Schubart-Gesellschaft wurde mit einem formellen und einem festlichen Akt gegründet

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Seine Wiege stand in Obersontheim, die Wiege der Schubart-Gesellschaft steht jetzt in Aalen. Nach einem formalen, nichtöffentlichen Gründungsakt folgte der feierliche mit Musik, den Vertretern der (Schubart)-Städte und einer stringenten Grußrede, die das paradoxe Verhältnis der Nachwelt zu Christian Friedrich Daniel Schubart auf den Punkt brachte: Aalens großer Sohn ist allzu häufig vor allem durch seine zehnjährige Haft auf dem Hohenasperg in Erinnerung und weniger als großartiger Dichter. Seine Werke, für die er rechtlos und ohne Urteil im Verlies landete, kennen viele gar nicht. Und Schubarts „Die Forelle“ als Kunstlied wird immer wieder Franz Schubert zugeschrieben – wegen des fast gleich klingenden Nachnamens.

Thilo Rentschler ist Vorsitzender

Im kleinen Rathaus-Sitzungssaal begrüßten Pia Geiger (Geige) und Neven Sulic (Gitarre) von der Musikschule Aalen die Gäste. Im großen Festsaal „war gerade die Tinte unter dem Gründungsvertrag trocken geworden“, wie Aalens Oberbürgermeister anmerkte. Thilo Rentschler wurde zum ersten Vorsitzenden gewählt, zur Stellvertreterin die Literaturwissenschaftlerin und Schubart-Expertin Professorin Barbara Potthast (Uni Stuttgart). Mit dabei im Saal waren unter anderem Vertreter aus Ulm, Nördlingen, Ludwigsburg, Geislingen, Obersontheim, von der Aalener Kommunalpolitik, die Dozenten der Schubart-Tagung und Konrad Theiss (Geschichtsverein Aalen).

Ein würdiger Platz für Schubart

Das Ziel der neuen Literatur-Gesellschaft beschrieb Rentschler so: Schubart einen würdigen Platz neben anderen Größen wie Hölderlin, Schiller und Mörike zuzuweisen. Das wurde Zeit, sagte er sinngemäß. Drei Jahre lang wird die Gesellschaft mit je 10 000 Euro unterstützt. Einem zusätzlichen Zuschuss vom Land blickt der OB hoffnungsvoll entgegen, sagte er in Richtung Andreas Schüle (Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst). Das habe er im Prinzip befürchtet, kommentierte er die Ankündigung eines entsprechenden Antrags aus Aalen nach Stuttgart.

Als Landesbeamter, so Schüle, wisse er, was bei so einer Laudatio zu tun ist. Eine Hymne auf das dichter- und denkerreiche Baden-Württemberg wolle er nun aber nicht bringen.

Stattdessen ging er tatsächlich in medias res, beleuchtete Schubarts Tragik und verglich sie mit Cäsar, der ein hervorragender Schriftsteller war, aber weitgehend nur als Feldherr und Politiker bekannt ist. Oder Casanova, der nur als Lebemann und Liebhaber hängenblieb in der Nachwelt und nicht wegen seiner Schriftstellerei.

Für andere musste er büßen

Um Schubarts Anerkennung muss man ringen, weil er ganz großes Pech hatte und für andere Verteidiger der Meinungsfreiheit büßen musste. Seine Tragik: Er ging ins Gefängnis wegen seiner Gedichte und Schriften, die vielen wenig bekannt sind. Bekannt ist vor allem seine Einkerkerung. Beispielhaft nannte Schüle „Die Forelle“, immerhin Schubarts populärstes Gedicht, geschrieben auf dem Hohenasperg. Biedermeierlich betrachtet sei sie eine Warnung an junge Frauen vor jungen Verführern. Tatsächlich ist die im „tückisch trüben Bächlein“ gefangene Forelle Schubart selbst.

Sicht auf einen Revolutionär

Teil zwei des Festakts bestritt der Autor Jan Snela, mit einer Sicht auf einen Revolutionär überwiegend wider Willen, den Frauenhelden und Pietisten und las aus seiner Schubart „Geislinger Steige“. Auch Geislingen ist Mitglied der neuen Schubart-Gesellschaft.

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