Warum die Grundschulen das größte Problem sind

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 Das Bild zeigt (von links) Doro Moritz, Margit Wohner, Vorsitzende der GEW Ostwürttemberg und Volker Spellenberg, stellvertrete
Das Bild zeigt (von links) Doro Moritz, Margit Wohner, Vorsitzende der GEW Ostwürttemberg und Volker Spellenberg, stellvertretender Vorsitzedner der GEW Ostwürttemberg. (Foto: Edwin Hügler)
Edwin Hügler

„Die Qualität des Unterrichts kann nur verbessert werden, in dem er auch stattfindet. Die Grundschulen sind die größte Baustelle im Schulwesen in Baden-Württemberg.“ Mit diesen Worten hat die Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Doro Moritz, bei einem Pressegespräch in der Stadthalle in Aalen die derzeitige Situation an den Grundschulen beklagt.

Es sei ein Skandal, dass vom Land nur so wenig in diese Schulart investiert werde. Konkret bemängelte sie vor allem den Unterrichtsausfall, fehlende Lehrer, die geringe Sprachförderung und die schlechte technische Ausstattung der Schulen.

46 Prozent der Viertklässler hätten einen Migrationshintergrund, dem werde im Schulalltag kaum Rechnung getragen. Angesichts der Überlastung der Lehrer bleibe kaum Zeit für dringend notwendige Sprachübungen.

Bis 2030 gehen 50 Prozent der Lehrer in Pension

Die Inklusion stehe zwar im Schulgesetz, das Land habe aber dafür kaum Lehrer eingestellt. „Wir müssen das Schulwesen vom Kopf wieder auf die Füße stellen und die Grundschulen viel mehr fördern“, forderte Moritz. Ihren Ausführungen zufolge gehen bis 2030 insgesamt 50 Prozent der Lehrer in Pension. Die Zahl der neu ausgebildeten Lehrkräfte reiche nicht aus, um den steigenden Schülerzahlen gerecht zu werden, geschweige denn um Verbesserungen zu realisieren. Baden-Württemberg sei im Ländervergleich das Bundesland mit der schlechtesten Schüler-Lehrer-Relation.

Ein Problem sieht die GEW-Landesvorsitzende auch darin, dass derzeit 90 Prozent aller Lehrkräfte an den Grundschulen Frauen sind. Ihrer Ansicht nach brauchen Kinder auch männliche Vorbilder. Es sei dringend erforderlich den Lehrerberuf attraktiver zu machen. Eine Forderung der Gewerkschaft sei es in diesem Zusammenhang das Grundschulstudium auf zehn Semester auszudehnen und die Besoldung von derzeit A12 auf A13 zu erhöhen. Um dem Lehrermangel zu begegnen forderte Moritz, dass mehr Lehrer bis zur gesetzlichen Altersgrenze arbeiten, außerdem Lehrkräfte mit Studium Deutsch als Zweitsprache nach einer Weiterqualifizierung unbefristet zu übernehmen sowie Beschäftigte ohne abgeschlossene Lehrerausbildung weiter zu qualifizieren und sie dann unbefristet einzustellen. Die Anstellung von Lehrern von Schuljahr zu Schuljahr müsse aufhören.

In qualitativer Hinsicht gelte es nachhaltige Sprachförderung als Grundlage für eine erfolgreiche Integration zu betreiben und zusätzliche Ressourcen für Schulen in herausfordernden sozialen Lagen und für inklusive Bildungsangebote zu schaffen.

Weitere Forderungen der GEW betreffen die Einführung des Ethik-Unterrichts an den Grundschulen und den Ausbau der Ganztagesangebote. Die Gewerkschaft werde ihre Forderungen nachhaltig vertreten und das Gespräch mit der zuständigen Ministerin für Kultus, Jugend und Sport, Susanne Eisenmann, suchen, unterstrich Moritz.

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