Von „Dudensteuer“ bis Handyverbot: Was Parteien gegen falsche Rechtschreibung tun wollen

 Die CDU setzt auf freiwillige Angebote, wenn es darum geht, die Rechtschreibung der Deutsche zu verbessern.
Die CDU setzt auf freiwillige Angebote, wenn es darum geht, die Rechtschreibung der Deutsche zu verbessern. (Foto: Daniel Reinhardt/dpa)
Redakteur Bopfingen

Das Internet – unendliche Weiten, in denen die Gesetze von Rechtschreibung, Grammatik und Interpunktion außer Kraft gesetzt scheinen. Da wird bei Facebook über die Zubereitung von „Kuss Kuss“ diskutiert und nach dem „Charmewissen“ einer Gruppe gefragt. Kommata werden, wenn überhaupt, nach „bestem Bauchgefühl“ verteilt, sodass der Lesefluss zu einer holprigen Promillestraße auf dem Härtsfeld gerät. Wenn es ums Schreiben im Internet geht, scheint die halbe Bundesrepublik den Deutschunterricht konsequent geschwänzt zu haben. Doch das muss ja nicht so bleiben.

Bundestagsabgeordnete und -kandidaten aus dem Ostalbkreis haben im Zuge des Wahlkampfs angekündigt, den Bürgerinnen und Bürgern in Sachen deutscher Sprache auf die Sprünge helfen zu wollen – allerdings mit grundverschiedenen Ansätzen.

Abgeschrieben, aber die Grammatik passt

Die Grünen möchten Rechtschreibfehler einfach verbieten. Wer mutwillig nicht auf Satzbau und Zeichensetzung achtet, zahlt „Dudensteuer“. Margit Stumpp gilt als glühende Verfechterin dieser Idee. Zwar sollen Teile des Buchs ihrer Vorsitzenden Annalena Baerbock abgeschrieben sein, laut Stumpp befänden sich diese aber in einem grammatikalisch einwandfreien Zustand.

Verbote – so weit will sich die CDU freilich nicht aus dem Fenster lehnen. Roderich Kiesewetter setzt auf freiwillige Angebote, zum Beispiel Weiterbildungen und Workshops, die von Kanzlerkandidat Armin Laschet sogar persönlich beaufsichtigt werden. Damit kennt sich Laschet aus, hatte er doch vor ein paar Jahren einen Lehrauftrag an der RWTH Aachen. Prüfungen wird es natürlich keine geben, Noten vergibt Laschet anhand von „Aufzeichnungen“. Übrigens auch an Studenten, die gar nicht teilgenommen haben.

Die Linke ist laut Kandidat Tim Steckbauer bereits dabei, eine App zu entwickeln, die ein Smartphone lahmlegen soll, wenn zu viele Rechtschreibfehler eingetippt wurden. Wer es wieder freischalten lassen möchte, muss gegenüber der Parteizentrale Besserung geloben und ein Buch lesen. Die Literaturliste, aus der man wählen kann, wird natürlich von der Partei vorgegeben.

Scholz mag Zahlen, Buchstaben sind ein Problem

Leni Breymaier und die SPD planen, wen überrascht es, erst einmal überhaupt nichts. Die anderen werden es schon vergeigen – und wer nichts macht, macht nichts falsch. Damit fahren die Sozialdemokraten derzeit ganz gut. Ohnehin scheint Kanzlerkandidat Olaf Scholz eher in Zahlen als in Buchstaben zu denken. Hätte man ihm die Fragen zum Wirecard-Skandal in Binärcodes gestellt, hätte man vielleicht Antworten bekommen.

Nichts zum Thema gibt es auch von der AfD. Die korrekte Ausführung der deutschen Rechtschreibung sollte der Partei und ihrem Bundestagskandidaten Jan-Hendrik Czada eigentlich am Herzen liegen. Dennoch scheint man sich intern im Klaren darüber, dass entsprechende Richtlinien vom Großteil der AfD-Stammwählerschaft nicht umsetzbar wären.

Während FDP-Kandidat Arian Kriesch von Wahltermin zu Wahltermin hüpft und dafür wirbt, lieber nicht zu schreiben, als falsch zu schreiben, holt ein gewisses Boulevardblatt zum Rundumschlag gegen sämtliche Ideen zur Verbesserung der Rechtschreibung aus. Was unverständlich scheint, denn wer selbst Sätze mit durchschnittlich nicht mehr als drei Wörtern bildet, minimiert die meisten Fehlerquellen und hat eigentlich nichts zu befürchten.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr Inhalte zum Dossier

Wir haben die allgemeine Kommentarfunktion unter unseren Texten abgeschaltet. Für einzelne Texte wird es auch weiterhin die Möglichkeit zum Austausch geben. Aufgrund der Vielzahl an Kommentaren können wir derzeit aber keine gründliche Moderation mehr gewährleisten. Mehr Informationen zu unseren Beweggründen finden Sie hier.
Kommentare werden geladen