Impfbereitschaft wäre da – nur kein Impfstoff: Wie Corona die Ärmsten getroffen hat

 Schutzausrüstungsgegenstände wie etwa Masken oder Desinfektionsmittel sind in Uganda teuer und schwer zu bekommen.
Schutzausrüstungsgegenstände wie etwa Masken oder Desinfektionsmittel sind in Uganda teuer und schwer zu bekommen. (Foto: Fotos: Freundeskreis Uganda)
Redakteurin Aalen

„Wie gut geht es uns eigentlich? Wir haben so viele Möglichkeiten der medizinischen Versorgung, gute Kliniken, ausreichend Impfstoff. Und hier werden diese Möglichkeiten zum Teil gar nicht wahrgenommen“. Gedanken wie diese hat Florian Heusel, der sich seit vielen Jahren in der Hilfe für Uganda einsetzt, wenn er Bilder aus dem afrikanischen Land sieht, die Corona-Kranke zeigen. „Die Impfbereitschaft in Uganda wäre hoch, allerdings gibt es dort keinen Impfstoff, andersrum als bei uns“, sagt Heusel.

Florian Heusels Vater Paul hat vor etwa 50 Jahren den Freundeskreis Uganda gegründet. Dieser hat damals Anne Namuddu, eine ugandische Studentin der Sozialarbeit, kennengelernt. Sie hat in Freiburg studiert und in Aalen ein Praktikum bei der Caritas gemacht. Um in Uganda Aidswaisen zu helfen, gründete man den Freundeskreis.

Paul Heusel ist mittlerweile verstorben. Nach seinem Tod waren seine Kinder sich sicher: Es muss weitergehen. Schließlich sind sie mit dem Hilfsprojekt für Uganda aufgewachsen. Heute betreuen Florian Heusel als Vorsitzender und zwei seiner Brüder den Verein. Herzstück des Freundeskreises ist das sogenannte Motherhouse in Masaka. Hier leben etwa 65 Kinder und Jugendliche, vom Säugling bis zum Student.

Die Corona-Pandemie hat dem Land sehr zugesetzt. „Uganda befand sich im vergangenen Jahr vom März bis November im kompletten Lockdown. Die Polizei war mit Schlagstöcken unterwegs und hat die Leute quasi von den Straßen weggeprügelt“, erzählt Florian Heusel. Eine Katastrophe in einem Land, in dem die Menschen davon leben, angebaute Lebensmittel am Straßenrand zu verkaufen.

Auch die Schulen hat man geschlossen, Kinder und Jugendliche aus der Ferne unterrichtet. So kommen die Schüler, die sonst im Internat leben, zurück ins Motherhouse nach Masaka. Dort mussten sie auf einmal auf engstem Raum zusammenleben, Masken und Hygieneartikel waren nötig. „Die waren in Uganda anfangs natürlich noch teurer und schwieriger zu bekommen als bei uns“ erklärt Florian Heusel“. Für Lebensmittel und Hygieneartikel musste der Verein schließlich insgesamt 26 000 Euro an Corona-Hilfsgeldern nach Uganda transferieren.

Auch 2021 ging es mit der Pandemie weiter: „Busse, die Städte und das Land miteinander verbinden, fahren gar im Moment nicht mehr. Das heißt, Stadt und Land sind völlig voneinander abgeschnitten. Man lebt davon, was man selbst anpflanzen kann“, sagt Florian Heusel.

Ziel sei es deshalb, dass sich die Bewohner im Motherhouse mit einem Garten, einem Schweinestall und einer Hühnerfarm komplett selbst versorgen und zusätzlich Ware auf dem Markt verkaufen können. Diese Einnahmequelle ist im Lockdown allerdings vorübergehend weggebrochen.

Als nächstes Projekt will der Freundeskreis das Motherhouse mit Solartechnik ausstatten, um komplett unabhängig zu sein. „Da will uns die deutsche Botschaft ein Stück weit finanziell unterstützen. Allerdings haben wir hier gerade ein Materialproblem. Denn die Paneele kommt mit dem Schiff aus China, das ist im Moment nicht einfach“, sagt Florian Heusel.

Zudem wolle man mit der Solartechnik die Menschen in Uganda vom Strom überzeugen. „In diesen Ländern wird noch viel mit Holz gefeuert. Das braucht zwar alles seine Zeit, aber wenn wir die Möglichkeit haben, wollen wir Überzeugungsarbeit leisten, dass die Themen Klima und Nachhaltigkeit auch in Uganda umgesetzt werden können“, so Heusel.

Und jetzt ist es undenkbar, Deutschland gilt dort als Hochrisikogebiet.

Florian Heusel

An einen Besuch in dem afrikanischen Land ist im Moment leider nicht zu denken. Eigentlich war geplant, dass ein junger Elekriker das Solarprojekt in Uganda mit aufbaut. Auch Heusel und einer seiner Brüder hatten im März einen Besuch geplant. „Dann kam uns leider Corona dazwischen. Wir hätten für zwei Wochen im Hotel in Quarantäne müssen. Und jetzt ist es undenkbar, Deutschland gilt dort als Hochrisikogebiet“, sagt Heusel. „Aber wir versuchen, einfach das Beste aus der Situation zu machen; hier in Deutschland und in Uganda“.

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