Tradition und Moderne finden in Aalen zusammen

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Neben Modern Dance präsentierten die Artisten des Chinesischen Nationalzirkus auch den traditionellen Tellertanz.
Neben Modern Dance präsentierten die Artisten des Chinesischen Nationalzirkus auch den traditionellen Tellertanz. (Foto: kul)
Herbert Kullmann

Ein unterhaltsamer Abend im Zelt mit Menschen, Tieren, Hektik, Spannung und Sensationen: So sieht häufig der klassische Zirkusbesuch aus. Ganz anders scheint es zunächst beim Auftritt des Chinesischen Nationalzirkus zu sein. Entgegen aller Erwartungen gastieren dessen Artisten nicht im großen Zirkuszelt, ihr Podium ist die Aalener Stadthalle.

Auch der Show-Auftakt zeigt sich unspektakulär: Die Akteure marschieren wie bei der New Yorker Steuben-Parade, bei der preußisches Militär die Fifth Avenue rockt, kreuz und quer über die Bühne. New York ist dann auch das Stichwort, denn die aus China stammenden Artisten präsentieren sich nicht nur althergebracht wie im Reich der Mitte gekleidet, sondern auch als New Yorker Polizisten und HipHopper.

Auf der Bühne kommen Tradition und Moderne zusammen, beachtlich erscheint als Kulisse im Hintergrund ein fiktives Chinatown. Kung Fu, chinesische Gesellschaft und Kultur – das Publikum erfährt von der Stimme aus dem Off davon, die rund 30 Akteure rücken zeitgleich alles anschaulich ins Scheinwerferlicht.

Chinesischer Nationalzirkus reagiert auf westliche Einflüsse

Das Programm: etwas humorige Clownerie zum Einstieg, danach heftig beklatschte Akrobatik, verbunden mit gewagter Jonglage und verblüffender Zauberkunst. Die Künstler schwingen sich am roten Band in schwindelerregende Höhen – immer gelenkig und geschmeidig – in jeder Situation zeigen sie ein außergewöhnliches Gefühl für Balance. Auf dünnen Stäbchen kreisen Teller, wie aus dem Nichts tauchen massenweise Spielkarten auf, meterhohe Stangen werden mühelos auf dem Kopf jongliert.

Nahezu unendlich erscheint der Nachschub an Attraktionen, wobei sich der zweistündige Spannungsbogen zwischen Chinesischem und Fremdem in überschaubaren Grenzen hält. Platz für Unerwartetes gibt es kaum, denn auch Chinatown ist längst kein abgeschottetes Refugium mehr, sondern ein Konglomerat aus unterschiedlichsten Kulturen. Doch der Chinesische Nationalzirkus zeigt erkennbar, wie behände sich sein ureigenstes Metier den veränderten Rahmenbedingungen beziehungsweise Publikumserwartungen stellt, wie traditionelle Akrobatik sich westlichen Einflüssen öffnet, damit Fernöstliches und Abendländisches, alte Kampfkunst und Modern Dance, der überlieferte Löwentanz und die auf Punk gestylte Artisten mühelos zusammenfinden.

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