Welche Kompetenzen junge Menschen künftig in Firmen mitbringen

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In einer Expertenrunde klärten Vertreter von Hochschulen und Unternehmen, welche Kompetenzen konkret in Zukunft gefragt sind.
In einer Expertenrunde klärten Vertreter von Hochschulen und Unternehmen, welche Kompetenzen konkret in Zukunft gefragt sind. (Foto: Eva-Marie Mihai)
Redakteurin/DigitAalen

Was sich in Unternehmen und an Hochschulen durch die Industrie 4.0 ändern könnte, wurde im Forumhochschulewirtschaft Aalen umrissen. Experten diskutierten im Verbandshaus der Südwestmetall in Aalen.

Unternehmen wie die im Silicon Valley seien nicht getrieben von ihrem technischen Fach, sondern von den Wünschen der Konsumenten, erklärte Peter Martin Thomas, Leiter der Sinus Akademie in Heidelberg, der Trends, die mit der Digitalisierung einhergehen, aufzeigte. Zusätzlich zu dem Trend hin zu sozialen Netzwerken sei erkennbar, dass Jugendliche eine neue Nostalgie des Fühlens entwickelten. Neben dem Iphone X gebe es eine Nachfrage nach Vinyl-Platten und Leica-Kameras.

Durch die Digitalisierung gebe es eine technische Beschleunigung von nahezu allem. Allerdings: „Wir nutzen die gesparte Zeit nicht für anderes, sondern machen einfach mehr.“ Ein Denkspiel: Früher wurden in Büros Briefe geschrieben, sie wurden verschickt, irgendwann kam die Antwort. Heute - wo man diese Zeit spare - sitze keiner im Büro und mache sich kluge Gedanken. Stattdessen schicke man eine Unmenge an Mails, die fast sofort beantwortet werden.

Thomas führte den Begriff der Gesellschaft 4.0 ein. Es gebe immer mehr Lebensstile, „dabei driften die Lebenswelten auseinander“. Junge Menschen glauben nicht mehr an politische Eliten, erklärte er. Daher sei Unmittelbarkeit heute wichtiger als Zukunft. „Junge Menschen wollen jetzt Zeit für sich haben.“ Sprich lieber einen Urlaub jetzt, als eine Rente irgendwann, deren Rahmen sich sowieso wieder ändern könne.

Generation Z gibt es nicht

Dabei entwickle sich eine bürgerliche Mitte, die ihre Welt überschaubar halten wolle. Die gerne einen Wohnraum in Aalen wollen, am Wochenende mit engen Freunden grillen und lieber nicht so viele fremde Menschen um sich haben wollen. „Die finden Smarthome ganz cool, nutzen Carsharing, haben aber Angst vor der Digitalisierung.“

Deren Gegenüber sei der junge Mensch, der keine Karriere machen will, auf Beschleunigung mit Slow food reagiert und glaubt, dass sich politische Fragen nicht durch Eingrenzungen, sondern nur mit der Digitalisierung - durch Clouds und Crowds klären ließen. „Ich finde es fahrlässig, dass Leute immer noch zu Unternehmen gehen und sagen, sie müssen sich auf die Generation Z vorbereiten.“ Die gebe es nicht. Auch Unternehmen würden immer vielfältiger. „In Zukunft werden nicht nur technische Kompetenzen wichtig sein, sondern viel mehr auch die sozialen.“

In einer Expertenrunde klärten Vertreter von Hochschulen und Unternehmen, welche Kompetenzen konkret in Zukunft gefragt sind. Teamfähigkeit und Transferleistung würden in Unternehmen immer wichtiger, sagte Christina Geiß, Personalleiterin bei Liebherr. Heute sei es wichtig, dass der Informatiker mit dem Ingenieur und dem Betriebswirtschaftler an einem Tisch sitzen und an einem Projekt arbeiten könne. Für die Hochschule bedeute das, dass zwar Methoden gelehrt werden können, kommentierte Ulrich Schmitt von der Hochschule Aalen – „aber eingeübt werden muss an den Unternehmen.“

Die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und der Hochschule, sprich der Forschung, werde immer wichtiger. Trends wandelten sich schnell und seien nicht absehbar. Daher müssten auch Mitarbeiter immer flexibler werden, sagte Schmitt.

Dagegen müssten Unternehmen umdenken, ob klare Hierarchien tatsächlich noch zeitgemäß seien. Auch Experimente seien zulässig. „Entsteht ein Gebäude in Zukunft immer noch mit einem Kran oder doch vielleicht eher mit einer Drohne“, gab Geiß zu bedenken. Sprich: Mitarbeiter müssten ihr bisher gelerntes Wissen auf ein anderes Produkt transferieren.

Schmitt hielt ein Plädoyer dafür, Faktenwissen herunter zu schrauben und stattdessen „problem based learning“ zu betreiben. Also Studenten mit konkreten Situationen zu konfrontieren, statt Gelerntes abzufragen.

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