Theater: Nur ein bisschen neurotisch

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 Comic-Gang mit ganz persönlichen Eigenarten: Das Naturtheater Heidenheim spielte im Wi.Z „Du ist in Ordnung, Charlie Brown“.
Comic-Gang mit ganz persönlichen Eigenarten: Das Naturtheater Heidenheim spielte im Wi.Z „Du ist in Ordnung, Charlie Brown“. (Foto: Markus Lehmann)
Freier Mitarbeiter

Einen Tag im Leben der kultigen „Peanuts“ von Charles M. Schulz hat das das Naturtheater Heidenheim als eine szenisches Art-Comic-Musical „Du bist in Ordnung, Charlie Brown“ in den Räumen des Theaters der Stadt Aalen im Wi.Z erzählt.

Klar dreht sich dabei alles um diesen ewigen Looser, der ein netter Kerl, ein bisschen ein tragischer Außenseiter und unsterblich in das kleine rothaarige Mädchen verliebt ist. In dem Stück von Clark Gesner („You’re a good man, Charlie Brown“) geht es um Glück, Freundschaft, Erwachsenwerden und Kind sein.

Charlie Brown hat’s nicht leicht

Er hat’s nicht leicht, dieser Charlie Brown. Niemals wird sein Drachen hochsteigen. Und einen Baseball wird er auch nicht treffen. Schon gleich am Anfang wird er charakterisiert. Er ist halt dieser ständige Verlierer, bei dem permanent Murphys Gesetz zur Anwendung kommt. Und er ist ein echter Träumer. Deshalb darf er auch regelmäßig zu seiner persönlichen Psycho-Analytikerin, zur altklugen Lucy. Die ist aber unter ihrer Oberfläche – Typus Erfolgsmädchen – noch viel neurotischer wie ihr „Patient“.

Auch die anderen der Comic-Gang haben so ihre Eigenarten. Schröder, in den Lucy heftig verliebt ist, liebt nur sein kleines Klavier mit aufgemalten Tasten. Lucys kleiner Bruder Linus leckt gerne an seinem Daumen, seine Kuscheldecke geht ihm über alles. Und so geht’s weiter. Snoopy, der berühmteste Comic-Beagle, sonnt sich gerne auf seiner Hundehütte.

Dreimal Spaghetti in der Woche

Wenn nicht gerade sein Kumpel Woodstock, dieser kleine gelbe Vogel (im Theaterstück an einer Angel) vorbeifliegt oder er nicht gerade als Fliegerass gegen den schrecklichen Roten Baron kämpft.

Glück sind für die zweibeinigen juvenilen kleinen Helden dreimal Spaghetti in der Woche und zwei Eissorten zur Auswahl. Für Charlie Brown wäre es die Gegenliebe dieses kleinen roten Mädchens. Aber das scheint für ihn unerreichbar.

Das Ensemble nimmt sich dieser Comicrevue mit viel Elan, Spielwitz und, wo es passt, mit dem notwendigen Ernst an. Theaterspiel vermischt sich mit Comic, es gibt Wortwitz, Tempo und manche Stille.

Und diese Szenen sind manchmal gefühlt etwas langatmig. Was aber nicht an den Schauspielern liegt. Eine der stilleren, sehr gelungenen Szenen ist die, in der Charlie Brown versucht, auf dem Pausenhof das kleine rothaarige Mädchen kennenzulernen mit einer Papiertüte über dem Kopf.

Dabei wirkt er in etwa so wie Forrest Gump. Dessen Mutter erzählte ihm immer, das Leben sei wie eine Schachtel Pralinen. Immerhin. Die Mutter von Charlie dagegen hat ihrem naiven Außenseiter einen labbrigen Toast mit Erdnussbutter drauf als Schulbrot mitgegeben.

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