwerden von Bürgern und Beschickern in der vergangenen Zeit jedoch gehäuft hätten, habe die Stadt reagiert und vor rund zwei Wochen Aufsteller an den Eingängen zum Wochenmarkt platzieren lassen, die deutlich machen, dass die Fußgängerzone zu Marktzeiten für Hunde tabu ist.

Mittwochvormittag auf dem Aalener Wochenmarkt. Trotz schlechten Wetters kaufen zahlreiche Aalener und Gäste von außerhalb an den Ständen ein. Hunde sind an diesem Morgen so gut wie keine unterwegs. Anscheinend zeigen die Aufsteller Wirkung, sagt Hermann Dambacher. Seither seien deutlich weniger Hundehalter mit ihren Vierbeinern auf dem Wochenmarkt. Der Aalener Beschicker, der zweimal in der Woche mit seinem Obst- und Gemüsestand an der Stirnseite des Urweltmuseums für seine Kunden da ist, ist selbst Hundebesitzer. Trotzdem ist er der Ansicht, dass Bello und Co. auf dem Wochenmarkt, auf dem Lebensmittel verkauft werden, nichts verloren haben.

Schnüffeln an Gemüse und Obst

Aus hygienischen Gründen ist auch die Aalenerin Sabine Renner froh, dass die Stadt entsprechend der Marktsatzung, die Hunde bereits seit Jahrzehnten auf dem Wochenmarkt verbietet, endlich Nägel mit Köpfen macht. Mehrfach habe sie beobachtet, wie Vierbeiner an Gemüse und Obst schnüffeln. „Ich habe nichts gegen Hunde, meine Eltern haben selbst einen Vierbeiner. Doch sie würden ihn nie auf den Wochenmarkt mitnehmen.“ Für die kurze Zeit des Einkaufs könnten Besitzer ihren Hund problemlos zu Hause lassen.

Gut findet die Initiative der Stadt Aalen auch der Beschicker Ernst Häcker. In der Vergangenheit habe er mehrfach beobachtet, wie Hunde auch an seinem Stand an Folien und Kisten gepinkelt hätten, die er und seine Mitarbeiter dann sauber machen mussten. Oft hätten sich auch Kunden darüber beschwert, dass Hunde ihre Nase in Salat, Tomaten und Co. stecken. Gegen vernünftige Halter, die ihre Vierbeiner im Griff haben, sei nichts einzuwenden. Allerdings gebe es immer noch uneinsichtige Besitzer, die, spreche man sie auf das Markieren ihres Hundes oder das Beschnuppern von Ware an, einfach weiterlaufen. Zum Teil gebe es auch Halter, die ihren Hund ohne Leine frei über den Wochenmarkt laufen lassen. Häcker denkt bei aller Kritik von Besitzern an dem Verbot auch an ihre Vierbeiner. Ob es für die wirklich ein Vergnügen ist, über den Wochenmarkt zu spazieren, sei fraglich. Vor allem kleinere Exemplare müssten zu Hochzeiten Angst davor haben, von Besuchern zusammengetreten zu werden.

Neben Kritikern gibt es aber auch Wochenmarkt-Besucher und Beschicker, die sich an den Hunden nicht gestört haben. Es sind ja nicht Massen an Vierbeinern gewesen, die hier durchgelaufen sind, sagt Ulrike Richter aus Aalen. Auch Ulrike Heraudeau aus Essingen habe kein Problem damit, wenn Besitzer ihre Hunde mitbringen. Vor allem ältere Menschen, für die ihre Vierbeiner ein Kinderersatz sind, sollten die Möglichkeit haben, nach wie vor mit ihnen den Markt besuchen zu können, sagt der Aalener Thomas Siedler.

Kundenorientiert denkt auch eine Mitarbeiterin am Stand des Früchtehauses Hieber. „Auch Menschen mit Hund kommen zu uns zum Einkaufen.“ Dass diese durch die Schilder nun vergrault werden, sei eher kontraproduktiv. Sie verstehe es, dass Besitzer ihren Hund bei Einkäufen mitnehmen wollen. Beschwerden von hundelosen Kunden habe es am Stand des Früchtehauses Hieber ebenso wenig gegeben wie negative Vorfälle.

Auch Gerhard Tschürtz, Chef der Gärtnerei Tschürtz aus Essingen, der im Auftrag der Stadt jeden Mittwoch und Samstag eines der Verbotsschilder auf Höhe des Neuen Tors aufstellt, habe noch keine negativen Erfahrungen mit Hunden gemacht. Seiner Ansicht nach gebe es einfach Bürger, die sich an allem und jedem stören und sich jetzt auf die Marktsatzung berufen, um ihren Willen durchzusetzen. Für ihn seien Hunde mit Blick auf die Hygiene das kleinere Übel. Ihn störten vielmehr Besucher, die fünfmal die Ware in die Hand nehmen und diese dann doch wieder zurücklegen. Einen Halter, der künftig mit seinem Vierbeiner über den Wochenmarkt geht und dann wegen einer Ordnungswidrigkeit mit einer Geldbuße rechnen muss, wird Tschürtz nicht anschwärzen. „Ich zeige ja auch niemanden an, weil er über eine rote Ampel gefahren ist.“ Die Kontrolle sei Sache des Gemeindevollzugsdienstes.

Sauer über das Verbot sind etliche Hundebesitzer. Vor allem Menschen, die in der Stadt leben und einen Hund haben, müssten jetzt einen weiten Bogen um den Wochenmarkt machen, um von A nach B zu kommen, sagt die Aalenerin Ebru Kaya. Hunde an den Ständen zu verbieten, sei ja schon nicht nachvollziehbar, aber das grundsätzliche Verbot, hier während der Marktzeit durchzulaufen, sei ein Witz. Damit sei auch ein Besuch der Gastronomiebetriebe in der Helferstraße und an der Stadtkirche mit Hund nicht mehr möglich. Um etwa vom Gmünder Torplatz hierherzukommen, müssten Zwei- und Vierbeiner das Fliegen lernen.

Dass Obst- und Gemüsestände für Hunde so anziehend sein sollen, bezweifelt Nina Schichta aus Aalen. Anders wäre dies bei Käse-, Wurst- und Fleischwaren. Diese werden auf dem Wochenmarkt aber ohnehin nur vom geschlossenen Wagen heraus angeboten und sind insofern außerhalb der Reichweite von Hunden. Und wenn der Besitzer seinen Vierbeiner an der Leine führt, habe er es auch im Griff, dass dieser nicht an die Stände pinkelt. Sie selbst nehme ihre Hündin nie mit auf den Wochenmarkt. Diesen Stress möchte sie weder ihr noch sich selbst antun. „Lieber gehe ich im Grünen eine lange Runde und mache dann meine Einkäufe ohne Hund“, sagt sie.

Überrascht von den Aufstellern war am Mittwochvormittag Elisa Scheck aus Aalen. Mit ihren Hunden wollte sie eigentlich ihre Tochter besuchen, die am Stand des Sophienhofs am Marktplatz arbeitet. Dass ihre Vierbeiner nicht mehr über den Wochenmarkt laufen dürfen, kann sie nicht nachvollziehen. Und sie sei es leid, für uneinsichtige Halter büßen zu müssen. Oft habe sie gesehen, dass Vierbeiner an Stände pinkeln oder, noch schlimmer, in den Ecken drumherum ihren Kot hinterlassen, den die Besitzer nicht wegmachten. Dass man deshalb jetzt alle Halter wegen solch schwarzer Schafe über einen Kamm schert, findet sie mehr als traurig.

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