Treffpunkt für Menschen aus der Ukraine

 Mittagessen, Treffen und Hilfe bei Anmeldung und Formalitäten: Im Bürgerspital war erstmals ein Montagstreff für Erwachsene und
Mittagessen, Treffen und Hilfe bei Anmeldung und Formalitäten: Im Bürgerspital war erstmals ein Montagstreff für Erwachsene und Kinder aus der Ukraine. (Foto: Markus Lehmann)
Freier Mitarbeiter

„Kinder sind Kinder. Sie wollen spielen.“ Katharina weiß, was sie sagt. Denn sie hat in der ukrainischen Stadt Dnipro einen Kindergarten und eine Grundschule geleitet. Dann kam der Krieg. Todesangst, Bombenangriffe, Verletzte, Tote, Häuserruinen. Gerade spielt die Erzieherin mit lachenden, hüpfenden und sich umarmenden Kindern im Obergeschoss des Bürgerspitals.

Unterstützt von einer Kollegin, die ebenfalls Erzieherin ist. Zum ersten Mal gab es dort einen Montagstreff für Erwachsene und Kinder aus der Ukraine. Gekommen waren fast 60, die alle privat in Aalen untergekommen sind.

Es geht um Begegnung, Austausch und Infos für die ersten Schritte in der Stadt, die auf unabsehbare Zeit zu ihrer neuen Heimat geworden ist. Einige der älteren Kinder sind schon im Unterricht in der Schillerschule, die kleinen malen oben Bilder. Mit Blumen und Sonne drauf.

Sie fragen nicht nach dem Krieg und nach dem, warum sie so etwas erlebt haben müssen, erzählt die 41-jährige Erzieherin. Sie fragen indirekt: „Wann sehen wir Großmutter wieder und scheint in unserer Stadt auch gerade die Sonne?“ Ansonsten machen sie gerade das, was Kinder am liebsten machen. „Kinder sind Kinder, sie wollen spielen.“

Ihre Mütter essen gerade unten zu Mittag, dann gibt es Kaffee und Kuchen. Rober Mikaelyan vom Amt für Soziales, Jugend und Familie der Stadt erklärt ihnen gerade, durch eine Dolmetscherin übersetzt, wie das nun mit der Anmeldung läuft, wo sie Hilfe bekommen können und dass sie nun zuerst einen „Aufenthaltstitel“ haben.

Der gilt vorerst für 90 Tage, dann kann man ihn verlängern lassen. Auch ein Antrag auf Arbeitserlaubnis kann gestellt werden. Mikaelyan nennt aber auch ein Problem: Für Kinderbetreuung gibt es an den Kitas lange Wartelisten. Bei Schulkindern sei der Unterricht an den Aalener Schulen eher unproblematisch.

Katharina, die Erzieherin, würde sofort in Aalen anfangen in ihrem gelernten Beruf, etwa an einer Kita. Genauso wie ihre Kollegin, die gelernte Sozialpädagogin. Das ist auch die Erfahrung von Bürgerspital-Leiterin Susanne Traub: „Die Menschen fragen, was sie anbieten können, wie sie sich einbringen können.“

Die Atmosphäre hier und unter den Menschen aus der Ukraine sei „unwahrscheinlich herzlich“. Dieser Montagstreff sei quasi „aus dem Boden gestampft worden“. Aber man habe improvisiert und das klappe ganz gut, trotz einiger Krankheitsausfälle bei den Mitarbeitern.

Bei dem Treff (vorerst jeden Montag von 12 bis 16 Uhr) gehe es darum, erst einmal anzukommen, „Boden unter den Füßen“ in einer fremden Stadt zu bekommen. Katharina ist überrascht und beeindruckt, wie sie und ihre Landsleute hier aufgenommen werden – „dafür sind wir sehr dankbar.“

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