VR-Bank Ostalb zieht Resümee: Trotz Niedrigzins ein erfolgreiches Jahr

Lesedauer: 8 Min
Redakteurin/DigitAalen

Stimmengewirr, Gläserklirren und dezente Jazzmusik haben am Sonntagvormittag die Aula der Hochschule Aalen erfüllt. Bis Kurt Abele, Vorstandsvorsitzender der VR-Bank Ostalb, ans Mikrofon trat und die Gäste zum Neujahrsempfang der Bank begrüßte. Es war der zehnte Empfang seiner Art, doch zum ersten Mal wurde die Rede nicht von Hans-Peter Weber gehalten, sondern von seinem Nachfolger Abele. Weber selbst war gar nicht anwesend. Als Jungrentner dürfe der an diesem Sonntag seinen 40. Hochzeitstag priorisieren, sagte Abele, der seine erste Neujahrsrede zwar nicht ganz frei, aber souverän hielt.

Als Regionalbanker stimme ihn manche politische Entwicklung nachdenklich. „Nicht nur der festzustellende Rechtsruck. Auch die dadurch knapper werdenden Mehrheitsverhältnisse in den Parlamenten werfen für mich die Frage der Regierungsfähigkeit auf.“ Auch das „Geeiere um den Brexit“ beobachte er mit Sorge, sagte Abele. Und das Hin und Her im Defizitverfahren gegen Italien mit einem „faulen Kompromiss“ zeige, dass das europäische Regelwerk zu stumpf erscheine.

Regionalität: Was macht Europa?

Er stehe eindeutig für Europa, sagte Abele. „Ich stelle mir aber schon die Frage, ob Europa aus Sicht des Bürgers die Werte von Regionalität im Unternehmertum anerkennt.“ Beispielsweise stelle sich die Frage, ob es tatsächlich eine europaweite Ausschreibung für eine Linienbündelung des ÖPNV brauche, wenn es doch leistungsfähige regionale Familienunternehmen gebe.

Das vergangene Jahr sei für die VR-Bank ein historisches gewesen. Nach der Fusion und dem Einzug in die neue Geschäftsstelle in Aalen im Jahr 2017 sei 2018 das 150-jährige Bestehen der Bank gebührend gefeiert worden. Die Fusion habe Erfolge gebracht und ein gutes erstes Geschäftsjahr der VR-Bank Ostalb. Zum Jahresende wurde Hans-Peter Weber in den Ruhestand verabschiedet.

Betriebswirtschaftlich sei 2018 erfolgreich gewesen. Durch den Anstieg des Kreditgeschäfts sei der Rückgang im Zinsergebnis, der Haupteinnahmequelle, gering geblieben. Die Preiserhöhung, die es für die Kontoführung 2017/2018 gegeben habe, sei zwar nicht schön, aber entspreche der Sicherheit und dem Angebot des Onlinebankings.

Mit der Fusion einher gehe auch der Stellenabbau, sagte Abele. Da sei die Bank im Plan. Es soll keine Kündigungen geben, sondern durch natürliche Flukuation abgebaut werden. Zusammengefasst gehe es der Bank trotz Niedrigzins gut, sagte Abele.

Im anstehenden Jahr werde der Niedrigzins vorerst präsent bleiben. „Die jüngsten Konjunkturprognosen signalisieren leicht rückläufige Wachstumsraten. Wir gehen hier von einer Verschnaufspause aus.“ Ebenso beim Aktienindex, der in Deutschland 2018 abwärts gerichtet war. Eine weitere Entwicklung, die sich abzeichne, sei der Umgang mit Bargeld. „Deutschland ist Bargeldland.“ Aber auch hierzulande sei der Trend zum bargeldlosen Zahlen spürbar. Das Kontaktlos-Zahlen mit Karten oder Handys werde in die Breite gehen, was sich auch darin zeige, dass die Bundesbank ab April keine 500-Euro-Scheine mehr ausgeben wird.

Für sein Team bedeute das, dass man kreativ denken müsse. „Die Digitalisierung ist da, ob wir wollen oder nicht.“ Überweisungen werden immer mehr ortsunabhängig und online ausgeführt. Schon jetzt sei die Online-Filiale der VR-Bank mit 120 000 Besuchern im Monat die am stärksten frequentierte. Der telefonische Kundenservice müsse gestärkt werden. Daher müsse man das Filialnetz regelmäßig überprüfen. Aktuell stehe man mitten in der Analyse. „2019 werden die notwendigen Beschlüsse mit dem Aufsichtsrat diskutiert, kommuniziert und es wird mit der Umsetzung begonnen.“ Allerdings werde es hier keinen Kahlschlag geben, versprach Abele. Trotz aller Digitalisierung werde der letzte Schritt immer analog bleiben. Dem Kunden müsse weiterhin immer die Option eines persönlichen Kontaktes offenstehen. „Nicht dass der Eindruck entsteht, der Abele hat eine Internetbank im Blick.“

Region im Wettbewerb

CDU-Bundestagsabgeordneter Roderich Kiesewetter sprach sich ebenfalls für die Region und die Genossenschaftsbank aus. Der Mittelstand biete etwa 80 Prozent der Ausbildungsplätze. „Wir haben eine Krisensicherheit, was eine gute Vorraussetzung dafür ist, um im Wettbewerb gegen Ulm, Stuttgart und München zu punkten.“ Doch bei der Digitalisierung spiele Baden-Württemberg noch nicht auf den vorderen Rängen mit.

Ein Umstand, den auch Hausherr Hochschulrektor Gerhard Schneider kritisch beleuchtete. Künstliche Intelligenz sei eminent wichtig in Zukunft. Dabei sei es wichtig, im Wettbewerb um die Innovationsführerschaft nicht ins Hintertreffen zu geraten. Dafür lohne es sich auch, die europäische Idee zu stärken.

Oberbürgermeister Thilo Rentschler wünschte den Gästen ebenfalls ein frohes neues Jahr. Er rief dazu auf, für den ehemaligen Chef zu applaudieren, auch wenn der es nicht hören könne. „Ich könnte mir durchaus die eine oder andere Tätigkeit für ihn vorstellen, wenn er wieder hier ist.“ Für die Stadt Aalen stehe ein Jahr der Kontinuität an. Bis zu 400 Wohnungen sollen 2019 fertig gestellt werden, mehr als 100 Kita-Plätze stehen auf dem Programm. Das Forschungsgebäude der Hochschule und der Ilive-Turm sollen fertiggestellt werden, das Polizeipräsidium gebaut und für den zweiten Bau des Landratsamts ein Platz gefunden werden. Außerdem wird das Limesmuseum eröffnet. Und Anfang dieser Woche soll für das Kombibad ein Preisgericht einen Lösungsvorschlag präsentieren. Außerdem sollen der Sobek-Steg gebaut und die Radwege in Aalen ausgebaut werden. „Außerdem bin ich sehr froh, dass die Kinderklinik wieder einen Chefarzt bekommt.“

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen