Schnellster Tennisspieler der Welt: Aalener Weltrekordler veröffentlicht ein Buch

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Über Zufriedenheit geht es in Frank Fuhrmanns neuem Buch, das der Aalener nun veröffentlicht hat.
Über Zufriedenheit geht es in Frank Fuhrmanns neuem Buch, das der Aalener nun veröffentlicht hat. (Foto: Eva-Marie Mihai)
Redakteurin/DigitAalen

Das Buch „Zufriedenheit ist mein Ziel: In 8 Schritten zu einem erfüllteren Leben“ ist im Handel erhältlich und kostet 24 Euro.

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Als Frank Fuhrmann zum zweiten Mal in einem Jahr auf die Intensivstation der Aalener Klinik gekommen war, wusste er, dass es so nicht weitergehen kann. Der Tennisprofi, der jetzt in Aalen sein erstes Buch veröffentlicht hat, hatte sich bisher als „Mann, Leistungssportler und als Herkules sowieso“ gefühlt. Dann bekam er zweimal Herzflimmern kurz hintereinander und mit gerade mal 37 Jahren. „Die Ärzte sagten mir, dass meine Organe alle kerngesund seien“, erzählt der heute 54-Jährige. Was für ihn nur einen Schluss zuließ: Etwas in seinem Kopf müsse falsch laufen. Es sei der Wendepunkt in seinem Leben gewesen: Fuhrmann begann, sich für positive Psychologie zu interessieren.

Fuhrmann lebte sechs Jahre in Kalifornien, wo er Nike-Tenniscamps leitete und selbst aktiv spielte. Als er sich entscheiden musste: „Tennis oder Trainer“, entschied er sich zu trainieren. Spielte aber selbst weiter, war jahrelang in der Squash-Bundesliga und in der B-Nationalmannschaft.

Tennis-Weltrekorde mit dem Sohn aufgestellt

In dem Sport stellte er einige Weltrekorde auf: 2013 spielte er mit seinem Sohn Dennis den längsten Ballwechsel der Welt: 50 970 Schläge in geschlagenen zehn Stunden und 13 Minuten. Und zum Glück, da ihnen dieser Titel später von zwei Italienern abgenommen wurde, hatten die Männer auch die meisten Ballkontakte in einer Stunde gespielt – 8156 Schläge. Diese Leistung steht noch im Guinessbuch der Rekorde.

Solche Leistungen verlangen seinen Worten nach extrem gute Kopfarbeit: „Bei guten Tennisspielern zählen 20 Prozent Training und 80 Prozent Kopfarbeit.“ Fuhrmann spezialisierte sich als mentaler Trainer und brachte seinen Schützlingen bei, dass Konzentration das A und O sei – wenn das nicht klappt, könne schon ein umgekippter Becher in der dritten Zuschauerreihe den Tennisspieler auf dem Platz aus dem Konzept bringen.

So sei es auch Kopfsache gewesen, als Simona Halep vor wenigen Tagen gegen Angelique Kerber bei den French Open gewann. „Sie hat sich nach dem Match zu ihrem Trainer umgesehen und den Zeigefinger an die Schläfe gelegt“, erzählt Fuhrmann. Er bringt seinen Schützlingen bei, sich nicht von Äußerlichkeiten beeindrucken zu lassen. „Wenn einer jammert, weil er gegen eine höhere Leistungsklasse spielen muss, frage ich: ,Na und?’“ Viel besser sei es, sich die Stärken und Schwächen des Gegenübers klarzumachen.

Ebenso im Mannschaftssport: „Ich sehe schon im Fernsehen, wenn zwei oder drei Spieler einer Mannschaft nicht gut drauf sind – das färbt auf alle ab.“ Das sei schon an den Interviews, der Gestik, Mimik und eben an der Spielweise erkennbar. „Ich achte auf solche Sachen.“ Ein Beispiel, dass er damals verfolgt habe, war ein Unfall Felix Neureuthers vor der Winterolympiade 2014. Bei der Anreise hatte der Skisportler einen Auffahrunfall gehabt – vier Tage lang gab er hinterher Interviews, über den Unfall, ob er ein Schleudertrauma hätte. „Ich hätte ihn vier Tage lang im Hotel eingesperrt, von der Presse ferngehalten und nur zum Training rausgelassen“, sagt Fuhrmann. Wer sich vier Tage lang über einen Unfall unterhalte – sich also über einen langen Zeitraum über etwas Negatives unterhalte – könne mental gar nicht auf der Höhe sein. Die Olympiade sollte für Neureuther wenig erfolgreich verlaufen.

Eine weitere seiner Übungen aus der positiven Energie: Er gibt seinem Spieler acht Murmeln, je vier in eine Hosentasche. Benimmt der Spieler sich konzentriert und fair, kommt eine Murmel auf die „gute Seite“, ist das Gegenteil der Fall, er flucht oder wirft gar seinen Schläger, kommt wieder eine Murmel zurück auf die Negativ-Seite. Dadurch könne man ganz bewusst mentale Fähigkeiten trainieren und ausbauen. Diese Fähigkeiten hat er aus dem Sport in das Alltagsleben projiziert. „In Firmen gibt es so oft Ermüdungserscheinungen, Depressionen und Burnouts“, dagegen wolle er präventiv vorgehen. Nicht als Psychologe oder Therapeut, der er nicht sei, sondern mit seinen Workshops und nun seinem Buch. „Es geht darum, das volle Potenzial der Menschen zu entwickeln.“ Jeder Mensch habe vier Lebensquellen: den Körper, den Verstand, die Emotionen und die Seele.

Morgens bewusst duschen und andere Reize ausschalten

Er verfechte das Prinzip der Minimalkonstanz, beispielsweise drei Minuten am Tag Sport zu treiben. „Viele deckeln Symptome mit Medikamenten“, jeder Dritte habe Schlafschwierigkeiten. Dabei werde zu wenig Acht auf Bewegung oder Regeneration gelegt. Die Frage sei, was dem Körper Energie gebe und was bereite ihm Stress? Für viele sei Sport in der freien Natur eine Lösung. „Wir müssen selbstbewusster leben“, sagt Fuhrmann und betont „selbst“ und „bewusst“ wie zwei Worte. „Ich dusche oder frühstücke beispielsweise morgens ganz bewusst und versuche dabei, so viele Reize wie möglich auszuschalten.“ Der Körper könne gar nicht alle Reize aufnehmen und selektiere deshalb. „Die Frage ist, mit welcher Brille bin ich unterwegs?“ In Deutschland trügen Menschen oft eine „Jammerbrille“, während in den USA eher eine oberflächlich-positive Grundeinstellung herrsche. Was auch einer der Gründe gewesen sei, warum er ungern wegging, als er erfuhr, dass er nicht im Land bleiben könne. In Aalen war er schließlich gelandet, weil er eine Stelle als Trainer am Kinderstützpunkt bekam.

Hier – im Süden Deutschlands habe er dann auch sein Buch geschrieben, ganz klischeehaft in einem Wohnwagen am See. In dem Buch, das eigentlich ein Ratgeber ist, durchlaufen zwei fiktive Charaktere ein Mentaltrainingscamp, das an dem Ort spielt, an dem er in den USA wohnte. Der Leser schaut den Figuren bei Workshops über die Schulter und kann selbst Fragen beantworten oder Übungen ausprobieren.

Der Aalener Autor selbst hat übrigens schon zwei weitere Bücher in der Pipeline, wie er anmerkt – sichtlich zufrieden.

Das Buch „Zufriedenheit ist mein Ziel: In 8 Schritten zu einem erfüllteren Leben“ ist im Handel erhältlich und kostet 24 Euro.

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