Stars und Steine: Rathaus wird zum Rockhaus

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Freier Mitarbeiter

Punk’s not dead. Die Dreilappen-Krebse schon. Bis vor etwa 250 Millionen tourten sie durch alle Teile der Ur-Meere. Ein offenbar punk-affiner Wissenschaftler gab einer Gattung dieser „Triboliten“ die Namen der „Sex Pistols“-Mitglieder um Johnny Rotten, Sid Vicious und Co. Bei der Ausstellung „Rock Fossils“ geht es genau darum: Wissenschaft trifft Rock. Also den musikalischen und den der felsigen Art. Diese eindrucksvolle „Rock-Show“ ist nun in der Aalener Rathaus-Galerie angekommen.

Wer sich auch nur ein bisschen für Fossilien interessiert und dem Rock und Pop nicht abgeneigt ist, sollte sie sehen. Um auf bizarre Gestalten zu treffen – die einen versteinert, die anderen im Rock’n-Roll-Olymp oder noch quicklebendig auf der Bühne.

Man muss kein toter Star sein, um zur unsterblichen Legende zu werden. Denn etwa Lady Gaga und Madonna leben ja noch. Das Ganze geht so: Ein Wissenschaftler, meist ein Paläontologe, entdeckt eine bislang unbekannte Fossilienart, beziehungsweise eine Gattung. Die kann er nach seiner Frau, dem Hund, seinem Wohnort oder nach sonst was nennen. Nach einer längeren Prüfung bekommt das Fossil dann weltweit diesen Namen. Ist der Wissenschaftler ein Musikfan, kann er es also nach einem Album von Pink Floyd, nach einem Heavy-Metal-Hero oder nach dem King of Pop nennen.

Wissenschaftlicher sind auch nur Menschen

Wissenschaftler, die in oft staubtrockener Materie längst ausgestorbenen Lebewesen nachjagen, sind eben auch nur Menschen. Das sagt Achim Reisdorf bei der Einführung. Er selber ist Forscher, Musikproduzent, überzeugter Metal-Fan und der wissenschaftliche Leiter dieser hochprofessionellen und mit der Aura einer Tournee beziehungsweise eines Tonstudios aufgemachten Ausstellung. Denn „es menschelt“ auch unter den Wissenschaftlern, weiß Reisdorf. Auch die gehen auf Konzerte, haben ihre Lieblingsalben im Schrank und haben bei einer Entdeckung auch Mal den verstorbenen „Lemmy“ Kilmister von „Motörhead“ im Ohr. Oder „leisere Fossilien“ wie Miles Davis, David Bowie oder die Beatles.

Jedenfalls – durch die Namensgebung, die dann international als wissenschaftlicher Name gilt, werden die Rock- und Popstars tatsächlich unsterblich, sind quasi für die Ewigkeit in Stein gebannt. Diese Rock-Familie wird übrigens immer größer. Reisdorf erzählt, dass ein Kollege aus Stuttgart jüngst sieben weitere Fossilien nach den Rolling Stones benannt hat. Damit sind jetzt 74 Musiker, Bands und Alben als Fossilien verewigt.

Zu sehen sind in der Rathaus-Galerie völlig identische Kopien der Fossilien, die einen Musikernamen tragen. Sie sind nur deutlich größer abgebildet, um die Details zu erkennen und mit drei Metern und länger fast schon raumgreifend. Und auch die Region als regelrechtes Eldorado für Geologen mit ihren vielen urzeitlichen Funden ist vertreten mit versteinerten Kopffüßlern, Ammoniten und Belemniten, die man mit etwas Glück quasi vor der Haustüre finden kann.

Die Ausstellungseröffnung war ganz im Zeichen des Rocks und des Fossils. Die „Big Blue Banana Band“ spielte „TNT“ von AC/DC, gereicht wurde Bier aus Untergröningen mit dem knöchernen Kocherreiter auf dem Etikett und Natascha Euteneier merkte an, dass für die Dauer der Ausstellung das Rathaus nun eigentlich ein „Rockhaus“ sei.

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