Thum: „Ich habe überhaupt keine Pantoffeln“

Noch nicht am Limit: Steffen Thum.
Noch nicht am Limit: Steffen Thum. (Foto: Constantin Zinn)
Aalener Nachrichten

Eine Strategie, Selbstvertrauen und Rückenwind treiben den Aalener Mountainbiker Steffen Thum voran. Etappensiege bei der Königsetappe im Hochgebirge und der Schlussetappe in Riva del Garda sind der verdiente Lohn. Das Projekt Bike TransAlp scheint gelungen für das Mountainbike Racingteam. Im Interview spricht Thum über das Erlebte und erklärt, warum es noch nicht in den Urlaub geht.

Herr Thum, dreimal auf dem Podest, die beiden wichtigsten Etappen gewonnen, das lief wohl ganz nach Ihren Vorstellungen. Sah so der TransAlp Plan mit Teamkollege Rob vanden Haesevelde aus?

Die TranAlp lief wirklich perfekt für uns. Wir hatten sicherlich einen Plan im Frühjahr, da stand auch dick und fett drauf, dass Rob und ich einen Etappensieg wollen, aber im Januar kann man das noch nicht so explizit und genau planen, wie es nun lief. Ich bin Teamkapitän und für mich zählt die Richtung in welche wir segeln.

Sie haben also erst am Tag selbst entschieden, wie der Wind steht und welche Etappen auf Sieg gefahren werden?

Wir wussten schon welche Etappen uns entgegen kommen und zudem welche vom Prestige und der medialen Wertigkeit betrachtet wichtig sind. Letztendlich muss man jedoch auch auf seinen Körper hören, wir sind keine Maschinen, und der Körper sendet die endgültigen Signale erst während einer Etappe aus. Wir kommunizieren dann und entscheiden normalerweise binnen der ersten Rennstunde, wie wir uns selbst und auch die Konkurrenz an diesem Tag einschätzen. Dazu kam speziell bei der TransAlp noch dazu, dass wir einige Straßenprofis mit im Feld hatten. Mit einem Niki Terpstra als Sieger von Klassikern wie Paris-Roubaix und der Flandernrundfahrt müssen 60kg Leichtgewichte wie Rob und ich sich nicht im Flachen anlegen. Aber wenn wir in Livigno auf 2700 Meter agieren, dann ist das unsere Spielwiese.

Und nun, hart gekämpft, Saisonziel erreicht, heißt es jetzt ab auf die Coach und rein in die Pantoffeln für Steffen Thum?

Um ehrlich zu sein, ich habe überhaupt keine Pantoffeln. Entspannen und Krafttanken muss für mich nicht unbedingt auf dem Sofa stattfinden. Ich habe noch einige Dinge vor in 2021 und auch Projekte 2022 müssen vernetzt werden. Wir sind ein Team, ich bin sehr froh, dass ich mit den Siegen auf der Langstrecke meinen Anteil zum Gesamterfolg beitragen konnte. Aber der wichtige Teil der Saison hat mit der TransAlp erst begonnen. Im August und September stehen die Sprintweltcups auf dem Plan, die Weltmeisterschaften und im Anschluss folgt das Kapitel Middle East.

Wie tankt Steffen Thum dann neue Energie für all diese Projekte und Aufgaben?

Wie gesagt, ich bin nicht der Typ, welcher das ganze Jahr hinweg auf seine Woche Urlaub auf Mallorca wartet. Erfolg motiviert mich. Für mich ist es auch Motivation Dinge zu machen und in Realität umzusetzen und nicht nur groß zu denken. Gute Ideen und Pläne haben viele, das Machen bringt der Unterschied. Zudem kann ich große Energie aus kleinen Dingen schöpfen: Wenn ich auf ein Eis mit meiner Familie und meiner Tochter, ohne Handy, auf dem Skateboard rüber ins Stadthöfle fahr. Aus solchen Nachmittagen schöpfe ich große Kraft.

Und diese neuen Erfolge der Zukunft wären welche Siege?

Das sind nicht nur sportliche Erfolge. Steffen Thum ist Mountainbikeprofi und wir haben sicherlich noch den einen oder anderen Weltcup auf der Liste, welchen wir mit dem Mountainbike Racingteam gewinnen wollen. Aber es geht nicht nur um Siege auf der Ziellinie und Rennstrecke. Ich bin als Berater für Dubai Tourismus und die UCI für den gesamten Raum Middle East tätig, hier wollen wir Radsport als Massensport positionieren und die Profis mit den Amateuren und auch Einsteigern verknüpfen. Zudem liegt unser Fokus ja nicht nur in der Wüste von Dubai. Wir begleiten mit der Alpen Bike Academy Kidscamps im Allgäu, machen Firmen Incentives in Kitzbühel.

Und demnächst dann auch den Deutschland-Weltcup in Berlin City powered by Mountainbike Racingteam?

Warum nicht? Und warum muss es überhaupt unsere Hauptstadt sein und nicht Ulm oder Aalen? Wir sollten uns verabschieden von der Denkweise: Das schaffen wir nicht, wir sind nicht gut oder groß genug. Manchmal muss man einfach an sich und seine Stärken glauben. Trust yourself sollte ich eigentlich groß auf unsere Teamfahrzeuge schreiben, geile Idee.

Wir werden also noch Einiges sehen rund um das Mountainbike Racingteam und müssen dazu nicht unbedingt weit in die Ferne fliegen?

Nicht unbedingt aber liebend gerne. Im Oktober beginnt zum Beispiel die Weltausstellung, Expo Dubai. Wir werden dort mit unseren Events und dem Racingteam als Bindeglied zwischen den arabischen Tourismus-, beziehungsweise Sports Councils und den Länderpavillions aus Frankreich, Belgien und auch Baden-Württemberg fungieren. Vorwärts ist die richtige Richtung, denn vorwärts ist die einzige Richtung in die der Rückenwind einen bläst.

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