SHW Casting Technologies meldet Insolvenz an

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SHW Casting Technologies meldet Insolvenz an (Foto: Siedler)
Schwäbische Zeitung
Redakteurin/DigitAalen

Der Geschäftsführende Gesellschafter der SHW Casting Technologies GmbH (SHW CT), Ulrich Severing, hat am Mittwoch Vormittag einen Antrag auf Insolvenz gestellt. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter ist die Neu-Ulmer Kanzlei Geiwitz & Partner bestellt worden, die auch die Schlecker-Insolvenz begleitet hatte.

Arndt Geiwitz, Patrick Wahren und Werner Schneider waren am Mittwoch Nachmittag bereits im Werk in Wasseralfingen – Hauptsitz des Gießereiunternehmens – und haben sich vor Ort ein Bild von der Lage gemacht. Wie die Aalener Nachrichten / Ipf- und Jagst-Zeitung bereits berichtet haben, ist es der Geschäftsführung bis Dienstagabend nicht gelungen, einen Investor für das in Liquiditätsschwierigkeiten geratene Unternehmen zu finden. 2015 feiert die SHW CT ihr 650-jähriges Bestehen und ist damit das älteste Industrieunternehmen in Deutschland.

Vom Insolvenzverfahren betroffen sind drei operative Gesellschaften, die vier Gießereien unterhalten: die SHW Casting Technologies GmbH mit den Gießereien in Wasseralfingen und Königsbronn, für die Geiwitz vorläufig als Insolvenzverwalter bestellt wurde, die Gießerei Kiel GmbH, um deren Zukunft sich jetzt Schneider kümmert, und die ehemalige Voith-Gießerei in Heidenheim, die von Wahren betreut wird. Dieser hat sich bereits im Rahmen des Insolvenzverfahrens von Von Roll Voith Guss GmbH im Jahr 2002 um die Gießerei gekümmert und kennt den Betrieb insofern von früher.

Betrieb aufrechterhalten

Einige Stunden haben die Insolvenzverwalter mit einem Team von mehreren Mitarbeitern gestern Unterlagen gesichtet und Gespräche geführt. „Wir versuchen jetzt relativ schnell, alles in den Griff zu bekommen und uns einen Überblick über die wirtschaftliche Situation zu verschaffen“, sagte Wahren im Gespräch mit den Aalener Nachrichten / Ipf- und Jagst-Zeitung. Wichtig sei es, dass der Betrieb möglichst nicht zum Erliegen komme. Diesbezüglich müsse man auch sehen, inwieweit Material vorhanden und die Produktion damit gesichert sei. Die Löhne wurden bis März noch vom Unternehmen bezahlt. Bis Ende Juni seien die Gehälter dann erst einmal über das Insolvenzgeld gesichert.

Severing war gestern zu keiner Stellungnahme bereit. In einem Radio-Interview sagte er, dass es das Ziel sein müsse, die CT-Gruppe mit allen Werken zu erhalten. Außerdem äußerte er die Gewissheit, dass die Kunden von SHW CT bei der Stange blieben. Eine Lösung für die Gesamtgruppe strebe auch die IG Metall an, sagte der Erste Bevollmächtige Roland Hamm. Das weitere Verfahren liege nun in der Hand der Insolvenzverwalter, die allerdings zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen können, auf welche Lösung es letztlich hinauslaufen werde. „Dafür sei es noch viel zu früh“, machte Wahren deutlich.

Um Arbeitsplätze kämpfen

In den vier Werken in Wasseralfingen, Königsbronn, Heidenheim und Kiel arbeiten derzeit rund 800 Menschen. Die IG Metall werde für eine Fortführung der Arbeitsplätze kämpfen, sagte Hamm. In dem Gläubigerausschuss werde unter anderem Frank Iwer von der IG Metall Bezirksleitung Baden Württemberg vertreten sein. „Nächste Woche wollen wir dann in die Gespräche einsteigen“, sagte Hamm.

Ältestes Industrieunternehmen in Deutschland – Bereits 1365 wurde in Königsbronn Eisen industriell verarbeitet

Die Firma SHW Casting Technologies GmbH (SHW CT) kann auf eine lange Tradition zurückblicken und ist das älteste Industrieunternehmen in Deutschland. Auf dem heutigen Areal des Königsbronner Werks wurde bereits 1365 begonnen, Eisen industriell zu verarbeiten. Das Werk in Wasseralfingen wurde von der Fürstprobstei Ellwangen gegründet, um die Braunjura-Erze aus dem Tiefen Stollen zu verhütten. Der erste Hochofen in Wasseralfingen wurde in den Jahren 1668 bis 1671 erbaut. 1921 erfolgte die Zusammenführung von Erz und Kohle. Die Gutehoffnungshütte und das Land Baden-Württemberg gründeten die Schwäbischen Hüttenwerke. Die SHW etablierte sich in den 90er Jahren zunehmend als Automobilzulieferer. Die MAN AG und die Landesstiftung Baden-Württemberg hielten zuletzt die Firmenanteile zu je 50 Prozent. Aufgrund der Bestrebungen der MAN, sich auf die Kernkompetenzen zu konzentrieren, eröffnete sich 2001 die Chance, die nicht automotiv orientierten Gießereiaktivitäten im Werk Wasseralfingen und im Werk Königsbronn zusammenzuführen und als SHW Casting Technologies zu verselbstständigen.

Der damalige Geschäftsführer Ulrich Severing erwarb mit dem Investor Capiton die Firmenanteile. 2005 wurde die Unternehmensgruppe CT GmbH gegründet. Mittlerweile besteht die CT-Gruppe aus fünf produzierenden Standorten: Die SHW Casting Technologies mit ihren Werken in Wasseralfingen, Königsbronn und Torrington (USA) sowie einer Serviceniederlassung in Shanghai. 2006 vergrößerte sich die Gruppe um die auf dem Voith- Gelände in Heidenheim angesiedelte Heidenheimer Gießerei und um die heutige Gießerei Kiel.

Die CT-Gruppe fertigt mit rund 800 Mitarbeitern Gussteile bis zu 125 Tonnen Gewicht. Im Wasseralfinger Werk, in dem 228 Mitarbeiter beschäftigt sind, werden vorwiegend Motoren- und Großmotorengehäuse gegossen, in Königsbronn werden neben Hartguss für Walzenkörper Papierkalanderwalzen für die Druck- und Papierindustrie gefertigt, ebenso bei der Heidenheimer Gießerei. Dort werden aber auch Maschinenträger und Naben für Offshore-Windparks gegossen, die in Königsbronn weiterbearbeitet werden. Bei der zu CT gehörenden Gießerei Kiel werden unter anderem Motorblöcke für den amerikanischen Nutz- und Baufahrzeughersteller Caterpillar produziert.

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