Wenn Drachen über Aalen kämpfen

Lesedauer: 5 Min
Herbert Kullmann

Das Wochenende hat dem Himmel über der Osterbucher Steige nicht nur spätsommerliches Wetter, sondern auch ein bemerkenswertes Jubiläum beschert: Seit nunmehr 20 Jahren lassen hier Drachenfreunde ihre filigranen Flugobjekte in die Lüfte steigen. Allerdings herrschte heuer kein so richtiges Jubiläumswetter beim 20. Aalener Drachenfest.

Wie an einer Kette aufgereiht schlichen zwar Kumuluswolken den blauen Himmel entlang, doch der Wind begleitete sie lediglich mit lausigen sechs Kilometern pro Stunde. Immerhin aus der idealen Windrichtung Südwest. Die Gmünder würden einen kräftigeren Durchzug blockieren, scherzte Tamara Wiora.

Die Saulgauerin war mit Sack und Pack angereist, um beim Drachenfest dabei zu sein. Aber nicht nur sie, wie ein Blick auf den provisorischen Campingplatz unterhalb der Limes-Thermen belegte. So viele Wohnmobile wie noch nie fanden sich zu einem Nomadenlager zusammen. Zugleich erinnerte das Leben im Schatten der Bäume an ein großes Gemeinschaftswohnzimmer. In Liegestühlen dösten „Sportler“, an langen Tischreihen saßen Frauen, Männer, Kinder im lässigen Freizeitlook.

Wenn hier Drachen an den Start gehen, dann sind diese längst nicht mehr aus Holzstäbchen, Papier und Schnur. Sie sehen nicht einmal danach aus, denn heutige Drachen-Provenienz liefert mehr. Aber nicht nur. Viele Familien greifen nach traditionellen Flachdrachen, die an Nylonschnüren aufsteigen. Und so schweben über der Hochebene Adler, Fledermäuse und allerlei Kunterbuntes.

Einen Drachen für jedes Lüftchen

Dazwischen die Profis. Spezialisten mit Hightech-Flugmaschinen in unbeschreiblicher Vielfalt und Geometrie. Je ausgefallener, umso neugieriger beobachtet das Publikum deren Flugmanöver. Während ein weißer Riese gemächlich seine Kreise zieht, hadern Lenkdrachenpiloten des laschen Windes wegen mit ihrer Apparatur. Für Jürgen Schneider, der als Moderator das Drachenfest begleitete, kein Problem, da es für jede Windstärke einen passenden Drachen gebe. Profis hätten deshalb immer ein ganzes Auto voll verschiedener Modelle mit dabei.

Zum Jubiläum kommen so viele Kämpfer wie noch nie

Schneider gehört zu den wichtigen Akteuren, erklärt er doch Drachenformen, Flugphysik und Pilotenkönnen. Sein Hauptaugenmerk liegt auf dem Rokkaku-Wettkampf, einem Luftsport, bei dem Kampfdrachenlenker versuchen, mit ihrem Flugapparat die fliegende Konkurrenz zu Boden zu zwingen. Auffallend: So viele Rokkaku-Kämpfer fanden sich wie in diesem Jahr noch nie in der Arena. Genauso der Publikumszuspruch.

Drachen fliegen lassen sei ein kreatives wie kontemplatives Hobby, das Erwachsenen zur Muße diene, Kindern nicht enden wollenden Spaß beschere, findet Sabine Flechsler. Sie übernahm vor zehn Jahren vom Initiator des Drachenfestes, Wolfgang Wecker, die Organisation. Im Traum habe sie nicht daran gedacht, dass das Drachenfest einmal ein solches Jubiläum erlebe, so ihr Kommentar zur Geburtstagsfeier. Zu verdanken sei dies der guten Kooperation mit dem Touristikservice, den Limes-Thermen und des TSG-Hofherrnweiler sowie der Unterstützung durch Kreissparkasse, AOK und den Aalener Nachrichten.

Mit von der Jubiläumsparty war „Team 4 Fun“, Drachenfans aus Holland und Norddeutschland, die mit Flugshows das Publikum begeisterten. Da Drachenfans überdies gesellige Menschen sind, kamen sie am Abend im Festzelt zusammen, um mit „Lukas Bruckmeyer und seinen böhmischen Kameraden“ einen vergnüglichen 20. Geburtstag zu feiern, zu dem es obendrein noch ein Feuerwerk gab.

Mehr zum Thema
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen