Verfahren wegen tödlichem Unfall wird gegen Geldbuße eingestellt

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 Verfahren wegen tödlichem Unfall wird gegen Geldbuße eingestellt.
Verfahren wegen tödlichem Unfall wird gegen Geldbuße eingestellt. (Foto: Peter Steffen)
gk

Wegen fahrlässiger Tötung hat sich ein 27-jähriger Lastwagenfahrer am Dienstagmorgen vor Strafrichter Martin Reuff am Aalener Amtsgericht verantworten müssen. Er hat im März vergangenen Jahres eine Frau auf der B19 bei Niederalfingen erfasst. Der in der Nähe von Ulm wohnende Beschuldigte und sein Verteidiger Rechtsanwalt Philipp Mohrschulz aus Biberach hatten gegen einen Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Ellwangen Einspruch eingelegt.

Der tödliche Unfall hatte sich im März vergangenen Jahres an einer Bushaltestelle an der B19 bei Niederalfingen ereignet. Eine Frau aus Niederalfingen hatte ihr Kind morgens zum Bus gebracht und wollte danach unmittelbar vor dem in der Haltebucht stehenden Bus wieder die Straße in Richtung Niederalfingen überqueren. Dabei wurde sie von dem Sattelzug des Beschuldigten erfasst, der in diesem Moment aus Richtung Abtsgmünd an dem noch in der Haltebucht stehenden Bus vorbeifuhr.

Im Strafbefehl ging die Ellwanger Staatsanwaltschaft davon aus, dass der Bus mit eingeschalteter Warnblinkanlage in der Haltebucht gestanden habe. Das bestritt jedoch der Angeklagte in der Verhandlung. Der als Zeuge vernommene Busfahrer sagte aus, dass er beim Einfahren in die Haltebucht den rechten Blinker gesetzt habe und auch beim Stehen rechts geblinkt habe, die Warnblinkanlage aber nicht eingeschaltet habe. Das sei in einer Haltebucht auch nicht vorgeschrieben. Die Warnblinkanlage habe er erst eingeschaltet, als der Unfall schon passiert war.

Der Lastwagenfahrer, gab an, dass er mit den an dieser Stelle erlaubten 60 Kilometern pro Stunde gefahren sei. Als er den Bus etwa 50 Meter vor sich gesehen habe, sei er vom Gas gegangen und bremsbereit gewesen. Als er mit der Zugmaschine etwa auf Höhe des Busses war, sei die Frau jedoch unmittelbar vor ihm, aus seiner Perspektive hinter dem Bus auf die Fahrbahn getreten. Er habe sofort gebremst und den Sattelzug nach links gezogen, konnte jedoch nicht verhindern, dass die Frau vermutlich von dem vorderen rechten Eck des Auflegers getroffen wurde.

Während seiner Aussage musste der seither unbescholtene junge Mann immer wieder mit den Tränen kämpfen. Seine Angaben zum Unfallgeschehen wurden von den Zeugen, einem Polizeibeamten, der die Bremsspuren und den Fahrtenschreiber ausgewertet hat und einer Autofahrerin, die zuvor hinter dem Lastwagen gefahren ist, bestätigt.

Nach den Zeugenaussagen, regte Rechtsanwalt Mohrschulz an, das Verfahren gegen eine Geldbuße einzustellen, da nicht erkennbar sei, dass sich sein Mandant in irgendeiner Weise schuldhaft verhalten habe. Dem stimmte die Staatsanwältin zu. Richter Reuff stellte daraufhin das Verfahren gegen eine Geldbuße von 1000 Euro ein.

Tragisch an dem Unfall ist, dass die Gefahr an dieser Bushaltestelle direkt an der B 19 bekannt war und ein entsprechender Umbau bereits in Auftrag gegeben war. Mittlerweile gibt es die Haltebucht nicht mehr. Die Busse halten dort auf der Fahrbahn mit eingeschalteter Warnblinkanlage, sodass man hinter dem Bus anhalten muss und der Gegenverkehr nur mit Schrittgeschwindigkeit vorbeifahren darf.

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