Schättere-Trasse: Zurück auf null

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Der alte Disput: Radler auf die Schättere-Trasse oder nicht? Das Foto entstand am vergangenen Freitag bei der von Stadtrat Thoma
Der alte Disput: Radler auf die Schättere-Trasse oder nicht? Das Foto entstand am vergangenen Freitag bei der von Stadtrat Thomas Battran initiierten Rad-Testfahrt. Es zeigt den Sprecher des Unterkochener „Bündnis pro Wandertrasse“, Karl Maier (lin (Foto: Peter Schlipf)
Schwäbische Zeitung

Zurück auf null: So könnte man das Ergebnis der Beratung im Technischen Ausschuss des Gemeinderats über das Thema Radwegeverbindung von Aalen auf das vordere Härtsfeld zusammenfassen. Am Mittwoch hat sich dabei jedenfalls keine Mehrheit für die von der Stadt vorgeschlagenen Alternativrouten zur Schättere-Trasse abgezeichnet. Stattdessen sollen nun alle Anträge und Fakten für eine mögliche gemeinsame Nutzung dieser Trasse durch Fußgänger und Radfahrer zusammengetragen werden, einschließlich einer möglichen Öffnung des Schättere-Tunnels. „Dann geht’s in die nächste Runde“, wie Oberbürgermeister Thilo Rentschler am Ende feststellte.

Zu Beginn hatte Rentschler drei grundsätzliche Alternativen noch einmal aufgelistet: einen politisch vertretbaren Kompromiss, den die Verwaltung aus einer nicht ganz einfachen Situation heraus vorschlage, eine Öffnung der Schättere-Trasse auch für Radfahrer mit nicht abschätzbaren Folgen für die Kommunalpolitik in Unterkochen oder eine Belassung des jetzigen Zustands „auf mehr schlecht als rechten Strecken“. Grünflächenamtsleiter Rudolf Kaufmann beschrieb die sechs Alternativrouten auch mit dem Hinweis, dass dadurch 41 Kilometer zusätzlich an Radwegen aufs vordere Härtsfeld geschaffen würden.

CDU: „Fledermaus – und aus die Maus“ geht nicht

Ein Kompromiss, in dem CDU-Fraktionschef Thomas Wagenblast keinen Fortschritt erkennen mochte, vor allem nicht für Familien – trotz einer „beachtlichen Fleißarbeit“ der Verwaltung. Derzeit sei die Schättere-Trasse nicht für eine gemeinsame Nutzung geeignet. Es sei aber nie überlegt worden, was man tun müsste, um dies zu ermöglichen. Es müssten daher alle Fakten sauber, seriös und gutachterlich geklärt werden, unter welchen Bedingungen eine gemeinsame Nutzung der Schättere-Trasse durch Spaziergänger und Radfahrer möglich wäre. Was auch für eine mögliche Öffnung des Tunnels gelte. „Fledermaus – und aus die Maus“ könne hier keine Lösung sein. Diese neue Herangehensweise müsse schließlich auch den touristischen Aspekt einschließen, nämlich die Schättere-Trasse als Teil einer großen Radachse von der Donau bis zum Neckar.

Thomas Battran (Grüne) unterstrich, man dürfe sich nicht mit sechs „Scheinalternativen“ abmühen, die weder Familien noch Pendlern und Touristen nutzten. An der Schättere-Trasse, die vor 120 Jahren weder von noch für Unterkochen, sondern für die Allgemeinheit gebaut worden sei, führe kein Weg vorbei. Einschließlich einer Tunnelöffnung. Bis zur „großen Lösung“, die noch einmal Jahre dauern werde, schlug Battran eine Interimslösung vor, die Radler so hinten anstelle, das Fußgänger nicht gefährdet würden. Heidemarie Matzik (SPD) plädierte dafür, den jetzt eingeschlagenen Weg der Alternativrouten weiterzugehen und trotzdem über eine Lösung für die Schättere-Trasse nachzudenken. Zu behaupten, die Alternativrouten würden nicht funktionieren, sei „ein starkes Stück“, sagte Johannes Thalheimer (Freie Wähler).

Nach weiteren Wortmeldungen stellte Uschi Barth (CDU) fest, nötig sei als allererstes der Grundsatzbeschluss, ob man auf der Schättere-Trasse überhaupt mit dem Rad fahren dürfe oder nicht – und zwar „alle oder niemand“.

„Der Gemeinderat muss Farbe bekennen“

Der Gemeinderat müsse hier Farbe bekennen. Erst nach einem klaren Ja gelte es, die Bedingungen zu formulieren, unter denen dies möglich sein könnte. Patriz Ilg (CDU) sagte, seit 40 Jahren radle er in ganz Deutschland und habe in vergleichbaren Fällen noch nie Konfliktsituationen erlebt. Außer am vergangenen Freitag bei der von Battran initiierten Testfahrt, bei der er von Unterkochener Bürgern „in unfassbarer Weise“ genötigt, festgehalten und eingekesselt worden sei. Als er am Sonntag noch einmal auf der Schättere-Trasse gefahren sei, seien Wanderer, Spaziergänger und Radfahrer in einem völlig entspannten Miteinander dort unterwegs gewesen. „Alle anderen Routen gehen schlichtweg nicht“, sagte Ilg.

Am Ende verwies OB Rentschler zwar noch darauf, dass alleine ein Fledermaus-Gutachten zum Tunnel wohl 50 000 Euro kosten werde. Außerdem können man nicht einfach einen Tunnel öffnen, der seit 40 Jahren zugemauert sei. Kein Mensch wisse, was da an Kosten und Sicherungspflichten auf die Stadt zukämen. Er machte schließlich aber diesen Vorschlag, dem der Ausschuss dann folgte: Alle Anträge und Vorschläge aus dieser Sitzung werden gesammelt, ebenso alle Daten und Fakten zu Tunnel und Schättere-Trasse. Mit dem Gesamtpaket werde man, gemäß der Gemeindeordnung, dann noch einmal den Weg durch die betroffenen Ortschaftsräte antreten, ehe sich dann Ausschuss und Gemeinderat erneut damit beschäftigen können.

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