Wenn Mama und Papa trinken: Caritas-Programm bietet Hilfe für Kinder suchtkranker Eltern

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Kinder die bei suchtkranken Eltern aufwachsen, trauen sich häufig nicht, Freude mit nach Hause zubringen.
Kinder die bei suchtkranken Eltern aufwachsen, trauen sich häufig nicht, Freude mit nach Hause zubringen. (Foto: dpa/ Alexander Heinl)
Aalener Nachrichten

Informationen zur Kindergruppe „Regenbogen“ gibt es bei der Psychosozialen Beratungs- und ambulanten Behandlungsstelle für Suchtgefährdete und Suchtkranke der Caritas, Weidenfelder Straße 12, Aalen, Telefon 07361 / 8064260, E-Mail psb.aalen@caritas-ost-wuerttemberg.de, Ansprechpartner sind Julia Frick und Isabell Walzhauer

Kinder suchtkranker Eltern wachsen in einer spannungsgeladenen Atmosphäre auf und leben in ständiger Unsicherheit. Die Caritas hat ein Stressbewältigungsprogramm entwickelt.

„Sie haben sich gestritten, Sachen sind durch die Gegend geflogen, es war laut. Das ging meist bis spät in die Nacht hinein, so dass ich kaum schlafen konnte.“ Marina spricht ruhig, fast ausdruckslos, wenn sie über ihre Kindheit berichtet. Ihre Eltern sind alkoholkrank – beide.

Die Sechzehnjährige versucht jegliche Emotion hinter einer Maske von Coolness zu verstecken. Doch als sie weiterspricht, hört man die Trauer in ihrer Stimme.

„Manchmal haben sie mich für irgendwas angegriffen, für was ich gar nicht verantwortlich war. Mit der Zeit habe ich mich in mir selber verkrochen und war immer sehr ruhig. Und immer hatte ich das Gefühl, dass ich daran schuld bin, dass meine Eltern trinken.“

Kinder versuchen ihre Eltern zu schützen

Berichte wie der von Marina sind typisch für Kinder suchtkranker Eltern. Auf 2,6 Millionen wird die Zahl der Kinder aus Suchtfamilien von Experten geschätzt. Etwa jedes sechste Kind in Deutschland würde somit im Schatten der Sucht aufwachsen, die meisten davon mit alkoholkranken Eltern.

Sehr früh übernehmen diese Kinder Verantwortung für die Eltern und springen in die Bresche, wenn die Erwachsenen – suchtbedingt - ausfallen. Nicht selten erledigen die Kinder den Haushalt und versorgen die kleineren Geschwister. Und oftmals kümmern sie sich so sehr um die Bedürfnisse ihrer Eltern, dass sie darüber verlernen, Kind zu sein. Kinder von Suchtkranken schämen sich für ihre Eltern, und versuchen zugleich alles, um sie zu schützen.

Niemand außerhalb der Familie soll erfahren, dass Vater oder Mutter ein Suchtproblem haben. So dürfen die Kinder oft keine Freunde mit nach Hause bringen und erzählen notfalls Lügengeschichten, um den Schein der Normalität zu wahren. Innerlich quält sie das Gefühl, anders zu sein als andere Kinder, nicht normal und nicht liebenswert zu sein.

Eine solche Kindheit hinterlässt Spuren in den Seelen der Kinder. Rund ein Drittel von ihnen entwickelt in der Jugend oder im Erwachsenenalter eine eigene stoffliche Sucht. Ein weiteres Drittel zeigt psychische oder soziale Störungen. Viele Kinder, die mit süchtigen Eltern aufwuchsen, suchen sich wieder einen Süchtigen als Lebenspartner und leben damit das Programm weiter, das sie bereits als Kinder verinnerlicht haben.

Gute Chancen mit Unterstützung von Erwachsenen

Doch es gibt Hoffnung für Kinder aus Suchtfamilien. So haben sie gute Chancen, sich trotz widriger Kindheitsumstände relativ gesund zu entwickeln, wenn es in ihrer Umgebung erwachsene Vertrauenspersonen gibt, die sich ihnen zuwenden, ihnen zuhören und ihnen das Gefühl vermitteln, angenommen und wertvoll zu sein. Solche sicheren Bezugspersonen können Großeltern oder andere Verwandte sein, aber auch Lehrer, Erzieherinnen, Eltern von Spielfreunden oder Mitarbeiter von Jugendfreizeitheimen.

Das Stressbewältigungsprogramm „Trampolin“ hilft den Kindern, mit den häuslichen Belastungen besser klarzukommen. In den einzelnen Gruppensitzungen können sich die Kinder durch Entspannungsübungen, Spiele und Kreativität behutsam mit der Problematik in der Familie auseinandersetzen.

Altersgerechte Informationen zum Thema Sucht helfen ihnen das Verhalten und Veränderungen der Eltern besser verstehen und einordnen zu können. Die Kinder erleben eigene Stärken wieder und werden selbstbewusster.

Ältere Kinder aus suchtbelasteten Familien haben die Möglichkeit, in Einzelgesprächen an der Beratungsstellen über ihre Situation zuhause zu berichten und Unterstützung zu erhalten.

Informationen zur Kindergruppe „Regenbogen“ gibt es bei der Psychosozialen Beratungs- und ambulanten Behandlungsstelle für Suchtgefährdete und Suchtkranke der Caritas, Weidenfelder Straße 12, Aalen, Telefon 07361 / 8064260, E-Mail psb.aalen@caritas-ost-wuerttemberg.de, Ansprechpartner sind Julia Frick und Isabell Walzhauer

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