VfR Aalen: Mehr drin, aber wieder leere Hände

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 Wieder geht der Blick ins Leere: Sascha Traut muss mit dem VfR weiter auf den nächsten Sieg warten.
Wieder geht der Blick ins Leere: Sascha Traut muss mit dem VfR weiter auf den nächsten Sieg warten. (Foto: Peter Schlipf)
Thomas Palapies-Ziehn (MSPW)

Viel Zeit zum Nachdenken hatten die Spieler des VfR Aalen nach dem 0:2 (0:1) beim ambitionierten Aufsteiger KFC Uerdingen am 16. Spieltag der 3. Liga. Erst tief in der Nacht kehrten sie mit dem Mannschaftsbus aus dem rund 500 Kilometer entfernten Duisburg zurück, wo der KFC in dieser Saison seine Heimspiele austrägt, weil das heimische Grotenburg-Stadion erst fit für die 3. Liga gemacht werden muss. Mit im Gepäck hatte der VfR die Erkenntnis, dass bei besserer Chancenverwertung deutlich mehr drin gewesen wäre beim Aufstiegsanwärter aus Krefeld.

Mit drei Zählern mehr im Punktekoffer würden die Sorgenfalten beim Blick auf die Tabelle auch nicht ganz so deutlich sichtbar sein. So belegt der VfR aber mit 14 Punkten Rang 18. Das „rettende Ufer“ ist immerhin schon vier Zähler entfernt. Aalens Trainer Argirios Giannikis will die Situation nicht schönreden. „Wir können die Tabelle lesen und nehmen die Situation ernst“, so der Grieche. „Doch wir haben schon mehrfach unter Beweis gestellt, dass wir absolut konkurrenzfähig sind. Deshalb bin ich überzeugt, dass wir schon bald da unten herauskommen.“

Alles andere als chancenlos waren die Aalener auch im Gastspiel beim Neuling aus Uerdingen, der gespickt ist mit Ex-Profis wie 2014-Weltmeister Kevin Großkreutz, Maximilian Beister oder Dominic Maroh, die allesamt schon in der Bundesliga gespielt haben. Außenstürmer Beister, unter anderem auch schon für Fortuna Düsseldorf und den Hamburger SV am Ball, war es dann auch, der vor 2704 Zuschauern das erste Ausrufezeichen setzte. Flanke von Oguzhan Kefkir, Volleyschuss Beister – 1:0 für den KFC! Gespielt waren zu diesem Zeitpunkt nicht einmal sechs Minuten.

Schnellbacher geht voran

Der VfR schüttelte sich kurz, übernahm dann aber das Kommando. Immer wieder beteiligt: Luca Schnellbacher, der für den gelbgesperrten Matthias Morys in die Anfangsformation gerutscht war. Zunächst schoss Marcel Bär (8.) knapp am Pfosten vorbei, dann scheiterte Schnellbacher (13.) an KFC-Schlussmann René Vollath. Auch seine Chancen zwei (25.) und drei (33.) konnte Schnellbacher nicht nutzen. Auf der anderen Seite hatte Beister (17.) nach einem abgefälschten Kefkir-Versuch das 2:0 auf dem Fuß. Zweite Halbzeit, ähnliches Bild: Aalen hatte zunächst wieder das Heft in der Hand, das Tor aber gelang dem KFC: Weltmeister Großkreutz probierte es aus der Distanz, sein Schuss wurde aber von der Aalener Abwehr geblockt. Den Abpraller verwandelte Kefkir, der mit Uerdingen schon zweimal hintereinander aufgestiegen ist, zum 2:0 in der 56. Minute. Die Aalener steckten bei nasskaltem Wetter nicht auf, kamen durch Marcel Bär (65./68.) und Nicolas Sessa (89.) auch noch zu einigen guten Möglichkeiten. Ernsthaft in Gefahr geriet der Erfolg der Uerdinger aber nicht mehr. Der KFC war insgesamt dem dritten Tor auch deutlich näher als der VfR dem Anschlusstreffer.

„Es war wie schon häufig in dieser Saison“, ärgerte sich Giannikis. „Wir haben guten Fußball gespielt, geraten dann aber in Rückstand und laufen der Musik hinterher. Spätestens nach dem 0:2 hat man der Mannschaft angemerkt, dass ihr die Leichtigkeit fehlt. Ein Sieg, und sei es ein dreckiger, wäre Balsam.“ Um der Abschlussschwäche entgegen zu wirken, denken die Aalener Verantwortlichen darüber nach, in der Winterpause personell nachzulegen. Giannikis: „Sollten wir gestandene Spieler finden, die unsere Mannschaft mit Fähigkeiten verstärken, die sie im Moment nicht hat, dann wollen wir reagieren.“

Abstiegsgipfel in Braunschweig

Zumindest bis zur Winterpause muss es jedoch das vorhandene Personal richten. Die nächste Aufgabe heißt im zweiten Auswärtsspiel hintereinander Eintracht Braunschweig. Das Schlusslicht empfängt den VfR am Samstag, 14 Uhr. An diesem Montag, 19 Uhr, müssen die Braunschweiger „Löwen“, die lediglich neun Punkte auf dem Konto haben, erstmal einmal beim SC Preußen Münster ran. „Unentschieden bringen uns in unserer Situation nicht weiter“, gibt Giannikis die Marschroute in Richtung Braunschweig aus. Heißt aber auch, dass der VfR seine Chancen endlich wieder nutzen muss – damit nicht wieder auf der mehr als 450 Kilometer langen Rückreise gegrübelt wird.

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