Studenten wehren sich gegen Parkgebühren

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Aalener Studenten demonstrieren gegen Parkgebühren
Seit diesem Semester müssen die Aalener Studenten 150 Euro pro Semester für das Parkhaus am Burren bezahlen. Jetzt sind sie dagegen auf die Barrikaden gegangen.
Redakteurin/DigitAalen

150 Euro müssen Aalener Studierende, die im Parkhaus am Burren parken wollen, seit dem 1. September pro Semester zahlen. Dagegen haben die Studenten am Mittwoch demonstriert.

Der Hochschule sei es immer ein Anliegen gewesen, dass das Parken rund um die Hochschule gebührenfrei ist, erklärte der Rektor der Hochschule, Gerhard Schneider, im Oktober im Gespräch mit den „Aalener Nachrichten“. Aber damit ist jetzt Schluss. Die Parkraumgesellschaft Baden-Württemberg (PBW) hat wegen der gestiegenen Bewirtschaftungskosten die bisherige Nutzungsvereinbarung für das Parkhaus am Burren gekündigt, weil das Studierendenwerk in Ulm nicht mehr bereit gewesen sei, die gestiegenen Gebühren zu stemmen. Somit müssen jetzt die Studenten die Gebühren tragen.

 Vom Parkhaus Burren sind die Studenten in Richtung Rathaus gezogen.
Vom Parkhaus Burren sind die Studenten in Richtung Rathaus gezogen. (Foto: Thomas Siedler)

Und dagegen haben sie am Mittwoch lautstark protestiert. Zunächst am Parkhaus der Hochschule. Im Anschluss daran sind die etwa 100 Studenten in Richtung Rathaus gezogen, wo eine Kundgebung stattgefunden hat. Immer dabei: die Unterschriftenlisten ihrer Petition. Vor eineinhalb Wochen habe man die Petition gestartet, sagt Hannah Schieber von der Fachschaftsinitiative. Ziel seien 1000 Unterschriften, davon habe man 45 Prozent erreicht. Am Mittwoch seien noch zahlreiche Unterstützer, online und auf Papier, dazugekommen.

OB hätte sich frühere Kommunikation gewünscht

Oberbürgermeister Thilo Rentschler hätte sich gewünscht, dass die Stadt früher über die Gebühren informiert worden wäre. So hätte man vermeiden könne, dass der Konflikt hochkoche. In einem Brief an die PBW bittet er darum, die Gebühren „im Interesse des attraktiven Hochschulstandortes Aalen“ noch einmal zu überdenken. Die Höhe der Parkgebühren von 150 Euro erschienen ihm unverhältnismäßig hoch, so Rentschler. Im Antwortbrief an den Oberbürgermeister schreibt die PBW, mit 150 Euro pro Semester, also 25 Euro pro Monat, bewege man sich im Rahmen. Der Regeltarif für überdachte Parkplätze liege bei 39 Euro.

Auch aus dem Landtag bekommen die Studenten Unterstützung. So hat sich der Abgeordnete Winfried Mack an die zuständige Finanzministerin Editz Sitzmann (Grüne) gewandt. „Nicht nur im Vergleich mit Parkgebühren in anderen Hochschulstädten ist dieser Betrag maßlos“, zeigt sich Mack verärgert. Gerade im ländlichen Raum seien viele Studentinnen und Studenten, um überhaupt zur Hochschule zu kommen, auf das Auto angewiesen. Die Konsequenz daraus werde sein, dass der Großteil der Studenten künftig zum Parken auf die umliegenden Gebiete ausweichen müsste und dies zu einer großen Belastung der dadurch beeinträchtigten Anwohner führen werde. Weiterhin drängt Mack darauf, dass schnellstmöglich eine andere Lösung für die Aalener Studierenden herbeigeführt wird.

 Vom Parkhaus Burren sind die Studenten mit Plakaten und Transparenten in Richtung Innenstadt gezogen.
Vom Parkhaus Burren sind die Studenten mit Plakaten und Transparenten in Richtung Innenstadt gezogen. (Foto: Thomas Siedler)

Auch Antwortbrief aus dem Finanzministerium heißt es, das Semesterparkentgelt bewege sich im üblichen Rahmen. Zwar sei das Entgelt für eine Semesterparkberechtigung an anderen Hochschulen wie Ulm und Konstanz geringer. Dies sei jedoch durch „örtliche Begebenheiten begründet“. Beispielsweise beteilige sich die Universität Konstanz an den Bewirtschaftungskosten des Parkhauses. Weiterhin gebe es Hochschulstandorte wie Mannheim oder Heidelberg, wo die Studenten mit bis zu 190 Euro pro Semester zur Kasse gebeten würden. Das Finanzministerium gehe deshalb davon aus, dass die Bewirtschaftung durch die PBW zum Tarif von 150 Euro pro Semester angemessen sei.

Das sei mit Aalen aber keinesfalls vergleichbar, sagt Michael Straßer, Vorsitzender der Verfassten Studierendenschaft. „Aalen ist keine Metropole mit 200 000 Einwohnern. Zudem liegt das Parkhaus nicht einmal ansatzweise in der Innenstadt, was so hohe Gebühren entschuldigen würde“, so Straßer.

Viele Studenten sind aufs Auto und einen Parkplatz angewiesen

Als Argument für die Akzeptanz nennt das Finanzministerium, dass die Studenten der Hochschule Aalen ja seit Semesterbeginn bereits über 100 Dauerparkberechtigungen abgeschlossen hätten. Doch viele Studenten seien dringend auf den Parkplatz angewiesen und müssten deshalb in diesen sauren Apfel beißen, sagt Michael Straßer. Marco Santin beispielsweise. Er studiert Maschinenbau, Wirtschaft und Management und wohnt in Gerstetten. „Wenn ich den ÖPNV nutzen würde, müsste ich erstmal nach Heidenheim kommen. Dann erst ginge es mit Bus oder Zug weiter. Das ist umständlich, von den Zeiten her ungünstig und zudem sehr teuer“, sagt Santin. Sein Komilitone Alper Duran wohnt zwar direkt in Heidenheim, fährt aber aus Kostengründen ebenfalls mit dem Auto. Denn das Semesterticket gelte nur bis Oberkochen. Die restliche Strecke würde zusätzlich kosten.

 In anderen Hochschulstädten sind die Parkgebühren geringer, sagen die Studenten.
In anderen Hochschulstädten sind die Parkgebühren geringer, sagen die Studenten. (Foto: Thomas Siedler)

Eine weitere Studentin, die auf einem Aussiedlerhof wohnt, muss zunächst zwanzig Minuten zur nächsten Bushaltestelle laufen. „Von dort aus fährt dann zweimal am Tag der Bus“, erklärt sie. Mehmet Üzer wohnt in Wasseralfingen, ist aber ebenfalls mit dem Auto schneller. „Mit dem Bus wäre ich über eine halbe Stunde unterwegs, mit dem Auto bin ich in fünf Minuten an der Hochschule“, sagt der Student.

„Aalen ist eine Pendler-Hochschule“, erklärt Straßer. Parkgebühren zu verlangen sei grundsätzlich legitim und aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten auch nötig. „Aber uns ist es wichtig, dass das Verhältnis angemessen ist“, sagt Straßer. Er freut sich, dass die Hochschule hinter den Studenten steht. Zudem unterstützten auch zahlreiche Anwohner die Petition. Denn viele Studenten parken als Ausweichmöglichkeit in den Wohngebieten. Auch Winfried Mack teilt mit: „Ich werde weiter dran bleiben“.

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