Verkauf der SHW-Gießerei ist aufgehoben

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 Hiobsbotschaft kurz vor Weihnachten: Der Kaufvertrag über das Traditionsunternehmen SHW CT ist rückgängig gemacht worden.
Hiobsbotschaft kurz vor Weihnachten: Der Kaufvertrag über das Traditionsunternehmen SHW CT ist rückgängig gemacht worden. (Foto: Thomas Siedler)
Aalener Nachrichten

Die Eigenverwaltung des Gießereiunternehmens SHW CT in Wasseralfingen und der Machining Technologies (MT) in Königsbronn ist vom Kaufvertrag mit dem Investor, der Rheinischen Mittelstandsbeteiligungs GmbH (RMB), zurückgetreten. Diese Entscheidung erfolgte nach einem einstimmigen Beschluss des Gläubigerausschusses mit Zustimmung des Sachwalters. Grund seien wirtschaftliche Schwierigkeiten des Investors, heißt es in einer am Dienstag veröffentlichten Mitteilung der Kanzlei Pluta.

Vor kurzem musste demnach die Hulvershorn Eisengießerei GmbH & Co. KG, eine Beteiligungsgesellschaft der RMB-Gruppe, Insolvenz anmelden. Der Investor hatte erst zum 1. Juni diesen Jahres die SHW Casting Technologies GmbH & Co. KG, Werk Königsbronn, übernommen. Dabei erfolgte der Übergang des kompletten Geschäftsbetriebes mit 163 Mitarbeitern samt der Immobilie an die neugegründete SHW High Precision Casting Technologies.

Für die Restrukturierungsexperten der Kanzlei Pluta, welche die SHW CT seit Juli 2017 in Eigenverwaltung saniert und mit vollen Auftragsbüchern an den Investor übergeben hatten, ist die Entwicklung beim Käufer überraschend. So wurde die erste Teilzahlung durch den Investor bereits vor Abschluss des Kaufvertrages auf ein Treuhandkonto getätigt. Dies wurde als sehr positiv bewertet. Der gesamte Kaufpreis ist vereinbarungsgemäß in mehreren Teilzahlungen zu leisten. Die letzte Teilzahlung besteht aus dem anteiligen Erlös aus dem Verkauf von fertigen Waren, die zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses noch halbfertig waren. Diese letzte Zahlung schuldet der Investor noch.

Überraschende Entwicklung beim Investor

Anfang Oktober wurden die SHW CT in Wasseralfingen und die Machining Technologies in Königsbronn ebenfalls an die RMB Beteiligungsgesellschaft veräußert. Zum damaligen Zeitpunkt war der Investor allen finanziellen Verpflichtungen aus dem anderen Kaufvertrag mit der SHW CT in Königsbronn vollständig nachgekommen. Die jetzigen Probleme kamen laut Pluta überraschend. Ein anerkannter Transaktionsberater hatte den Verkaufsprozess der SHW CT- Gruppe begleitet und die Bonität des Investors bestätigt.

Das Closing, also der Vollzug des zweiten Deals zum 1. Januar 2019, wird daher nicht zustande kommen. Die Kaufverträge für die SHW CT in Wasseralfingen und die Machining Technologies in Königsbronn wurden zwar Anfang Oktober unterschrieben, aber der Verkauf unterliegt bestimmten Bedingungen. Zudem hatten die Pluta-Verantwortlichen ein Rücktrittsrecht bis zum Jahresende in den Vertrag aufgenommen. Dieses wird nun in Anspruch genommen. Der Rücktritt vom Kaufvertrag sei zum Vorteil für die Gläubiger erforderlich, heißt es aus der Kanzlei Pluta.

„Die Lage hat sich zugespitzt“

Im Juli 2017 hatten alle drei operativ tätigen Gesellschaften von SHW Casting Technologies sowie die Holding die Eigenverwaltung beantragt. Unterstützt wurde die Gruppe seither von der Restrukturierungsgesellschaft Pluta. Marcus Katholing, der als Geschäftsführer die SHW CT in Eigenverwaltung saniert hat, erklärt: „Die Lage hat sich in den vergangenen Wochen zugespitzt, so dass wir nun vom Kaufvertrag zurücktreten müssen. Für die engagierten Mitarbeiter tut mir das sehr leid.“

Sachwalter Prof. Dr. Martin Hörmann erklärt: „Seit der Antragstellung vor 16 Monaten verlief das Verfahren sehr positiv. Die hervorragende Arbeit der Eigenverwaltung wird nun durch die aktuelle Situation beim Investor überschattet. Das ist sehr schade und bedauerlich.“

Auftragseingang ist sehr niedrig

In Wasseralfingen und bei der MT in Königsbronn läuft der Geschäftsbetrieb weiter. Das Team um Katholing werde nun, wie es heißt, „unter Hochdruck“ daran arbeiten, eine Lösung für beide Unternehmen zu finden. Die Voraussetzungen seien sehr schwierig. Zahlreiche Kunden verhielten sich verständlicherweise sehr zurückhaltend bei der Vergabe von neuen Aufträgen. Der Auftragseingang sei sehr niedrig. Zudem habe im vergangenen Monat ein Großkunde, der für einen Großteil des Umsatzes verantwortlich sei, das Auftragsvolumen deutlich reduziert.

Katholing sagt weiter: „Wir werden nun schnellstmöglich mit allen Kunden sprechen, um die Situation wieder zu stabilisieren. Das Vertrauen der Kunden ist nun ausschlaggebend.“ Zugleich wird Katholing Gespräche führen, ob eine anderweitige Investorenlösung möglich ist.

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