Schrottimmobilien zu überteuerten Preisen verkauft

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 Ende März wird der Prozess fortgesetzt. Dann werden ersten Zeugen vernommen.
Ende März wird der Prozess fortgesetzt. Dann werden ersten Zeugen vernommen. (Foto: Peter Steffen)
Edwin Hügler

Vor dem Schöffengericht Aalen unter Vorsitz von Amtsgerichtsdirektor Martin Reuff müssen sich derzeit drei 38 bis 42 Jahre alten Männer aus dem Ostalbkreis wegen bandenmäßigen Immobilienbetrugs in mindestens drei Fällen verantworten. Ihnen wird vorgeworfen, Schrottimmobilien billig erworben und überteuert weiterveräußert zu haben. Sie sollen sich dadurch unrechtmäßig hohe Provisionen und Gebühren betrügerisch verschafft und einen Kreditgeber geschädigt haben.

Den Ausführungen von Oberstaatsanwalt Jörg Böhme zufolge seien die Taten in den Jahren 2011 bis 2013 erfolgt. Einer der Angeklagten habe die Kunden vermittelt, der Andere habe die Immobilien gekauft und veräußert und der dritte Angeklagte sei als Mitarbeiter einer Bank durch die Eröffnung von Konten und durch die Bearbeitung von Kreditverträgen an den Delikten beteiligt gewesen.

Hauptgeschädigter ist ein Kreditinstitut

Den Hauptschaden hatte nach Meinung des Oberstaatsanwalts ein Kreditinstitut, das über den wahren Wert der Immobilien getäuscht worden sei. Außerdem sei es zu Täuschungen hinsichtlich der Bonität und Eigenkapitalausstattung der Kreditnehmer gekommen. Ungeklärt sei der Grund für die hohen Zahlungen an die Immobilienfirma eines der Angeklagten.

Die Rechtsanwälte Alexander Schneidern, Martin Lang und Klaus Grimbacher beteuerten die Unschuld ihrer Mandanten. Der billige Erwerb von Wohnungen in Bayern wurde dadurch erklärt, dass mehrere Immobilien en bloc günstiger erworben worden seien. Außerdem habe man die Wohnungen renoviert und vermietet und erst dann verkauft. Die Kapitalanleger hätten durch die Mieteinnahmen eine Rendite von über fünf Prozent erzielt. Ein Betrug liege daher nicht vor.

Hinsichtlich des Kreditgebers wurde betont, dass die Bank die Immobilien durch einen unabhängigen Gutachter bewerten habe lassen. Auch über die Bonität des Kreditnehmers sei die Bank nicht getäuscht worden.

Zwei Angeklagte sind vorbestraft

Einen breiten Raum nahmen die Erläuterungen der persönlichen Verhältnisse der Angeklagten ein. Der Mann, der die Kunden vermittelt haben soll, ist wegen Betruges und Steuerhinterziehung mehrfach vorbestraft. Er hat aus seiner Zeit der Selbstständigkeit ein Insolvenzverfahren inzwischen erfolgreich abgeschlossen. Der Angeklagte arbeitet derzeit in einem Industriebetrieb und lebt in geordneten Verhältnissen.

Den Mann, der die Immobilien gekauft und überteuert weiterveräußert haben soll, ist seiner eigenen Aussage zufolge von dem Prozess „psychisch stark mitgenommen“. Auch er ist einschlägig vorbestraft und inzwischen als Angestellter im Außendienst tätig.

Beim dritten Angeklagten liegen keine Einträge im Bundeszentralregister vor. Er lebt in normalen familiären Verhältnissen und erzielt als Kundeberater für eine Versicherung ein relativ hohes Einkommen.

Der Prozess wird am 28. März um 9.30 Uhr mit ersten Zeugenvernehmungen fortgesetzt.

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