Unterwegs in Ostalb-schwäbischer Mission

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Siegfried Wiedemann ist ein Kämpfer für die schwäbische Sprache. Genauer gesagt für die Sprache der Ostalb. Im Bürgerhaus i las
Siegfried Wiedemann ist ein Kämpfer für die schwäbische Sprache. Genauer gesagt für die Sprache der Ostalb. Im Bürgerhaus i las er jetzt aus seiner „Schwobafibel“ vor und begeisterte die amüsierten Zuhörer. (Foto: Markus Lehmann)
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Siegfried Wiedemann ist ein echter Jäger und Sammler. Über 2000 schwäbische Gedichte hat er im Fundus, 250 davon in seiner „Schwobafibel“ versammelt. Aus der las er jetzt zur Belustigung der vielen Besucher im Bürgersaal – das Ganze war auch noch eine saukomische Lektion in Sachen Ostalb-Schwäbisch. Denn für den Erhalt dieser Sprache brennt der Onatsfelder mit ganzem Herzen. Seine Mission: „Schwätzat schwäbisch, ihr Laid“ – also redet schwäbisch, ihr Leute.

Neckische Gedichte sind es, die zeigen, wie sanft, aber auch derb und hemdsärmelig Schwäbisch sein kann. Wiedemann liest ein Gedicht seines Lieblingsautors Otto Keller, geboren 1875 in Stuttgart und hochverehrt bei den Exilschwaben in den USA. Aus seiner Feder stammt etwa das erste Gedicht des Lesungsabends – „der Leichenschmaus“. Da geht’s recht zünftig her und feuchtfröhlich. Das liegt auch daran, dass der Herr Gemahl und nun Witwer zur Heimgegangenen ein recht zwiespältiges Verhältnis hatte. Wiedemann liest, dass es eine Freude ist. Polternde Gedichte, aber auch Nachdenkliches von der Vergänglichkeit allen Besitztums, eine Ode an eine sternenklare Nacht, schwäbische Flüche und Drohungen, Kindergedichte, Kosenamen. Er zeigt, wie schnell aus einem „soichnassa“ Kartoffelsalat ein „furztrockanar“ wird. Beziehungsweise natürlich ein Salat aus „Grombra“, wenn schon.

Was Wiedemann bedauert, ist das Zurückweichen des Schwäbischen im Alltag auch auf der Ostalb: Die Sprüche beim Kartenklopfen sterben langsam aus und immer öfter fremdelt die Jugend mit der Sprache ihrer Heimat. Er erklärt, was „a’gschlaga“ heißt – ein etwas hinterhältiger Mensch – was man sich unter „Fisimatenten“ vorzustellen hat und dass überhaupt die französische Besatzung etliche Spuren hinterlassen hat auch auf der Ostalb.

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