Social-Media-Hilferuf: Kirchengemeinde kämpft mit #Hansmussbleiben um Pastoralassistenten

Mit der Kampagne #Hansmussbleiben möchte man Hans-Christian Richter in Aalen halten.
Mit der Kampagne #Hansmussbleiben möchte man Hans-Christian Richter in Aalen halten. (Foto: Heike Brucker)
Leiter der Redaktionen Aalen und Ellwangen

In der heutigen Zeit ist es häufig so, dass sich (vor allem) die Jüngeren über ihre Social-Media-Kontakte definieren oder manchmal nur glücklich sind, wenn sie genügend Likes unter einem bestimmten Bild generiert haben.

Social Media kann aber auch ganz anders eingesetzt werden. Und dass sich Social Media und Kirche nicht ausschließen oder gar beißen, das beweist nun die Katholische Kirchengemeinde Aalen mit einer ganz besonderen Aktion.

#Hansmussbleiben lautet ein aktueller Hilferuf der Seelsorgeeinheit, zu der die Gemeinden St. Maria, Salvator, St. Bonifatius sowie die italienische und kroatische Gemeinde zählen. Mit diesem möchte man mit aller Macht versuchen, den Pastoralreferenten Hans-Christian Richter auch nach seiner Ausbildung in diesem Sommer in Aalen zu behalten.







„Er ist mehr als ein Pastoralassistent, er ist ein fester Bestandteil der Gemeinde. Vieles würden wir ohne ihn und seine Ideen in Zukunft einfach nicht mehr machen können“, sagt Heike Brucker, ehrenamtliches Mitglied der Gemeinde.

Richter muss also bleiben, so die einhellige Meinung. Ihm ist es unter anderem zu verdanken, dass speziell während der Corona-Pandemie den Gemeindemitgliedern dennoch immer etwas geboten wurde und wird. Dabei hat er gezeigt, dass die katholische Kirche auch anders kann und gar nicht so verstaubt daherkommt, wie es häufig kommuniziert wird.

Mit #Song4U beispielsweise hat er Gottesdienste ins Leben gerufen, die sich entlang eines aktuellen Charthits hangeln, diesen in Verbindung mit dem Evangelium zum Thema machen. Da kann es dann auch schon einmal vorkommen, dass Jugendliche vor dem Altar eingeübte Choreografien zu Songs von Mark Forster präsentieren, während Richter das Ganze filmt.

Der hauseigene Youtube-Channel hat über 350 Abonnenten, auf Facebook und Instagram ist die Seelsorgeeinheit ebenfalls sehr aktiv. Hier hat er unter anderem Serienformate installiert, einen zusätzlichen Instagram-Kanal für #Song4U aufgebaut, den die jugendlichen Gemeindemitglieder mittlerweile selbst verwalten.

Dass es sich bei #Hansmussbleiben überwiegend um einen Online-Hilferuf handelt, liegt somit fast schon auf der Hand. „Wir haben ihn natürlich im Vorfeld darüber informiert, was wir vorhaben. Uns war es wichtig, dass es eine Aktion wird, die aus der Gemeinde kommt“, erklärt Brucker.

+++Hier geht's zu Instagram: #Hansmussbleiben+++

Der gebürtige Hamburger Richter ist mit seiner Frau in der Weststadt heimisch geworden, möchte in Aalen bleiben, um dann als Pastoralreferent weiterarbeiten zu können. Von der Aktion zeigte sich Richter gerührt, verrät Brucker, wenngleich sie derzeit davon ausgehen, dass die Chance „gleich Null“ sei, Richter in Aalen halten zu können. Anfang Juli schließt Richter die Ausbildung nach zweieinhalb Jahren ab – und soll dann zur nächsten Station aufbrechen. So sieht es die Kirche vor, man solle einige Stationen durchlaufen, viel Erfahrung sammeln.

Im Namen der Gemeinde möchte Brucker diesen Grund aber nicht gelten lassen, schließlich habe Richter doch schon unzählige Arbeiten an unterschiedlichen Orten verrichtet, hat in Frankfurt und Tübingen studiert oder bei „kreuz & quer“, einem Verkündigungsformat des SWR, mitgewirkt. „Er braucht keine zusätzliche Erfahrung mehr“, so Brucker. Briefe an Bischof Dr. Gebhard Fürst seitens des Pastoralamtsteams sowie der Kirchengemeinderäte sind längst versandt worden – diese Social-Media-Kampagne ist nun vielleicht schon der letzte Versuch, den vorhergesehenen Weg doch noch abzuändern.

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Stand jetzt ist Richter also ab dem Sommer nicht mehr in Aalen – und er würde ein tiefes Loch reißen, da sind sich die Seelsorgeeinheit Aalen, das Pastoralteam, die Kirchengemeinderäte sowie Gemeindemitglieder einig. Bis in die Nacht schneidet Richter häufig selbst an den Videos, wie Brucker verrät, „damit die Mitglieder dann ihren Gottesdienst oder die vielen Impulse am nächsten Tag auch zur gewohnten Zeit anschauen können. Es ist einfach unglaublich, was er bei uns für uns leistet.“

Bis Ende dieser Woche nun soll die Social-Media-Kampagne weiterlaufen, zahlreiche Beiträge wie Videos oder Bilder mit Zitaten der Gemeindemitglieder sollen noch veröffentlicht werden. Die vielen Zitate und Videos zeigen, welch bleibenden Eindruck Richter in diesen zweieinhalb Jahren hinterlassen hat. Diesen Weg soll und wird er sicherlich fortsetzen – im Idealfall in Aalen, so die Hoffnung vieler rund um die Aalener Weststadt.

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