„Uns stinkts“: Ebnater demonstrieren wegen Verzögerung der Nordumfahrung

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Edwin Hügler

Die Ebnater haben von ständigen leeren Versprechungen und Verzögerungen, mit Verlaub, die Schnauze voll: Rund 300 Bürger sind am Freitag auf die Jurastraße gegangen und haben mit einer Kundgebung, zahlreichen Bannern, einer Menschenkette und mit Traktoren für eine schnelle Realisierung der Nordumfahrung demonstriert.

Der „Schwarze Peter“ wurde dem Regierungspräsidium Stuttgart zugeschoben, das trotz Einladung nicht erschienen war und auf eine entsprechende Anfrage nicht einmal geantwortet hatte.

„Nordumfahrung kommt! – 40 Jahre Fakenews“ war auf einem der Transparente zu lesen oder „Uns stinkts“. Und immer wieder: „Nordumfahrung jetzt!“ Obwohl durchaus Emotionen im Spiel waren, blieb die Demonstration friedlich und verlief in geordneten Bahnen.

 Auch die Durchfahrenden haben die Ebnater entlang der Jurastraße auf ihr Anliegen und auf ihre Verärgerung aufmerksam gemacht.
Auch die Durchfahrenden haben die Ebnater entlang der Jurastraße auf ihr Anliegen und auf ihre Verärgerung aufmerksam gemacht. (Foto: Edwin Hügler)

Der stellvertretende Ortsvorsteher Uwe Grieser verlas bei der Kundgebung einen Brief von Roderich Kiesewtter, der wie die beiden anderen eingeladenen Bundestagsabgeordneten Margit Stumpp und Leni Breymaier wegen einer Sitzung mit Anwesenheitspflicht in Berlin nicht kommen konnte. In dem Brief unterstrich Kiesewetter seine Solidarität mit den Ebnatern.

Er habe Ende letzten Jahres einen Brief an das Regierungspräsidium geschrieben und bisher keine Antwort erhalten. Er verstehe den Unmut der Bürger, wenn sich der Baubeginn dieser Umgehungsstraße bis 2021 verzögere.

„Es muss viel passieren beziehungsweise nicht passieren, bis wir demonstrieren“ sagte der Ebnatar Ortsvorsteher Manfred Traub. Die Ausführungsplanung für die lediglich zwei Kilometer lange Trasse könne kein Hexenwerk sein. Die Demonstration wertete er als wichtiges Zeichen dafür, dass die Ebnater zusammenstehen.

Aalens Erster Bürgermeister Wolfgang Steidle ging auf die lange Leidensgeschichte der Ebnater Bürger im Zusammenhang mit der Nordumgehung ein. Bereits 1980 habe der damalige Aalener Gemeinderat dem Bau dieser Straße zugestimmt, 1987 sei die A7 eröffnet worden.

Ich war schon auf vielen Demonstrationen, aber noch nie auf einer für eine Straße. Michael Fleischer (Die Grünen)

Die Stadt Aalen habe ihre Hausaufgaben gemacht und für Baurecht gesorgt. Er hoffe immer noch, dass 2020 die ersten Bagger anrollen und dass den Bürgern weitere Enttäuschungen erspart blieben. „Wir stehen fest an Ihrer Seite“, beteuerte Kreiskämmerer Karl Kurz. Die Finanzierung sei gesichert und die Landkreisverwaltung unterstütze das Projekt nach Kräften.

„Ich war schon auf vielen Demonstrationen, aber noch nie auf einer für eine Straße“, betonte Michael Fleischer, der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Aalener Gemeinderat. Die Umgehungsstraße von Ebnat bringe bei einem nur geringen Eingriff in die Landschaft eine große Entlastung.

Verzögerung laut Bündnis ein Trauerspiel

Der Sprecher des Bürgerbündnisses „Pro Nordumfahrung“, Thomas Scheiger, nannte die ständigen Verzögerungen beim Bau der Trasse ein „Trauerspiel“. Der Ball liege eindeutig beim Regierungspräsidium Stuttgart, dass auf eine Einladung zu dieser Demonstration nicht einmal reagiert habe. Seine Solidarität mit den Ebnatar Bürgern bekundete auch der Landtagsabgeordnete Winfried Mack.

Nach der Kundgebung fuhren 15 Traktoren mit Transparenten durch die Jurastraße, darunter auch ein Fahrzeug mit Wolfgang Steidle und mit dem CDU-Fraktionsvorsitzenden im Aalener Gemeinderat, Thomas Wagenblast. Die eindeutige Botschaft aller Teilnehmer an dieser Demonstration: Die Geduld der Ebnater neigt sich dem Ende entgegen und darf nicht länger strapaziert werden.

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