Ungewöhnliches geistliches Konzert in der Villa Stützel

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 In der Villa Stützel in Aalen war am Freitagabend ein ungewöhnliches geistliches Konzert zu hören. Robert Crowe und Andreas Peh
In der Villa Stützel in Aalen war am Freitagabend ein ungewöhnliches geistliches Konzert zu hören. Robert Crowe und Andreas Pehl sangen über die Liebe in dunklen Zeiten. (Foto: Thomas Siedler)
Gerhard Krehlik

Zu einem gleich in mehrfacher Hinsicht ungewöhnlichen Konzert haben Sandra Röddiger und Ralf Kurek am Freitagabend in die Villa Stützel eingeladen. Auf dem Programm unter dem Motto „In lectulo per noctes“, auf Deutsch: „Des nachts auf meinem Lager…“ aus dem Hohen Lied des König Salomo standen eher selten zu hörende geistliche Werke aus dem 17. Jahrhundert.

Die Singstimmen in Alt – und Sopranlage sangen die beiden Countertenöre Andreas Pehl und Robert Crowe, der auch als künstlerischer Leiter des Kulturprogramms in der Villa Stützel fungiert. Begleitet wurden Pehl und Crowe vom Augsburger Ensemble „Dulcisonantes“ mit Markus Bartholome, Wolfgang Zahn, Angelika Radowitz und Michael Ebert an einer Truhenorgel.

Gespielt wurde auf Blockflöte und Dulzian in Tenor und Basslage. Der Dulzian ist aus dem klassischen Musikbetrieb heute längst verschwunden, beziehungsweise vom Fagott abgelöst. Er produziert jenen typischen, ein wenig schnarrenden „Mittelalterklang“, der eigentlich zur Renaissance gehört.

Hermann Ulrich, Professor an der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd, erläuterte die Intention des Programms. In den Liedtexten von Francesco Cavalli, der Ordensfrau Claudia Francesca Rusca, Alessandro Grandi, Heinrich Schütz und weiterer anonymer Komponisten geht es um die Liebe und deren zuweilen bittere Süße.

Die überwiegend lateinischen, aber auch englischen und deutschen Texte besingen dabei nicht nur um die Liebe zwischen den Menschen, sondern auch die Liebe zwischen Gott und den Menschen. Das ist umso erstaunlicher, da die meisten Texte in der dunkelsten und grausamsten Epoche des 17. Jahrhunderts, dem 30 jährigen Krieg, entstanden sind, so Ulrich.

Das Konzert wurde weitgehend von Robert Crowe, dem international renommierten und gerade in den USA mit dem „Noah – Greenberg – Award“ ausgezeichneten Counter Tenor geprägt. Er sang etwa in „A divine song on the passion of our Saviour“ aus einer anonymen Quelle mit eindrucksvoller, emotionaler Gestaltung. Klagend, verzweifelt, leidend, beschwörend und seufzend, interpretierte er die ganze Palette der Gefühle eines liebenden Menschen. Dabei forcierte er kraftvoll auch in hoher Lage und sang in markantem Kontrast dazu süß und lieblich in den zärtlichen Passagen. In den Duetten, wie etwa in „Veni in hortum meum“ von Claudia Rusca harmonierten Crowe und Pehl mit perfekter Intonation und homogener Agogik.

Als Zuhörer musste man sich natürlich einlassen auf diese ungewöhnliche Kombination von hohen Männerstimmen und der instrumentalen Begleitung mit einem Klang aus fernen, vergangenen Zeiten. In den Instrumentalwerken ohne Gesang, wie etwa „Alleluja, quando iam emersit“ aus der Feder des Venezianers Giovanni Gabrieli überzeugte das Ensemble Dulcisonantes durch technisch souveräne und sensibel untereinander abgestimmte Interpretationen.

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