„Warum sollten wirnicht weiter so punkten?“

Lesedauer: 7 Min
Martin Dausch ist so etwas wie der mann der Stunde beim VfR Aalen. (Foto: Thomas Niedermüller)
Schwäbische Zeitung

Mitverantwortlich für den guten Start nach nunmehr zehn Spieltagen ist Martin Dausch, der nicht nur mit seinen bislang fünf Treffern maßgeblich zum bisherigen Erfolg beitrug. Der 26-Jährige versucht im Interview mit Sportredakteur Timo Lämmerhirt, das Bisherige – aber auch seine eigene Leistung in der 2. Fußball-Bundesliga in Worte zu fassen.

Wie erklären Sie sich den eingetreten Erfolg des VfR Aalen als Aufsteiger in der 2. Fußball-Bundesliga?

Ich denke, dass es nicht abwegig ist, dass wir so gut gestartet sind. Wir haben das auch im vergangenen Jahr in den Spielen schon sehr gut gemacht. Wir haben bewiesen, dass wir mithalten können.

Wie seid Ihr als Mannschaft die 2. Liga denn angegangen?

Wir konnten die 2. Liga nicht ganz so gut einschätzen. Wir haben nicht so viele zweitligaerfahrene Spieler im Kader. Da war es auch schwierig einzuschätzen, wie das alles so abläuft. Wenn wir weiter unsere Stärken so ausspielen wie bisher – warum sollten wir dann nicht weiter so punkten?

Haben Sie eine Erklärung dafür, warum Sie persönlich so gut in der 2. Liga eingeschlagen sind?

Ich spiele in zentraler Position. Das kommt auch viel auf meine Nebenleute an. Robert Lechleiter und auf der anderen Seite Michael Klauß machen einen riesen Job zurzeit. Der Stürmer, der vorne spielt, arbeitet immer sehr viel und das kommt mir natürlich auch zugute. Dadurch komme ich immer wieder zu Situationen, in denen ich auf das Tor schießen kann.

Was denken Sie persönlich bei solch tollen Toren wie beispielsweise dem Lupfer gegen Frankfurt, kurz bevor Sie es erzielen?

In dem Moment habe ich an die Situation vom Michael Klauß gegen St Pauli gedacht. Da habe ich nach dem Spiel noch zu ihm gesagt, dass er bei seiner Chance den Ball lieber hätte in die lange Ecke schießen sollen. Ich wollte den Ball eben in die lange Ecke schlenzen. Im Augenwinkel sah ich, dass der Torwart auf mich zukommt, also habe ich so gehandelt. Gut, wenn er stehen bleibt, sieht es natürlich blöd aus (lacht).

In der Partie gegen Aue war es ein nicht minder schöner Treffer aus der Distanz. Da haben Sie geschossen, obwohl Sie noch zwei Abspielmöglichkeiten gehabt hätten… . Dazu gehört ein gesundes Selbstbewusstsein, oder?

Wenn ich vor dem Tor bin und die Möglichkeit habe, zu schießen, dann mache ich das auch. Da bin ich dann schon ein ziemlicher Egoist, wie Stürmer auch sein sollten. Das bekomme ich auch nicht aus meinem Kopf heraus.

Diesen gesunden Egoismus wünschen sich die Trainer ja häufig…

Ich bin so ein Typ, der die Aktion dann selbst zum Abschluss bringen möchte. Ich habe auch in der Vergangenheit schon die wichtigen Tore gemacht. Das Selbstvertrauen kommt nicht von irgendwoher.

Woher kommt es denn?

Ich bekomme viel Zuspruch vom Trainer. Das ist wichtig. Zu wissen, dass einer hinter einem steht und auch mal schlechtere Spiele verzeiht. Das tut mir gut. Seit der Trainer da ist, spüre ich das Vertrauen. Das war vorher noch nicht so. Ich bin einfach ein Kopftyp. Ich brauche einen Trainer, der hinter mir steht, denn ich brauche Selbstvertrauen. Wenn ich Selbstvertrauen habe, gelingen mir solche Dinge auch.

Sind Sie durch Ihre bislang beeindruckenden Leistungen auch in der Hierarchie innerhalb der Mannschaft nach oben geklettert?

Nein, ich glaube, dass ich schon immer ein ganz gutes Standing in der Mannschaft gehabt habe. Es hat sich durch meine vier Tore nichts verändert. Ich bin immer noch der Gleiche wie vorher. Ich renne viel und mache viel für die Mannschaft. Alles was noch oben drauf passiert, ist die Zugabe.

Als richtigen Zehner, den klassischen Spielmacher, kann man Sie aber nicht bezeichnen, oder?

Ich spiele auch gerne defensiv, von der Sechs weg. Ich kann die Läufe nach hinten, aber genauso auch nach vorne machen. Das liegt mir ganz gut. Ich kann hinten aushelfen, habe dabei aber immer meine Freiheiten nach vorne.

Mit den etatmäßigen Sechsern Leandro Grech und Andreas Hofmann bilden Sie teilweise eine Dreierkette im defensiven Mittelfeld…

Ja, das stimmt. Das ist aber auch unserem Spielsystem geschuldet. Wir versuchen defensiv klar zu stehen und dabei möglichst viele Ballgewinne im Mittelfeld zu haben. Wenn ich dann weiter hinten hineinrücke, ist die Chance größer, dass wir den Ball erobern und dann schnell nach vorne spielen können. Wenn Leandro und Hofmann das alleine machen müssten, würde das wahrscheinlich nicht so gut funktionieren.

Das bedeutet aber auch, dass Sie zu den Akteuren gehören, die die meisten Kilometer abspulen?

Im letzten Spiel waren es 13 Kilometer, ansonsten sind es meist zwischen elf und zwölf. Mir macht das aber auch nichts aus. Ich habe einen recht guten Laktatwert. Ich muss einfach auf dem Feld laufen. Auf den Außenpositionen war das anders, da durfte beziehungsweise konnte ich es nicht. Das gefällt mir nicht so gut. Ich will mich immer völlig auspowern und kaputt sein nach dem Spiel.

Mehr zum Thema
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen