Siegfried Lingel: „Bei meinen Besuchen erlebe ich liebenswürdige Menschen“

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Kinder winken und lächeln in die Kamera
Trotz Armut haben sie immer ein Lächen im Gesicht: Die Kinder in Mosambik haben jede Unterstützung verdient. (Foto: Thorsten Vaas)
Freier Mitarbeiter
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Mosambik gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Das afrikanische Land ist hochverschuldet. Es fehlt daher am Geld, um eine umfassende schulische Bildung zu garantieren. Der Aalener Siegfried Lingel ist Honorargeneralkonsul von Mosambik und Präsident der Deutsch-Mosambikanischen Gesellschaft (DMG). Mit ihm hat sich Ulrich Geßler über die politische Situation in diesem Land und das Engagement der Gesellschaft in Sachen Bildung unterhalten.

Herr Lingel, Sie engagieren sich seit etwa einem Vierteljahrhundert in Mosambik. Was schätzen Sie an diesem Land besonders?

Ich schätze das Land selbst, das sich über 2700 Kilometer entlang des Indischen Ozeans erstreckt. Ich schätze die Menschen, deren Freundlichkeit, deren Herzlichkeit und deren Aufgeschlossenheit. Bei meinen Besuchen erlebe ich liebenswürdige Menschen.

Als Präsident der Deutsch-Mosambikanischen Gesellschaft haben Sie jetzt wieder dieses Land bereist. Was war Ihr Eindruck nach den Wahlen im Oktober?

Es fiel auf, dass überall Plakate der regierenden Frelimo hingen. Diese intensive Wahlwerbung war bestimmt ein Grund, dass der amtierende Staatspräsident Nyusi wieder gewählt wurde, und auch dass die Frelimo die Wahl in allen Provinzen gewann. Bei der Fahrt durchs Land habe ich erlebt, wie die Menschen den Ausgang der Wahlen teilweise mit Freudentänzen gefeiert haben. Insbesondere die Wiederwahl Nyusis wurde vielfach bejubelt.

Die DMG fördert und finanziert Bildungsprojekte. Was ist das Ziel?

Die Deutsch-Mosambikanische Gesellschaft hat sich zum Ziel gesetzt, jungen Menschen eine Ausbildung zu ermöglichen, damit sie später ein besseres Leben haben. Portugiesisch ist die Landessprache. Doch werden in den Dörfern Dialekte gesprochen.

Seit dem Jahr 2013 bittet die „Schwäbische Zeitung“ ihre Leser in der Advents- und Weihnachtszeit um Spenden für Menschen auf der Schattenseite des Lebens. Im Video erklären wir, wo die Spenden eingesetzt werden.

Kommen die Kinder in die Schule, brechen sie nach ein oder zwei Jahren wieder ab, weil sie kein Portugiesisch reden. Aus diesem Grund hat die Gesellschaft Vorschulen und Schulen aufgebaut. Bereits in den Vorschulen erlernen die Kinder die verbindende Landessprache. In einem weiteren Schritt werden wir je nach Standort Ausbildungsschulen einrichten.

Was bedeutet je nach Standort?

Wir orientieren uns am örtlichen Bedarf. In Mangol haben wir zum Beispiel ein landwirtschaftliches Ausbildungszentrum eröffnet. Bei dessen Finanzierung half übrigens der Ostalbkreis maßgeblich.

Zeigen die Aktivitäten bereits Erfolge?

Absolut. Viele junge Leute kommen nach Abschluss ihrer Ausbildung an einer Handwerkerschule in bestehenden Betrieben unter, andere machen sich selbstständig oder entscheiden sich dafür, ihre Ausbildung fortzusetzen bis hin zu einem Studium. Leider bleiben auch immer wieder einige auf der Strecke.

Nun setzt die DMG nicht nur auf den Bau von Bildungszentren, sondern finanziert auch deren laufenden Betrieb. Woher kommt das Geld?

Wir führen Vorschulen seit Jahren bewusst selbst. Denn wir wollen die Kontrolle über die gesamte Ausbildung haben. Gott sei Dank haben wir viele Spender, die genauso denken und etwas Gutes tun wollen für ein unterentwickeltes Land. Mit diesen Spenden finanzieren wir die Gehälter für die Erzieherinnen, die Lehrerinnen und Lehrer, die Lebensmittel für ein Essen an den Schulen und was sonst noch alles für den Betrieb einer Schule gebraucht wird.

Noch immer gehört Mosambik zu den ärmsten Ländern dieser Welt. Gibt es Hoffnung, dass sich dies in absehbarer Zeit ändert?

Vor allem die Länder, die bis in die Sechziger und Siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts unter Kolonialherrschaft standen und von den Kolonialmächten ausgebeutet wurden, sind bitterarm. In Mosambik endete die Kolonialzeit 1975, dann herrschte Bürgerkrieg bis 1992. Erst danach ging es aufwärts. Wichtig zu wissen ist: 1992 waren noch 95 Prozent der Mosambikaner Analphabeten. Bis das Land so weit ist, wie wir uns das vorstellen, werden daher noch Jahre ins Land gehen.

Mit Aalen hat erstmals eine Stadt in Deutschland mit einer Stadt in Mosambik einen Freundschaftsvertrag geschlossen. Sie, Herr Lingel, haben diese Verbindung zu Vilankulo eingefädelt. Was erhoffen Sie sich von diesen freundschaftlichen Beziehungen?

Ich erhoffe mir nicht nur etwas, denn es hat sich schon einiges getan. Dieser Freundschaftsvertrag hat in beiden Städten zu vielen Privatinitiativen geführt. Darüber war ich selbst überrascht. So wurde bereits eine Vorschule und eine Schule gebaut, wir haben mit dem Bau eines Ausbildungszentrums für Gastronomie begonnen, geplant ist eine Schule für Metallbau, Vilankulo erhält Unterstützung beim Aufbau einer Abfallentsorgung, ein Kulturzentrum wurde eröffnet. Das sind nur einige Beispiele für eine gelingende freundschaftliche Verbindung. Ich finde, das ist eine tolle Sache.

Der Start ist gelungen?

Das ist er. Als Aalener habe ich sogar den Eindruck, dass diese freundschaftliche Verbindung mit Vilankulo von allen bestehenden Städtepartnerschaften Aalens im Moment am intensivsten gelebt wird.

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