Aalens Alt-OB Pfeifle äußert in offenem Brief tiefe Sorge um Limes-Thermen

 Bereits 2017 hatte der Aalener Gemeinderat im Rahmen der von ihm verabschiedeten Bäderkonzeption beschlossen, rund zehn Million
Bereits 2017 hatte der Aalener Gemeinderat im Rahmen der von ihm verabschiedeten Bäderkonzeption beschlossen, rund zehn Millionen Euro durch die Stadtwerke in die Ertüchtigung der Limes-Thermen investieren zu wollen. Geschehen ist das bis heute allerdings nicht. (Foto: Archiv: Thomas Siedler)
Redakteur Aalen

16 Jahre lang hat er sich an sein „Gelübde“ gehalten, sich nicht mehr zur aktuellen Kommunalpolitik zu äußern. Jetzt gibt Aalens Alt-Oberbürgermeister Ulrich Pfeifle, der im kommenden Oktober seinen 80. Geburtstag, zum ersten Mal diesen Vorsatz auf. Der Grund: Ihn treibt eine tiefe Sorge um die Zukunft der Limes-Thermen um.

Er äußert sie in einem offenen Brief, den er an den heutigen Oberbürgermeister Frederick Brütting, die Mitglieder des Aalener Gemeinderats und an die Stadtwerke richtet. Er hat ihn auch den „Aalener Nachrichten/Ipf- und Jagst-Zeitung“ zukommen lassen.

Keine Frage, die 1985 eröffneten, im römisch-antiken Stil erbauten Limes-Thermen droben am Heuchelbach, über der Stadt, sind eine der größten Errungenschaften aus der Amtszeit von Ulrich Pfeifle, der von 1976 bis 2005 Aalener OB war. Entstanden waren sie damals bei Baukosten von rund 28 Millionen D-Mark auch als eine Art Bürgerbad.

 Alt-OB Ulrich Pfeifle sorgt sich um die Zukunft der Limes-Thermen.
Alt-OB Ulrich Pfeifle sorgt sich um die Zukunft der Limes-Thermen. (Foto: Archiv: Thomas Siedler)

Denn die Aalener konnten sich mit Anteilen als Kommanditisten an den Limes-Thermen beteiligen. Auf diese Weise kamen von über 1500 Bürgerinnen und Bürgern insgesamt rund sieben Millionen Mark zusammen. Es ist also kein Wunder, dass sich Pfeifle dem Aalener Thermalbad bis heute eng verbunden fühlt und er jetzt seine Sorgen äußert, die ihn dazu umtreiben.

Sein offener Brief hat folgenden Wortlaut

„Lieber Oberbürgermeister Brütting, liebe Gemeinderätinnen und Gemeinderäte, liebe Stadtwerke,

jetzt bin ich seit 16 Jahren im Ruhestand und habe mich seitdem immer an meinen Vorsatz gehalten, mich aus der aktuellen Kommunalpolitik herauszuhalten. Wenn ich mich jetzt zum ersten Mal doch zu einem in der Bevölkerung viel diskutierten Thema zu Wort melde, dann tue ich dies aus tiefer Sorge um die Zukunft der Limes-Thermen.

Viele erinnern sich bis heute an das Thermalbadfieber, das nach der erfolgreichen Thermalbohrung im März 1980 in Aalen und um Aalen herum entstanden ist. Und sie erinnern sich an die großartige Bürgerbewegung, bei der über 1500 Bürgerinnen und Bürger bereit waren, über einen KG-Anteil die Finanzierung des Bades erst zu ermöglichen.

Sie brachten die damals stolze Summe von rund sieben Millionen DM auf. Dadurch konnte ein tolles Bad entstehen, das bis heute die mit Abstand am besten besuchte touristische Einrichtung in der Region ist. Und bis heute sind über 1000 Kommanditisten bei der Stange geblieben, die die angekündigten Anfangsverluste klaglos mitgetragen haben.

Viele besorgte Badegäste und auch Kommanditisten sind nun in Sorge um unser Bürgerbad aus folgenden Gründen:

1. der absurde Versuch der Stadtwerke, in einer Hauruckaktion das Außenbecken zu schließen. Gott sei Dank hat OB Brütting das zunächst verhindert.

2. der Umstand, dass der Aalener Gemeinderat am 14. Dezember 2017!!! beschlossen hat, durch die Stadtwerke zehn Millionen Euro in die Erneuerung zu investieren. Bis heute ist jedoch nichts geschehen.

3. Das Bad blieb viel länger als andere Thermalbäder wegen Corona geschlossen

4. In der Presse wird angekündigt, dass sich der Gemeinderat demnächst mit den Thermen befasse. Mit welchem Ziel?

Viele Leute haben, so wie ich auch, den dringenden Verdacht, dass die Limes-Thermen systematisch ausgehungert werden sollen, da die Stadtwerke mit der Finanzierung des sicherlich wünschenswerten neuen Freizeitbades im Hirschbach an ihre absolute Leistungsgrenze gelangen und so nach Einsparungsmöglichkeiten an anderer Stelle suchen müssen. Hier müssen Stadt und Stadtwerke gemeinsame Lösungen finden. Aber das geht auf keinen Fall zu Lasten der Therme.

An dieser Stelle sei zitiert aus dem letzten Geschäftsbericht der Mineralbad GmbH und Co. KG, verfasst in Verantwortung der Stadtwerke: ,Die Limes-Thermen Aalen haben in der Region (Umkreis ca. 50 km) keine relevante Konkurrenz. Die nächsten Thermalbäder am westlichen Hang der Schwäbischen Alb (Bad Dietzenbach, Bad Boll) sind aufgrund der Größe und Gestaltung nicht vergleichbar. Erst die Thermalbäder in Bad Canstatt (ca. 80 km) stellen eine echte Konkurrenz dar.’

Und weiter unten heißt es: ,Der Standort, die Lage über der Stadt und die hervorragende Architektur können fast schon als Alleinstellungsmerkmale bezeichnet werden. Für die Stadt Aalen stellen die Limes-Thermen neben Tiefer Stollen und Museen ein touristisches Aushängesschild dar’

Liebe Stadtwerke, besser hätte ich’s auch nicht sagen können! Nur muss man auch danach handeln.

Nicht Abbau von Leistungen, sondern Erhalt, Aufbau und Ausbau bringen den Limes-Thermen die für die ganze Region so wichtige Zukunft.

Sehr geehrte Rätinnen und Räte, verzeihen Sie meine Einmischung, aber ich konnte einfach nicht anders.

Ich wünsche Ihnen gute Beratungen

Ihr Alt-OB U. Pfeifle“

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