VfR Aalen verballert nächsten Sieg

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 Frust pur: Matthias Morys verballerte auch Chancen und war wie alle beim VfR hinterher enttäuscht.
Frust pur: Matthias Morys verballerte auch Chancen und war wie alle beim VfR hinterher enttäuscht. (Foto: Peter Schlipf)
Sportredakteur/DigitAalen

VfR Aalen: Bernhardt - Ristl (75. Büyüksakarya), Schoppenhauer, Rehfeldt, Funk (46. Schorr) - Geyer (90. Amelhaf), Fennell - Sliskovic, Schnellbacher - Sessa, Morys.

Sportfreunde Lotte: Kroll - Langlitz, Straith, Rahn, Al-Hazaimeh - Chato Nguendong (75. Putze), Wendel, Dietz (46. Jovic) - Oesterhelweg, Wegkamp (65. Reimerink), Lindner.

Tore: 0:1 Chato Nguendong (32.), 1:1 Sliskovic (59.), 1:2 Straith (83.). Schiedsrichter: Mitja Stegemann (Bonn). Zuschauer: 3124. Gelbe Karten: Morys - Dietz, Wendel, Al-Hazaimeh.

Wer das blanke Ergebnis liest, sagt sich: 1:2, ah okay, der VfR hat wieder einmal verloren. Zwei Mal hintereinander gewinnen können die eh nicht. Wer die Chancenanzahl liest, denkt sich: Das gibt es doch nicht. Und wer dann noch sieht, wie das Spiel gelaufen ist, und welche Leistung das Fußball-Drittliga-Schlusslicht VfR Aalen abgerufen hat, denkt sich: unfassbar.

Doch die Wahrheit im Fußball – und das ist das Ergebnis – hat an diesem Samstagnachmittag voll zugeschlagen im Rohrwang. Bei der 1:2 (0:1)-Niederlage des VfR, ausgerechnet gegen den Abstiegskampfkonkurrenten Sportfreunde Lotte, stand am Ende ein Resultat, das so gar nicht zum Spiel passt – aber irgendwie voll zur Saison der Aalener. Was die über die 90 Minuten plus ausgiebieger Nachspielzeit (fünf Minuten) boten in so einem richtig packenden Drittliga-Spiel war viel – mit viel zu wenig Ertrag.

Vor dem Spiel hieß es, auch von Seiten des Lotter Comeback-Trainers Ismail Atalan: Aalen hat Druck. Auch einige Journalisten wiesen dem VfR die Rolle der unter Druck stehenden Mannschaft zu.

Und was machte der VfR? Druck! Hinterher musste Atalan feststellen: „Aalen hat einen guten Ball gespielt.“ Aber er fuhr mit seiner Mannschaft glücklich die so wichtigen Punkte ein – mit einem ziemlich destruktiven und rustikalen Auftritt (bei dem der Schiedsrichter zu viel durchgehen ließ).

Gefühlte 90 Minuten Dauerdruck reichten dem VfR in der Ostalb Arena nicht aus, um mehr als ein Tor zu erzielen – und dann waren da eben wieder diese unerklärlichen Aussetzer, die der höchstens mal konternde Gegner „brutal effektiv“ ausnutzte. Das sagte Rico Schmitt, der Coach der Aalener – und genau das machte seine Mannschaft nicht. „Es hat vieles gepasst“, merkte Schmitt an – nur das Ergebnis nicht, aufgrund von „Chancenwucher“. In höchster Form.

Elf Chancen

Elf gute Möglichkeiten verballerte der VfR. „Elf Chancen bekommt man wahrscheinlich nicht jedes Spiel“, stellte Rechtsverteidiger Mart Ristl richtigerweise fest, der in der ersten Halbzeit auch einen Schuss unter vielen abgab. Davon waren vier bis fünf wirklich gute Chancen dabei, wie auch der Coach in seinem Statement zum Spiel mit Bedauern konstatierte.

Da waren allen voran die Angreifer Matthias Morys, Petar Sliskovic und Luca Schnellbacher „und und und“, wie Schmitt anmerkte und schon gar nicht mehr weiter aufzählte. Es war die bisherige Krönung der mangelnden Chancenverwertung des VfR in dieser Saison – und das ausgerechnet in solch einem Big-Point-Spiel. Für das rückte Morys nach dem überraschenden 1:0-Sieg gegen Kaiserslautern wieder in die Startelf, Antonios Papadopoulos schaute gelb gesperrt zu.

Schon in der ersten Halbzeit hätte es gut und gerne 4:0 stehen können. Es kam anders: Nach einem total verunglückten Klärungsversuch des eigentlich soliden Patrick Funk, der einen Ball im Sechszehner genau zu Paterson Chato spielte, traf dieser frei stehend per Flachschuss mit dem ersten Torschuss zum 1:0 (32.). Dem lief der VfR entschlossen hinterher, nach dem Erfolg auf dem Betzenberg lag nichts näher als endlich einmal nachzulegen mit einem zweiten Sieg in Serie, in dieser so prekären Situation in der Tabelle. Immerhin schloss Sliskovic (der 1:0-Schütze auf dem Betze) ein Mal ab, nach einer Stunde war es soweit in Folge eines Zuspiels von Schnellbacher. Danach folgte die Phase, die nur schwer zu begreifen ist: In einem wahren Offensivwirbel erspielte sich der VfR ein halbes Dutzend Chancen fast im Minutentakt – ehe der Gegner nach wieder einmal einem Standard (Eckball) freistehend locker das 2:1 köpfte – der Ex-Aalener Maximilian Oesterhelweg auf Lottes Kapitän John Adam Straith (83.) – Tor.

Stille. Es wurde ruhig in der Arena – in der vorher noch Klatschpappen für zusätzliche Lautstärke sorgten. Aalens Profis rannten trotzdem weiter auf das Lotter Tor an. Vergeblich.

„Wir sind noch nicht abgestiegen“, erklärte Schmitt trotz der Missstimmung und merkte aber völlig treffend an: „Es wird immer schwerer.“ Ristl blickte, auch wenn es schwer viel, voraus: „Nach der Leistung wäre es blöd, wenn wir nicht an uns glauben würden.“ Auch richtig. Nach diesem tatsächlichen 1:2 wuchs der Rückstand des VfR auf den Nichtabstiegsplatz jedoch wieder auf sieben Punkte an.

VfR Aalen: Bernhardt - Ristl (75. Büyüksakarya), Schoppenhauer, Rehfeldt, Funk (46. Schorr) - Geyer (90. Amelhaf), Fennell - Sliskovic, Schnellbacher - Sessa, Morys.

Sportfreunde Lotte: Kroll - Langlitz, Straith, Rahn, Al-Hazaimeh - Chato Nguendong (75. Putze), Wendel, Dietz (46. Jovic) - Oesterhelweg, Wegkamp (65. Reimerink), Lindner.

Tore: 0:1 Chato Nguendong (32.), 1:1 Sliskovic (59.), 1:2 Straith (83.). Schiedsrichter: Mitja Stegemann (Bonn). Zuschauer: 3124. Gelbe Karten: Morys - Dietz, Wendel, Al-Hazaimeh.

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