Was Bier mit Ökumene und Fiskus zu tun hat

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Freier Mitarbeiter

Am Samstag geht’s weiter um 16.68 Uhr mit dem Fassanstich des Jubiläumsbier „Sechzehn68“, Freibier und einem Stimmungsabend. Am Sonntag startet ab 10 Uhr der Familiensonntag.

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Was bedeutet eigentlich Stammwürze, wie kommt das „Aalener Spezial“ in die Flasche und wie viel kassiert der Fiskus mit bei jedem Kasten? Antworten auf solche und jede Menge anderer Fragen haben die Besucher bei der langen Nacht der offenen Brauerei bekommen, mit der die Aalener Löwenbräu in ihr 350-Jahres-Jubiläum startete.

Ein würziger Geruch liegt in der Luft und ziemlich warm ist es oben zwischen Läuterbottich und Sudpfanne, den manche auch schlicht Braukessel nennen. Kein Vergleich zum Reifekeller, wo das Bier bei unter null Grad mehrere Wochen lang reift. Ein Brauerei-Mitarbeiter öffnet die Sudpfanne, sie ist komplett aus Kupfer. Nur noch wenige Familienbrauereien arbeiten mit so einem blinkenden Gerät, das gleich Assoziationen zum altehrwürdigen Brauerei-Handwerk weckt. Ein Pärchen denkt beim Anblick an einen Lokalkrimi: „Kennen Sie das Buch ,Tod im Sudhaus’?“, fragt es den Mitarbeiter.

Eine Etage tiefer ist Albrecht Barth von einer Menschentraube umringt. In dieser Nacht der offenen Brauerei werden 4300 Liter Bier gebraut, der Brauerei-Chef erklärt, wie das geht. Dass die Würze gekocht wird, um einerseits die Aromastoffe des Hopfens zu lösen und um sie andrerseits steril zu machen. Die wichtigste Sache ist die Stammwürze, der Anteil, der im Malz und im Hopfen gelösten Stoffe wie Malzzucker, Vitamine und Aromastoffe. Vor der Gärung, versteht sich. So hat das „Aalener Spezial“ beispielsweise einen Stammwürzgehalt von 12,7 Prozent, nach der Gärung 5,2 Prozent Alkoholgehalt. Der ist für den Braumeister aber eher nebensächlich. Bei 8,5 Prozent Alkoholgehalt ist übrigens Schluss. Dann geht die Bierhefe zugrunde. Ein Besucher fragt, ob hier auch alkoholfreies Bier gebraut wird. Für Barth ist ein derart produziertes Bier der reine Graus. Er lächelt. „Nein, wir sind eine ordentliche Brauerei.“

Der Herrgott neben der Sudpfanne

Mit im Pulk der ersten Gäste ist auch Dekan Ralf Drescher, der einen Blumenstrauß zum Jubiläum mitgebracht hat und den Brauereichef grüßt. Eine Frau fragt, warum denn Aalener Löwenbräu für die evangelische Gemeinde im vergangenen Luther-Jahr ein Reformationsbier gebraut hat. Das wäre, so Barth, für eine „katholische Brauerei“ früher tatsächlich undenkbar gewesen. Er verweist auf den Herrgott, der oben neben der Sudpfanne hängt und auf seine persönliche Gotteserfahrung. Dies hat – sinngemäß und augenzwinkernd erklärt – die Evangelischen überzeugt, das Reformationsbier in einer katholischen Brauerei brauen zu lassen.

Von diesem Ausflug in die ökumenische Seite des Gerstensafts geht’s in die knallharte Welt der Finanzen. 25 000 bis 30 000 Kisten Bier werden pro Jahr gebraut, rechnet Barth vor, für jede sind 80 bis 90 Cent Biersteuer fällig. Das hört sich zunächst wenig an, sagt Barth, das seien aber immerhin mindestens 25 000 Euro pro Jahr, die an den Fiskus abgeführt werden müssen.

Am Samstag geht’s weiter um 16.68 Uhr mit dem Fassanstich des Jubiläumsbier „Sechzehn68“, Freibier und einem Stimmungsabend. Am Sonntag startet ab 10 Uhr der Familiensonntag.

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