Wenn nachts das Fieber steigt: Telefon 116 117

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In der Aalener Rettungsleitstelle des DRK laufen ab 27. Mai auch die Anrufe für den ärztlichen Bereitschaftsdienst auf.
(Foto: Sylvia Möcklin)
Sylvia Möcklin

Für den ärztlichen Bereitschaftsdienst gilt ab Mittwoch, 27. Mai, eine neue Telefonnummer: die 116 117. Damit verbunden ist eine Vereinfachung: Niemand muss mehr suchen, welche 01806er-Nummer für seinen Wohnort die richtige ist. Wichtiger noch: Wer die 116 117 wählt, erreicht künftig die Aalener DRK-Rettungsleitstelle und damit die gleichen Ansprechpartner, die auch die Notrufe über die 112 annehmen. Gerade läuft im Rettungszentrum in der Bischof-Fischer-Straße der Umbau.

Die Vorteile der gemeinsamen Vermittlung liegen für DRK-Kreisgeschäftsführer Matthias Wagner und für Marc Sachsenmaier, den Leiter des Rettungsdienstes, auf der Hand. Wenn nachts das Fieber steigt oder nach einem Sturz das Bein höllisch schmerzt, weiß so mancher nicht, wer in seiner Not der richtige Ansprechpartner ist. Und so blockiert manchmal ein Grippekranker die 112, der besser beim ärztlichen Bereitschaftsdienst angerufen hätte. „Bisher vergeht viel Zeit damit, diese Leute weiterzureichen“, sagt Sachsenmaier. Es komme auch vor, dass man einen Anrufer bitten müsse aufzulegen und eine andere Nummer zu wählen. „Das ist ja auch unbefriedigend für den Hilfesuchenden“, so Sachsenmaier. Laut Tätigkeitsbericht des DRK-Kreisverbands kommt es zudem zu unnötigen Krankenhauseinweisungen und Notarzteinsätzen

Umgekehrt passiere es, dass ein Arzt im Bereitschaftsdienst angerufen werde, im Laufe des Gesprächs erkenne, dass ein Patient sich in einem lebensbedrohlichen Zustand befinde und der Rettungsdienst verständigt werden müsse. Aber mit solch nervenaufreibenden Verzögerungen sei bald Schluss. Ab 27. Mai sind die Ansprechpartner für beide Nummern dieselben.

Im Rettungszentrum wird zu diesem Zweck gerade kräftig gewerkelt. Die Feuerwehr räumt ihren computerbestückten Einsatzleitplatz, den sie bislang in der Leitstelle hatte, und überlässt ihn dem DRK als zusätzlichen Platz für die Vermittlung des ärztlichen Bereitschaftsdienstes. Als Ersatz wird gerade ein kleiner Teil der Fahrzeughalle der Feuerwehr durch Wände abgetrennt und in dem so entstandenen Raum ein neuer Einsatzleitplatz geschaffen. 233 000 Euro kostet der Umbau, von denen 80 000 Euro die Stadt und 153 000 Euro der Kreisverband übernimmt. Die Spitzenzeiten im ärztlichen Bereitschaftsdienst, vor allem die Wochenenden, soll laut Wagner zusätzliches Personal abdecken.

Übrigens: Die neue Nummer des ärztlichen Bereitschaftsdienstes führt die Kassenärztliche Vereinigung (KV) deutschlandweit ein. In vielen Bundesländern besteht die Neuerung bereits, zum Beispiel in Bayern. Allerdings bleibt hier die Vermittlung getrennt vom Rettungsdienst. Baden-Württemberg ist das einzige Bundesland, das die Vermittlung mit der 112 zusammenlegt. Darüber habe die KV mit dem Roten Kreuz einen Rahmenvertrag abgeschlossen, berichtet der Essinger Arzt Rainer Gräter. Bei der Umsetzung liegt der Ostalbkreis laut Wagner vorne. In Schwäbisch Gmünd und Heidenheim etwa sei die 116 117 schon aktiviert.

Teil der Neuorganisation

Mit der neuen Telefonnummer vollendet die KV den noch fehlenden Schritt bei der Neuorganisation des ärztlichen Bereitschaftsdienstes, sagt Gräter, der als einer von zehn Ärzten im Ausschuss der Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Vereinigung an der Neuorganisation mitwirkt. Bereits Mitte März 2014 waren in ihrem Rahmen die neuen Notfallpraxen eingeführt worden, für den hiesigen Bereich am Aalener Ostalb-Klinikum und an der Ellwanger Virngrund-Klinik. Entgegen vieler Befürchtungen funktioniere die neue Struktur gut, freut sich Gräter. Kritik, alles werde zu kompliziert, habe sich nicht bewahrheitet. Einzig der Wunsch, auch für den Bereich Bopfingen eine eigene Notfallpraxis einzurichten, stehe noch im Raum. Laut Gräter soll bis zum Jahresende ausgewertet werden, ob sich eine solche für die Stadt unterm Ipf lohne.

Erste Anlaufstelle für Patienten

Immerhin sollen die neuen Notfallpraxen für Patienten, die nachts, an Wochenenden und Feiertagen und somit außerhalb der Sprechstundenzeiten einen Hausarzt benötigen, die erste Anlaufstelle sein. Beim ärztlichen Bereitschaftsdienst anrufen soll nur, wer aus medizinischen Gründen nicht selbst zur Notfallpraxis fahren kann, erklärt DRK-Kreisgeschäftsführer Wagner.

Bisher gelten für diese Fälle noch 01800er-Nummern, die von Ort zu Ort variieren. Für den Altkreis Aalen ist dies derzeit noch die 01806-07361-4. Wer nach dem 27. Mai immer noch die 01806 wählt, wird für eine Übergangszeit von vier Wochen zur neuen Nummer weitergeleitet, versichert Rainer Gräter. Danach gilt ausschließlich die 116 117. Der Vorteil liegt für den Arzt auf der Hand: Keine mühselige Suche mehr nach der richtigen Durchwahl, „egal, wo ich mich befinde, die Nummer ist bundesweit dieselbe.“

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