Streit um künftiges Bauland

Lesedauer: 5 Min
 Wo soll sich Aalen baulich weiterentwickeln können? Antworten darauf soll der neuen Flächennutzungsplan liefern.
Wo soll sich Aalen baulich weiterentwickeln können? Antworten darauf soll der neuen Flächennutzungsplan liefern. (Foto: Archiv)

Der Ausschuss für Umwelt und Stadtentwicklung des Gemeinderats hat am Dienstag über die potenziellen Bauflächen für Wohnen und Gewerbe im künftigen Aalener Flächennutzungsplan beraten. Die Debatte ist dabei erwartungsgemäß kontrovers zwischen den Grünen und dem großen Rest der Mitglieder verlaufen. Einen Antrag der Grünen, das ganze Thema mit einer Sondersitzung im Herbst dem neuen Gemeinderat zu übertragen, lehnte die große Mehrheit geschlossen ab.

Bauflächenkulisse nennt der Fachjargon jene Flächen, die im künftigen Aalener Flächennutzungsplan (FNP) 2030 als potenzielle Flächen für Wohnbebauung und Gewerbeansiedlung ausgewiesen sein sollen. Gegenüber dem allerersten Entwurf, so machte Bau- und Erster Bürgermeister Wolfgang Steidle deutlich, seien inzwischen sensible und sehr umstrittene Flächen ganz herausgenommen worden, etwa am Heuchelbach und an der Osterbucher Steige.

Andere seien reduziert worden wie die Maiäcker nordöstlich des Pelzwasens. Jetzt stehen noch knapp 100 Hektar an Wohnbauflächenpotenzial und 62 Hektar an möglichen Gewerbeflächen im FNP-Entwurf, insgesamt rund 30 Prozent weniger als beim allerersten Aufschlag. Damit, so Steidle, könne die Stadt ihre Aufgabe erfüllen, auch für künftige Generationen Flächenpotenziale zur Weiterentwicklung der Stadt zu definieren.

Siedlungsraum wurde exportiert, Verkehr importiert

Thomas Wagenblast (CDU) zeigte sich mit all dem einverstanden, kündigte aber Anträge im Detail seiner Fraktion bis zur Beschlussfassung an. Die Mischung aus Innenentwicklung und Außenentwicklung sei der richtige Ansatz. Täglich 3000 Einpendler aus Essingen und Hüttlingen nach Aalen zeigten, dass man in der Vergangenheit Siedlungsraum exportiert und dafür Verkehr importiert habe.

Das müsse sich wieder ändern. Dabei werde die CDU niemandem vorschreiben, wie und in welcher Immobilie er zu leben habe. Aalen, so stellte Senta D’Onofrio (SPD) fest, platze aus allen Nähten. Mit dem FNP stelle man einen neuen, großen Rahmen auf, was aber nicht bedeute, „dass morgen alles zugepflastert wird“. Für Jürgen Opferkuch (Freie Wähler) ist die Bauflächenkulisse wie die Kulisse eines Theaters, nämlich der strategische Hintergrund, vor dem sich künftige Entwicklungen abspielen können.

Damit betreibe Aalen Vorsorge. Ilse Schmelzle (FDI) erinnerte an die hohe Zahl neuer, in Oberkochen zu erwartender Arbeitsplätze und dort fehlender Bauflächen. Sie mahnte aber auch, bei neuen Flächen rechtzeitig an die verkehrliche Situation zu denken.

Für die Grünen sagte Michael Fleischer hingegen, das Maß an Außenentwicklung sei im FNP-Entwurf weit überzogen. Das zugrunde gelegte, prognostizierte Wachstum Aalens entbehre zudem jeder statistischen Realität. Er forderte, realistische Zahlen auf den Tisch zu legen und daraus die benötigten Flächen abzuleiten.

Die Bauflächenkulisse als Herzstück des FNP dürfe man auch nicht im Hauruckverfahren durchziehen. Weshalb er beantragte, im Herbst mit dem dann neuen Gemeinderat und den neuen Ortschaftsräten in einer großen Sondersitzung jede einzelne der Potenzialflächen ausführlich auszudiskutieren.

„Wir wollen uns nichts vorwerfen lassen“, sagte OB Thilo Rentschler und schlug vor, am 9. Mai in einer langen Sitzung dieses Ausschusses „Stück für Stück“ um die Flächen zu ringen. Uschi Barth (CDU) warnte davor, den ganzen FNP weiter zu zerreden. „Irgendwann gibt es eine Mehrheitsentscheidung – und dann ist es so!“, lautete ihr Credo. Rentschlers Vorschlag lehnten die Grünen ab. Bei der Abstimmung über ihren Herbst-Antrag unterlagen sie dann der geschlossenen Front der anderen Fraktionen

Mehr zum Thema
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen