Vor dem Pokalknaller gegen die Bayern: Der 1. FC Heidenheim hat eine Idee

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Sportredakteur/DigitAalen

Frank Schmidt zog bei den taktischen Überlegungen den Mannschaftsbus-Vergleich als Beispiel heran. Als Beispiel, wie man nicht gegen den FC Bayern München spielen sollte. Nicht den Mannschaftbus, sinnbildlich als Abwehrmauer, hinten rein stellen, damit der Gegner ja kein Tor schießt. „In der Tat ist es so, wenn wir uns damit beschäftigen einen oder zwei Mannschaftsbusse vor dem Sechzehner zu parken, dann geht das auch schief“, sagte Schmidt mit einem Schmunzeln, kurz vor der Abfahrt mit dem Mannschaftsbus nach München.

Wie man gegen Bayern München bestehen kann, da haben sich schon einige Fußballlehrer oder welche, die es werden wollen, den Kopf zerbrochen. Schmidt ist Fußballlehrer, hat sogar einen gewissen Kultstatus erlangt. An diesem Dienstag kam dieser ziemlich locker rüber, als er über die mögliche Spielweise gegen die vermeintliche Übermacht des deutschen Fußballs sprach. Er vermittelte diese Lockerheit gepaart mit Konzentration, diese Mischung, die auch seinen Spieler in dem Spiel ihres Lebens an diesem Mittwoch gut tun würde.

Es kann auch ein ganz böser Abend für Heidenheim werden

„Wir sollten uns schon was trauen, unser Herz in die Hand nehmen und mit Mut agieren“, fügte der 45-jährige Trainer des 1. FC Heidenheim vor dem Viertelfinale im DFB-Pokal hinzu. Mut im größten Spiel der Vereinsgeschichte: So könnte es etwas werden mit dem größten Erfolg der Vereinsgeschichte.

Der Fußball-Zweitligist wird, unfreiwillig in weißen Trikots (eigentlich heißt es „Alle in Blau“ nach München, doch Bayern-Torwart Sven Ulreich trägt auch blau), versuchen den Roten das Fürchten zu Lehren. Beim 2:1-Sensationssieg im Achtelfinale gegen Bayer Leverkusen ist das schließlich auch schon gelungen. „Das ist nur ein Spiel und es ist keine ganze Saison in Gefahr“, erklärte Schmidt, wieder locker.

Das wichtigste Ziel in dieser Saison hat seine Mannschaft schon erreicht, den Klassenverbleib in der 2. Liga. Was in einem Spiel in München blühen kann, haben schon etliche Mannschaften erlebt, vor allem die Mannschaftsbus-Parker. „Wir können unser bestes Spiel der Vereinsgeschichte machen, aber wenn Bayern uns keine Tür aufmacht, dann kann es auch ein böser Abend werden. So viel Realismus sollten wir haben.“ Der Plan von Bayern-Trainer Niko Kovac: „Man muss das erste Tor erzielen, um das so schnell wie möglich zu erledigen.“

Klatschengefahr vorhanden

Zuletzt kassierten die mutlosen Mainzer und die noch mutloseren Wolfsburger 0:6-Klatschen, erstere hat Schmidt live erlebt. Das jüngste Bayern-1:1 in Freiburg nahm Co-Trainer Dieter Jarosch zur Kenntnis. Und da gibt es noch eine Informationsquelle, die bei Bayern auch ein wenig mitmachen durfte, bis vorigen Sommer: Mittelfeldmann Niklas Dorsch. „Auch ihn habe ich mir zu Rate gezogen.“

Wir sollten uns schon was trauen, unser Herz in die Hand nehmen und mit Mut agieren. Frank Schmidt

Natürlich ging es auch um Ballbesitz, Dominanz und Passsicherheit, all das was Bayern draufhat. Doch sich zu klein machen gilt nicht. Auch nicht als Heidenheim. „Wir müssen viel Laufen. Ich habe der Mannschaft aber auch gesagt, dass wir nicht nur über die Defensive reden müssen, sondern wir wollen schon auch mal den Ball haben.“ Den Ball haben und was draus machen: Das wäre es.

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Einer, der was draus machen könnte, ist fraglich für den Knaller in der Allianz Arena: Offensivwirbler Nikola Dovedan verletzte sich am Montag leicht am Sprunggelenk. Und einer, der treffen will, steht auch bei Bundesligisten im Gespräch: Robert Glatzel. Der FC Bayern München wird sich taktisch auf den Stürmer einstellen müssen, der VfB Stuttgart und Werder Bremen zeigen laut „BILD“ Interesse an einer Verpflichtung des Angreifers.

„Interessiert mich nicht“, lautete dazu der knappe Kommentar von Schmidt. Und der Bereichsleiter Kommunikation Jan-Markus Gamm fügte hinzu: „Es ist niemand an uns herangetreten.“ Nachdem das auch geklärt schien, rollte der Mannschaftsbus nachmittags von der Ostalb mit den genannten Kickern gen München.

10 000 Heidenheim-Fans

10 000 Heidenheim-Fans werden in der Allianz Arena erwartet: 75 000 Zuschauer im Stadion. „Das muss beflügeln. Das Entscheidende, wie man in dieses Spiel geht, ist sowieso der Kopf“, machte Schmidt klar.

Also: Hellwach sein. Der Tag ist getaktet wie immer: „Wir stehen irgendwann auf.“ Es folgt Frühstück, Anschwitzen, Essen, Mittagsruhe, „man isst tatsächlich dann nochmal, drei Stunden vor dem Spiel.“ Besprechung, Abfahrt ins Stadion. Und um 18.30 Uhr geht es los. Der Mannschaftsbus soll dann aber vor dem Stadion stehen.

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