Wie Rico Schmitt den VfR Aalen retten will

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 Rico Schmitt leitet seine erste Einheit beim VfR Aalen.
Rico Schmitt leitet seine erste Einheit beim VfR Aalen. (Foto: Thomas Siedler)
Sportredakteur/DigitAalen

Gebannt hatten die Mitarbeiter des VfR Aalen an diesem Mittwoch Aufstellung genommen, im Flur der Geschäftsstelle in der Ostalb Arena. Im Presseraum nebenan hatte der mögliche Retter des Fußball-Drittliga-Schlusslichtes aus Aalen um kurz nach 13.40 Uhr Platz genommen – Rico Schmitt.

Natürlich hängt das Wohl und Wehe des Vereins nicht nur vom Trainer ab, doch er soll maßgeblich in den nächsten Wochen dafür sorgen, dass der VfR in der 3. Liga bleibt. „Eine Herkulesaufgabe“, sagte ein überzeugend auftretender Schmitt, sei dies, um später auf Nachfrage noch einmal nachzulegen: „Eine Monsteraufgabe.“ Doch: „Das ist der Reiz“. Der Reiz, auf die Ostalb zu kommen und die Aalener vor dem Absturz zu bewahren. Schmitt sieht auch die Bedeutung für die Stadt und die Region.

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Er ist eine Mammutaufgabe: Rico Schmitt, der neue Cheftrainer des VfR Aalen, hat jetzt 16 Spiele Zeit um seine Mannschaft vor dem Abstieg in die Regionalliga zu bewahren.

Natürlich könne er „es nicht versprechen“, erklärte der 50-Jährige, der aber auch schon den Halleschen FC vor dem Abstieg bewahrt hat, vor drei Jahren. Schmitt geht sie an, die Rettung des Profifußballs in Aalen, der Drittligist weist vor dem Debüt des Sachsen an diesem Montag bei 1860 München sieben Punkte Rückstand auf. „So viel Zeit ist jetzt nicht“, merkte Schmitt an und wechselte eine Stunde später das Jackett in einen Trainingsanzug. Für den Abstiegskampf gilt: „Es ist nicht fünf vor zwölf, sondern eins vor zwölf“. Als der neue Coach mit seinen Spielern den Trainingsplatz im Rohrwang betrat, war es 15.23 Uhr. 24 Spieler und vier Torhüter – denen er „viel Potenzial“ attestierte – begannen mit dem gebürtigen Chemnitzer die „Mission Impossible“, „das Unmögliche zu schaffen“ – mit dem klassischen Kreisspiel.

Der Wunschkandidat

Es gab Lob für die Spieler, aber auch klare Anweisungen: „Giftig sein.“ Diese „Galligkeit“, die brauche es im Abstiegskampf, das hatte Schmitt schon vor versammelten Medien verkündet.

Der Mann weiß, worauf es im Kampf und dem Klassenverbleib ankommt. Er sei ein „Chancendenker“ – wenngleich diese schwierige Aufgabe ein Risiko ist. Die drohende Regionalliga Südwest kennt er auch aus seiner Zeit bei Kickers Offenbach, doch die ist kein Thema, nicht bei Schmitt und auch nicht bei Olschewski. Noch nicht. Ohnehin gilt sein Vertrag bis 30. Juni 2020 nur für die 3. Liga. Hermann Olschewski, Präsident Sport des VfR, führte im ersten Kontakt am Montag ein dreistündiges Gespräch mit Schmitt und hob vor allem „seine Überzeugungskraft“ heraus.

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Der Sachse, der die Schwaben retten soll sei schon als Kontrahent, wenn der VfR gegen Schmitts Mannschaft antreten musste, ein unbequemer Gegner gewesen. „Genau so einen Mann brauchen wir. Rico Schmitt weiß alles über die 3. Liga“ Er sei der „Wunschkandidat“ für die Aalener Rettung gewesen.

Schließlich geht es fortan, in den 16 Spielen freilich nicht mehr um Schönspielerei. Und es geht um die „Basics“ zum „Überlebenskampf“. Es fielen Worte wie „erarbeiten“ und „erkämpfen“, er appellierte auch an die Fans. Die Klasse mit dem VfR zu halten, sei „eine absolut reizvolle Aufgabe“, machte Schmitt klar. Wie Schmitt seine Aufgabe angeht, wollten nicht nur die Angestellten hören, zu denen auch die Zuhörer Co-Trainer Sandro Stuppia und Torwarttrainer Erol Sabanov zählen, sondern auch rund 20 Kiebitze bei der ersten Übungseinheit. Bei strahlendem Sonnenschein. „Die dunklen Wolken“, sagte Schmitt mit einem Lachen bei der Verabschiedung von den „Aalener Nachrichten“, seien weg. Sein erster Satz an die Öffentlichkeit lautete: „Ich freue mich hier sein zu dürfen.“ Richtig Freude dürfte bei allen aufkommen, wenn der VfR am 38. Spieltag nicht zu den vier Absteigern zählt.

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