Trauer um Joachim Finsterle

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 Trauer um Joachim Finsterle. Allein 24 Jahre war er Amtsgerichtsdirektor in Neresheim.
Trauer um Joachim Finsterle. Allein 24 Jahre war er Amtsgerichtsdirektor in Neresheim. (Foto: Viktor Turad)
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Nicht einmal sechs Jahre im Ruhestand sind ihm vergönnt gewesen: Joachim Finsterle. 24 Jahre lang ist er Amtsgerichtsdirektor in Neresheim gewesen, davor war er elf Jahre lang Amtsrichter in Aalen. Er sei ein erfahrener und vielseitiger Richter gewesen und habe seinen Beruf mit großem Ernst und dem ihm eigenen unverwechselbaren Stil ausgeübt, bescheinigte ihm Landgerichtspräsident Friedrich Unkel beim Abschied im Dezember 2013 an Finsterles letzter Wirkungsstätte im Amtsgericht in Neresheim.

1948 in Ludwigsburg geboren trat Finsterle nach dem Referendariat in Stuttgart mit dem gerade erworbenen zweiten Staatsexamen 1975 in Ellwangen in den Justizdienst des Landes ein. Auf die Ostalb wollte er eigentlich gar nicht, hat er einmal schmunzelnd erzählt. Aber dann wurde sie ihm zur zweiten Heimat mit einem eigenen Häusle in Dewangen.

In Ellwangen war Finsterle ein Jahr als Staatsanwalt tätig, ehe er 1977 als Amtsrichter nach Aalen kam. Im Oktober 1978 wurde er zum Richter auf Lebenszeit ernannt. Als in Neresheim 1989 die Stelle des Amtsgerichtsdirektors neu zu besetzen war, bewarb er sich und ging beruflich für 24 Jahre aufs hintere Härtsfeld.

Ein „Allrounder“, der für sämtliche Taten zuständig war

Dort war der Verstorbene als „Allrounder“ für alles zuständig: Für Verkehrsunfälle ebenso wie für Mietstreitigkeiten oder Schlägereien. „Es war die ganze Bandbreite“, erinnerte er sich im Rückblick. Zum Einzugsbereich seines Amtsgerichts gehörten außer Neresheim, Bopfingen, Kirchheim am Ries und Riesbürg mit rund 28 000 Einwohnern. Im Schnitt einmal pro Woche saß Finsterle in Neresheim zu Gericht. „Gelegentlich war schon viel Menschenkenntnis und ein intensives Studium der Akten notwendig, um zu erkennen, ob mein Gegenüber gerade versucht, mir einen Bären aufzubinden“, berichtete er in einem Gespräch mit den „Aalener Nachrichten/Ipf- und Jagst-Zeitung“.

Dabei wollte er ursprünglich gar nicht Jurist werden. Für dieses Fach habe er sich nur entschieden, weil es etwas war, mit dem er sich nicht schon als Schüler habe herumschlagen müssen. Um als Richter tätig sein zu können, zog Finsterle bei seiner Verabschiedung Bilanz, brauche man eine besondere Neigung zu den Menschen. Amtsrichter sei er jedoch auch geworden, weil ihn die Unabhängigkeit dieses Berufes gereizt habe. „Meine kleinen Ganoven, meine Kollegen, Mitarbeiterinnen und viele andere werde ich vermissen, die Elektronik weniger“, verabschiedete er sich vor knapp sechs Jahren in den Ruhestand.

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