Unter Baugebiet schlummert Teergrube

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Unter dem ehemaligen Baumaschinen- und Gaswerk-Areal und dem künftigen Baugebiet „Maiergasse“ schlummern Altlasten. Die Entsorgu
Unter dem ehemaligen Baumaschinen- und Gaswerk-Areal und dem künftigen Baugebiet „Maiergasse“ schlummern Altlasten. Die Entsorgu (Foto: Lehmann)
Markus Lehmann

Mit Altlasten unter dem geplanten Wasseralfinger Baugebiet „Maiergasse“ hatte man gerechnet. Nachdem die Gebäude auf dem ehemaligen Baumaschinen-Gelände nun alle abgerissen sind, wurden bei Bodenproben jetzt neben grundwassergefährdenden Stoffen auch noch Teergruben vom ehemaligen Wasseralfinger Gaswerk entdeckt. Für die Beseitigung und Entsorgung dieser Hinterlassenschaften kommen auf die Stadt nun Mehrkosten von über einer Million Euro zu, insgesamt kostet die Altlastensanierung nun 2,75 Millionen statt der kalkulierten 1,4 Millionen. Ein Teil der Sanierung wie etwa die der Teergruben ist aber förderfähig.

Annähernd so groß wie das Aalener Stadtoval ist die Industriebrache am Kocher nördlich Wasseralfingens und östlich des Talschulzentrums. Hier sollen im südlichen Teil ein Gewerbe-Mischgebiet und nördlich (in Richtung Hüttlingen) Einfamilienhäuser und Geschosswohnungen in attraktiver Lage entstehen, der Kocher soll in Richtung Heimatsmühle ökologisch verbessert werden und darf wieder „mäandern“. Weil man von den potentiellen Altlasten wusste, hat die Stadt für deren Entsorgung 1,4 Millionen Euro eingeplant, am 13. Februar 2013 war der erste Baggerbiss für die Abbrucharbeiten. Von Altlasten wusste man, stellt Bürgermeisterin Jutta Heim-Wenzler fest: „Nur die Größenordnung war unbekannt, das konnte man überhaupt nicht abschätzen.“ Nun, da alle Gebäude abgerissen sind und der Boden untersucht wurde, stieß die Altlasten-Kommission auf dem Gelände auf Cyanide – Blausäureverbindungen –, auf leichtflüchtige Kohlenwasserstoffe, auf Schwermetalle und Schlacken. Besonders schwer wiegen die entdeckten Teergruben, beziehungsweise die Teergrube. Sie stammt, erklärt der Leiter des Grünflächen- und Umweltamtes, Rudi Kaufmann, vom ehemaligen Gaswerk, das hier aus Kohle in einem Raffinerieprozess Gas herstellte.

Das gesamte, zuletzt erweiterte Planungsgebiet ist 82000 Quadratmeter (8,2 Hektar) groß, etwa 3000 Quadratmeter davon müssen saniert und von den Altlasten befreit werden. Auch weil die Entsorgungskosten für Altlasten extrem gestiegen sind, kommen auf die Stadt nun Mehrkosten zu: Von den kalkulierten 1,4 Millionen für die Bodensanierung steigen sie nun auf 2,75 Millionen. Für die Beseitigung und sichere Lagerung der besonders problematischen Stoffe (Teergrube) stellt Heim-Wenzler einen Zuschuss aus dem Altlastenfonds des Landes in Höhe von rund 850000 Euro in Aussicht. Vor dessen Zusage mit den Sanierungsarbeiten zu beginnen, wäre „förderschädlich“, sagt die Bürgermeisterin. Erst nach einem positiven Bescheid soll es an die Ausschreibung der Sanierungsarbeiten gehen. Mit der Entsorgung allerdings kann erst nächsten Winter begonnen werden. Die Geruchsbelästigung wäre in der warmen Jahreszeit zu groß.

Über dieses Thema wird vermutlich im März der Gemeinderat und der Wasseralfinger Ortschaftsrat informiert.

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