Trauma-Ambulanz nimmt ihre Arbeit auf

Lesedauer: 5 Min

Erfreut zeigten sich (von links) Oberärztin Monika Enderle, Trauma-Ambulanz-Leiterin Dr. Katharina Hauger, Krankenhausdirektor
Erfreut zeigten sich (von links) Oberärztin Monika Enderle, Trauma-Ambulanz-Leiterin Dr. Katharina Hauger, Krankenhausdirektor (Foto: Kullmann)
Schwäbische Zeitung
Herbert Kullmann

Im Aalener Ostalb-Klinikum hat am Mittwoch die Trauma-Ambulanz offiziell ihre Arbeit aufgenommen. Angegliedert an die Klinik für Psychosomatik finden hier traumatisierte Opfer und Zeugen von Gewalt kompetente Hilfe. Deren Anzahl steigt stetig. Dr. Katharina Hauger, die neue Leiterin der Trauma-Ambulanz, spricht von Tausenden von Menschen, die alljährlich durch unterschiedlichste Ereignisse wie Bombenanschläge, Überfälle, Gewaltexzesse und anderen Verletzungen „von Menschenhand“ traumatisiert würden.

Der Ostalbkreis zeigt sich diesbezüglich keineswegs als Insel der Seligen. Doch auch nach der schlimmsten Katastrophe muss das Leben weitergehen, auch wenn Trauma-Geschädigte das Gefühl haben, die Zeit nach dem Schicksalsschlag stünde still. Sie weichen allen Erinnerungen aus, flüchten sich in Traumwelten, immer wieder von „einschießenden Bildern“ eingeholt. Gerüche, Geräusche, Reize - alles kann den Schrecken erneut wachrufen. Am Ende stehen unterschiedlichste körperliche oder psychische Erkrankungen.

Seit sich die Medizin intensiv mit Traumatisierung und Traumafolgestörungen beschäftigt, steht das Thema in einem differenzierten Fokus. Offenkundig wurde, dass Traumaopfer einem hohen Chronifizierungsrisiko ausgesetzt sind, ohne psychotherapeutische Begleitung bekommen sie ihr Leiden oftmals nicht mehr in den Griff. Um schwerwiegende Folgeschäden (Posttraumatische Belastungsstörungen) zu vermeiden, ist eine frühstmögliche psychotherapeutische Behandlung unumgänglich. Doch dazu fehlt es an qualifizierten Fachkräften.

Kooperation mit Ärzten

„Wir sind daher erfreut über die Entscheidung des Sozialministeriums, im Rahmen eines Modellprojektes am Ostalb-Klinikum eine 24-Stunden-Notfallsprechstunde für die Früh- und Erstversorgung von Gewaltopfern einzurichten, die schnelle ambulante und gegebenenfalls auch teilstationäre Hilfe leistet. So kann in enger Kooperation mit niedergelassenen Ärzten beziehungsweise Psychotherapeuten, regionalen Hilfseinrichtungen wie Beratungsstellen, Frauenhäusern und Opferschutzverbänden, aber auch mit öffentlichen Institutionen wie Polizei, Rettungsdienste und Feuerwehr sowie dem Versorgungsamt der Landkreisverwaltung, künftig eine qualifizierte Frühversorgung von Traumaopfern in Ost-Württemberg sichergestellt werden“, betonte Landrat Klaus Pavel in seiner Begrüßung.

Landesweit sind es lediglich sechs Einrichtungen, die für drei Jahre als Pilotprojekt dienen. Die Trauma-Ambulanz des Ostalbkreises wird den Schwerpunkt auf die Frage legen, wie im ländlichen Raum Patienten adäquat versorgt werden können. Landrat Pavel betrachtet die Angliederung der neuen Ambulanz an die Psychosomatik als ideale Lösung. Zustimmung kommt von Krankenhausdirektor Axel Janischowski, der die hohe Kompetenz der dort beschäftigten Ärzte und Pflegekräfte lobte und daran erinnerte, dass Chefarzt Dr. Askan Hendrischke bereits mehrmals in Folge als einer der besten Psychosomatiker in der Bundesrepublik ausgezeichnet wurde.

Dass so viel Lob gut tue, wollte Dr. Hendrischke nicht verhehlen. Auch nicht, dass er und sein Team die Idee einer Trauma-Ambulanz schon seit Jahren verfolge. Traumageschädigte bedürften unmittelbarer Hilfe, zugleich aber auch einer langfristig angelegten. „Mit der Aufnahme in das Pilotprojekt können wir uns nun auf den Weg machen.“ Bei der Eröffnungsveranstaltung schilderte die Chefärztin der Psychotherapeutischen Klinik des Evangelischen Krankenhauses Bielefeld Dr. Andrea Möllering ihre Erfahrungen beim Aufbau einer Trauma-Ambulanz, während Dr. Hauger und Oberärztin Monika Enderle die künftigen psychotherapeutischen Behandlungsmöglichkeiten am Ostalb-Klinikum erläuterten.

Die Trauma-Ambulanz am Ostalb-Klinikum ist erreichbar unter der Telefonnummer 07361-55-1801. Weitere Informationen unter www.traumaambulanz-aalen.de.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen