Wie sich Schulmedizin und Naturheilkunde ergänzen können

Lesedauer: 5 Min

 Gut 200 Interessierte waren zur Gesundheitskonferenz ins Landratsamt gekommen.
Gut 200 Interessierte waren zur Gesundheitskonferenz ins Landratsamt gekommen. (Foto: Markus Lehmann)
Freier Mitarbeiter

Letztendlich muss der Patient entscheiden: Arztbesuch oder Großmutters Hausrezept, Schulmedizin oder Naturheilkunde. Diese Entscheidung kann und wollte die Gesundheitskonferenz im Landratsamt den gut 200 Besuchern auch gar nicht abnehmen. Es ging um eine Handreichung, um Impulse zum Thema, wo die Möglichkeiten und Grenzen der Selbstbehandlung durch „Kräuter, Wickel und Pillen“ liegen. So war die Konferenz auch übertitelt gewesen. Vor der regen Podiumsdiskussion standen drei ausgewiesene Experten am Rednerpult. Und die hatten interessante und pointierte Fachreferate mitgebracht. Ein Fazit: Schulmedizin und Naturheilkunde können sich in einer Symbiose sehr gut ergänzen.

Der Landrat setzt auf Globuli. Beziehungsweise seine Frau macht das für ihn. Das hatte Klaus Pavel im Vorfeld der Gesundheitskonferenz 2018 verraten. Davor war die Oma die Hausärztin des Vertrauens. Und die hatte offenbar Erfolg. Solches Wissen um Hausmittel fehle aber heute immer öfter. Dagegen, so steht im Flyer zur Konferenz, „waren wir noch nie so gesundheitsbewusst und aufgeklärt wie heute“. Jedenfalls gibt es zu diesem Thema eine große Verunsicherung, findet Pavel. Die Konferenz solle helfen, den Bürgern Denkanstöße zu geben.

Er hatte auch die Gesundheitsversorgung allgemein im Ostalbkreis, also im überwiegend ländlichen Raum angesprochen. Speziell der ambulante Bereich, fürchtet er, könne noch zu großen Problemen führen. Stichwort rückläufige Hausarztpraxen in kleineren Gemeinden: Der Landkreis, stellte Pavel fest, „könnte eine Praxis nach der anderen kaufen.“ Dieses Phänomen sei ganz neu für ihn.

Claudia Löffler ist unter anderem Oberärztin am Interdisziplinären onkologischen Tagestherapiezentrum an der Uniklinik Würzburg, das eine Verzahnung von medikamentöser und unterstützender Tumor-Behandlung vertritt. „Naturheilkunde und Spitzenmedizin – passt das zusammen“? hieß ihr Vortrag. Sie berichtete unter anderem von der großen Verzweiflung der Patienten, die eine Tumordiagnose bekommen haben. Und vom Griff mancher Patienten nach dem „letzten Strohhalm“, der als fragwürdiges „Wundermittel“ angepriesen wird etwa mit Berichten der Art „Wie ich den Krebs in 42 Tagen besiegte“. Skepsis sei beispielsweise angebracht, wenn das angebotene Verfahren exorbitant teuer sei, die Substanz als nebenwirkungsfrei angepriesen oder „Wunderheilungen auch in aussichtslosen Fällen“ versprochen werden.

Richard Krombholz, bekannter Fachapotheker aus Ellwangen (Adler-Apotheke), definierte, was eigentlich Selbstmedikation genau bedeute und hatte gleich zu Beginn des Vortrags eine interessante Zahl parat: In 50 Prozent der Fälle kommen Patienten zum Apotheken-Notdienst ohne ärztliches Rezept. Sein Fazit am Ende des Vortrags: Die apothekengestützte Selbstmedikation ist Alltag, verhindert gefährliche Selbstmedikationen und ist eine „Schaltstelle im Gesundheitswesen“.

Gert Dorschner ist Allgemeinarzt, Facharzt unter anderem für Notfallmedizin, Naturheilkunde und Ernährungsmedizin, bezeichnet sich als „leidenschaftlicher Vertreter naturgemäßer Denkweisen“ und sieht die Zukunft der modernen Medizin in sinnvollen Symbiosen von Schulmedizin und Naturheilverfahren. Sein dynamischer, lebendiger Vortragsstil kam gut an im Großen Sitzungssaal. Er hat mehrere Bücher geschrieben. Unter anderem das „Manifest zur Medizin-Politik“. Aus ihm hatte Pavel zuvor lächelnd eine „schon etwas provokante“ These zitiert – man müsse bei bester Gesundheit sein, um einen Krankenhaushalt einigermaßen zu überleben.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen